Die Spieltagsansetzung macht es möglich: Zum Saisonfinale kommt es in der Münchner Allianz Arena zu einem echten Endspiel.

In der Partie zwischen dem heimischen FC Bayern und dem VfB Stuttgart winkt dem Sieger die Champions-League-Teilnahme, sollte Wolfsburg gegen Bremen verlieren sogar die Meisterschaft.

Wenn Hertha BSC gewinnt, müsste der Verlierer mit der neu geschaffenen UEFA Europa League vorlieb nehmen. "Für die Bayern wäre das eine Riesen-Enttäuschung. Deshalb stehen sie unter Druck", sagt der Ex-Stuttgarter Hansi Müller.

Müller spielte 143 Mal für die Schwaben in der Bundesliga. Im bundesliga.de-Interview blickt er auf die Partie FCB gegen VfB voraus. In Münchens Superstar Franck Ribery hat er den entscheidenden Spieler ausgemacht, hat aber auch schon die passende Stuttgarter Antwort parat.

bundesliga.de: Was sagen Sie zu der Tabellenkonstellation zum Saisonfinale?

Hansi Müller: Jeder Fußball-Fan freut sich, dass am 34. Spieltag sowohl in der Meisterschaft als auch im Kampf gegen den Abstieg noch Spannung und Dramatik bis zur letzten Minuten geboten ist. Das ist genial!

bundesliga.de: Ihre Stuttgarter haben mit dem Spiel beim FC Bayern die denkbar schwerste Aufgabe erwischt. Wird in München vielleicht sogar noch die Meisterschaft entschieden?

Müller: Nein, der VfB hat aber das Endspiel um den Einzug in die Champions League. Um die Meisterschaft geht es in München nicht mehr. Denn die Wolfsburger spielen nicht nur einen überzeugenden Fußball, sondern sie haben auch das Glück, dass sie gegen Werder spielen müssen. Die Bremer sind das einzige Team, das noch unter der Woche antreten muss (am Mittwoch im UEFA-Pokal-Finale gegen Schachtjor Donezk; Anm. d. Red.) und auch noch danach im DFB-Pokal.

bundesliga.de: Welcher Club hat denn in der Münchener Allianz Arena die schlechtere Ausgangslage. Der VfB, als Gastmannschaft?

Müller: Die Bayern haben den größeren Druck. Sollten sie sich nur für die neu geschaffene UEFA Europa League qualifizieren, wäre das eine Riesen-Enttäuschung. Der VfB könnte damit leben. Die Champions League wäre für den VfB dagegen finanziell und für das Image gigantisch. Die Chancen stehen aber 50:50.

bundesliga.de: Was wird am Samstag ausschlaggebend sein? Die mannschaftliche Geschlossenheit, oder Einzelkönner wie ein Franck Ribery bei den Bayern oder ein Mario Gomez auf Seiten des VfB?

Müller: Ribery macht den Unterschied. Wenn er nicht dabei ist, dann fehlt einfach etwas. Wenn er einen guten Tag erwischt, und der VfB keine Mittel findet, dann war es das. Mario Gomez hat auch einen guten Lauf. Keine Frage. Aber er ist mehr auf die Pässe seiner Mitspieler und die Interaktion mit seinen Teamkollegen angewiesen. Ein Ribery entscheidet so ein Spiel auch im Alleingang.

bundesliga.de: Und wie kann man einen Ribery stoppen?

Müller: Ich würde Boka für Ribery abstellen. Der ist quirlig und schnell. Wenn er Ribery auf den Füßen steht, dann bin ich mal gespannt, was er macht. Da fällt mir ein Spiel aus meiner aktiven Karriere ein. Da wurde mir Werner Lorant 90 Minuten auf die Socken gestellt. Nach fünf Minuten hatte ich eigentlich keine Lust mehr, weil Lorant sich gar nicht ums Spiel gekümmert hat, sondern mir nur hinterhergelaufen ist. Und wenn Boka so dem Ribery nachstellen würde, dann wäre das sicherlich eine Überraschung für den Franzosen und auch für die Bayern.

bundesliga.de: Für den VfB ist die Saison schon jetzt auf jeden Fall ein Erfolg. Sicherlich auch ein Verdienst von Trainer Markus Babbel.

Müller: Ja, absolut. Markus Babbel macht aus, dass er auch schon die Kehrseite der Medaille kennengelernt hat. Durch das Guillain-Barré-Syndrom (eine Nervenkrankheit, Anm.d.Red.) war er lange an den Rollstuhl gefesselt. Aber er hat sich wieder aufgerappelt und ganz nach vorne gepirscht. Diese Energieleistung macht dich auch menschlich stark und in der Außendarstellung authentisch.

bundesliga.de: Abschließend Ihr Tipp: Wie lautet nach dem 34. Spieltag die Reihenfolge an der Tabellenspitze?

Müller: Wolfsburg wird Meister. Der VfB landet auf Rang 2 vor Hertha BSC. Und die Bayern werden Vierter.

Das Gespräch führte Michael Reis