Valenciennes - Ein kurzer Fingerzeig in Richtung Passgeber Oliver Giroud und eine Jubelpose mit stolz geschwellter Brust: Franck Ribery genoss sichtlich seinen Treffer (85.) beim 3:2 (0:2)-Sieg der französischen Fußball-Nationalmannschaft im EM-Test in Valenciennes gegen Island, denn der 29-Jährige von Bayern München beendete den seit über drei Jahren andauernden Torfluch im Dress der Equipe Tricolore. Am 1. April 2009 hatte der Offensivspieler den 1:0-Erfolg gegen Litauen unter Dach und Fach gebracht.

"Es ist drei Jahre her, dass ich für Frankreich getroffen habe. Es wurde schwierig für mich, mich zu rechtfertigen. Die Leute haben Fragen gestellt", sagte Ribery. "Ich freue mich für Franck. Er erzielte einen Treffer, der wichtig für ihn ist. Dieses Tor könnte den Knoten bei ihm platzen lassen", lobte Nationaltrainer Laurent Blanc das Bayern-Ass, das in der 75. Minute eingewechselt worden war. Acht Tage nach der bitteren Champions-League-Niederlage mit dem FC Bayern in München gegen den FC Chelsea war Ribery sehr spielfreudig und setzte in der kurzen Zeit viele Offensivakzente.

Frankreich ungeschlagen seit September 2010



Herrlich sein Doppelpass vor seinem Tor zum 2:2 mit Montpelliers Giroud - dann ließ Ribery mit einem Lob dem isländischen Torwart Hannes Halldorsson keine Abwehrchance. Giroud war dann auch Wegbereiter zum Siegtreffer, als er Adil Rami (87.) mustergültig per Kopf bediente. Mathieu Debuchy (52.) hatte das zwischenzeitliche 1:2 für den Weltmeister von 1998 und Europameister von 1984 sowie 2000, der seit 19 Spielen ungeschlagen ist, erzielt. Die zwei Treffer in der Schlussphase bewahrten die Franzosen vor der ersten Niederlage seit September 2010 (0:1 gegen Weißrussland).

Nachdenklich hatte Blanc die schwache Vorstellung in der ersten Hälfte gestimmt. "Wir haben sehr schlecht verteidigt", äußerte der Coach, dessen Team durch Tore von Teddy Bjarnason (28.) und Kolbeinn Sigthorsson (34.) 0:2 in Rückstand gelegen hatte. Die Gäste aus dem hohen Norden, Nummer 131 der FIFA-Weltrangliste, nutzten rigoros die Schwächen der Hausherren.

Blanc: "So ein Sieg gibt Selbstvertrauen"



Besser wurde es in den zweiten 45 Minuten und vor allem nach der Hereinnahme von Ribery. Der Bayern-Star harmonierte glänzend mit Giroud, der nach der Verpflichtung von Claudio Pizarro durch die Münchner für die kommende Saison wohl keine Rolle mehr in den Personalplanungen des deutschen Rekordmeisters spielt.

Derweil war der Trainer nach dem knappen Erfolg aufgrund der Energieleistung in der Schlussphase zufrieden. "So ein Sieg gibt Selbstvertrauen", resümierte Blanc, "eine Menge Mannschaften haben ihren ersten EM-Test vergeigt. Auch wir sind noch nicht bereit für das erste EM-Spiel am 11. Juni. Vor allem physisch fehlt noch einiges, das erklärt unsere Abwehrschwäche." Im Gegensatz zur deutschen Mannschaft in der Schweiz (3:5) schaffte Frankreich aber wenigstens einen Sieg - trotz Defiziten in der Defensive.