Zusammenfassung

  • Marco Reus hat die deutsche Offensive belebt, dabei zog er im entscheidenden Moment zurück.

  • An seiner Seite blühte auch Timo Werner auf - in ungewohnter Rolle.

  • Mit beiden Personalien hat der Bundestrainer das richtige Händchen bewiesen.

Sotschi - Wirbelwind Marco Reus hatte sich den entscheidenden Moment im deutschen WM-Schicksalsspiel gegen Schweden ganz anders vorgestellt. Er wollte, dass der Freistoß da von der linken Strafraumgrenze direkt geschossen wird. "Da habe ich gesagt", berichtete Toni Kroos: "Hm, bin ich nicht überzeugt von." Reus gehorchte dem Mittelfeld-Boss.

Um sich einen besseren Schusswinkel zu verschaffen, schob Kroos den Ball über knapp zwei Meter zu Reus, der Dortmunder stoppte ihn kurz - und hatte dann beste Sicht auf das "überragende Tor" (Reus) von Kumpel Kroos. "Er hat es nicht schlecht gemacht mit seiner Schusstechnik", sagte Reus schmunzelnd, "aber im Ernst: Tonis Schuss war einfach Weltklasse."

>>> Spielbericht: Kroos erlöst Deutschland in der Nachspielzeit

Dass Kroos beim 2:1 (0:1) gegen Schweden zum gefeierten Helden werden konnte, lag zu einem großen Teil an Reus, der nach seinem belebenden Joker-Auftritt gegen Mexiko (0:1) von vielen Experten vehement gefordert worden war. Gegen Schweden, seinem ersten WM-Spiel in der Startelf, gab er dem deutschen Spiel neben Spitze Timo Werner Tiefe. Und er erzielte mit dem linken Knie den so wichtigen Ausgleich (48.).

Die Entscheidung gegen Schweden: Reus stoppt an, Kroos schlenzt den Ball ins Tor
Die Entscheidung gegen Schweden: Reus stoppt an, Kroos schlenzt den Ball ins Tor © gettyimages / Alexander Hassenstein

Die Erlösung für Reus

"Das Wichtige war, dass wir zurückgekommen sind, dass wir das schnelle 1:1 erzielt haben", sagte Kapitän Manuel Neuer. Und so bekam auch die unglückliche Aussage von Reus nach der Pleite gegen Mexiko eine andere Wendung: Joachim Löw habe ihm bereits im Trainingslager gesagt, dass er in den "wichtigen Spielen" auf ihn setzen werde, hatte der 29-Jährige da berichtet. Gegen Schweden hat Löws "Rakete" endgültig gezündet.

>>> Liveblog: Alle News, Stimmen und Konstellationen zum Weltmeister

"Die Erleichterung ist enorm", sagte Reus, und das galt wie für die ganze Mannschaft auch für ihn persönlich. Wegen Verletzungen hatte der hochtalentierte Offensivspieler die WM 2014 und die EM 2016 verpasst, seit dem EM-Viertelfinale 2012 gegen Griechenland (4:2) bestritt er bis Samstagabend kein Turnierspiel von Beginn an. Sotschi, der Sieg über Schweden - für Reus eine Erlösung.

Video: Reus, Werner & Co. - In Topform zur WM

Werner in ungewohnter Rolle

Zu der kleinen Unterredung zwischen Reus und Kroos wäre es allerdings nie gekommen, wenn Werner nicht zuvor mit einem seiner vielen Flügelläufe den Freistoß herausgeholt hätte. "Timo kam auf links gefühlt an jedem vorbei", sagte Kroos. Mit einem seiner Sprints leitete der 22-Jährige auch den Ausgleichstreffer ein.

>>> So schlagen sich die ausländischen Bundesliga-Stars bei der WM

Mittelstürmer Werner auf links? In der ersten Halbzeit habe er sich vergeblich im Zentrum versucht, erklärte der Leipziger (22), "da wollte der Ball nicht so recht über die Linie. Dann habe ich es halt über die Flügel probiert." Eine goldrichtige Entscheidung. "Ich kann heute ruhig schlafen", sagte er und lächelte.

Wie Reus, wie Kroos, wie all die anderen stellte sich Werner in den Dienst der Mannschaft. Ehrensache, meinte er, "Wenn man einen Spieler braucht, dann sollte er da sein". Werner war es an diesem denkwürdigen Samstagabend, Reus ebenfalls - auch wenn er im entscheidenden Moment einen Rückzieher machte.

SID