St. Gallen - Es war der Abend, dem alle BVB-Fans und besonders er selbst lange entgegengefiebert haben. Das erste Mal, seit er den Verein vor sechs Jahren in der Jugend verlassen hatte, streifte sich Marco Reus sein neues Trikot mit der Nummer 11 über und stand für Borussia Dortmund auf dem Platz. Gegen den FC St. Gallen wechselte ihn Trainer Jürgen Klopp in der 61. Minute ein.

"Ich habe mich riesig gefreut, zum Einsatz zu kommen", sagte Reus nach dem Spiel, "das war etwas ganz Besonderes, endlich hier angekommen zu sein."

Und bereits nach wenigen Minuten auf dem Platz des Stadions in St. Gallen hätte er dieses Gefühl noch steigern können, hatte aber Pech, dass der Keeper im Tor der Schweizer seinen Kopfball im letzten Moment noch entschärfen konnte. Kurios: Noch bei seiner offiziellen Vorstellung am Montag hatte Reus betont, dass er in seinem Kopfballspiel durchaus noch Verbesserungspotential sehe. Bei diesem Abschluss war davon nicht viel zu bemerken.

Reus hat Spaß, ist fit und bescheiden



Es wäre ein Einstand nach Maß gewesen, aber auch so konnte der 23-Jährige durchaus zufrieden sein. Kurz vor Schluss legte er Kevin Großkreutz, seinem alten Weggefährten aus Ahlener- und Jugend-Zeiten bei Borussia, das entscheidende Tor auf. Die Spielfreude war dem gebürtigen Dortmunder anzumerken.

"Es macht super viel Spaß, mit den Jungs zu spielen und zu trainieren, auch wenn das Training im Moment natürlich sehr hart ist", sagte Reus, der nach dem Spiel und den vielen intensiven Trainingseinheiten der letzten Tage trotzdem noch relativ frisch wirkte. Das liegt seiner Meinung nach auch daran, dass er ohne Blessuren durch die Sommerpause und bisherige Vorbereitung (Dortmunds Fahrplan) gekommen ist: "Ich bin verletzungsfrei, das ist sehr positiv."

Auch die tolle Unterstützung von den Rängen und die Vorfreude der Fans auf seinen Einsatz kamen beim Offensivspieler sehr gut an. Natürlich habe er sich sehr darüber gefreut, gerade er würde die Unterstützung seiner Person von den Rängen "immer sehr positiv" aufnehmen. Dennoch blieb der BVB-Neuzugang bescheiden: "Wichtig ist, dass wir als Mannschaft gewonnen haben und dass wir uns stetig verbessern." Worte, die zeigen, wie gut Marco Reus in Einheit in Schwarz und Gelb passt. Teamgeist wird beim BVB groß geschrieben.

Polen-Trio überzeugt schon wieder



Auch die restlichen Nationalspieler, die ihren ersten Einsatz seit der Europameisterschaft absolvierten, überzeugten. Besonders in der ersten Halbzeit, in der Jürgen Klopp die drei polnischen Auswahlspieler auf den Platz schickte, war der BVB deutlich spielbestimmend. Jakub Blaszczykowski überzeugte mit schnellen Drehungen und technischer Finesse, Lukasz Piszczek schaltete ein ums andere Mal auf der rechten Seite den Turbo an und Robert Lewandowski bewies beim Treffer zur 1:0-Führung schon wieder seinen Torinstinkt.

In Halbzeit zwei kamen dann die einsatzbereiten deutschen Nationalspieler zum Zuge und bewiesen, dass auch sie heiß auf die neue Saison sind. Marcel Schmelzer vereitelte einen Gegentreffer per Grätsche kurz vor der Torlinie. Ilkay Gündogan bewies Auge und feine Technik, als er kurz nach seiner Einwechslung einen Zuckerpass in den gegnerischen Strafraum der spielte - natürlich auf Marco Reus.