Valencia - Manuel Salinas muss es wissen. Der 57-jährige Taxi-Fahrer ist nach eigenem Bekunden seid seiner Geburt Fan des FC Valencia. Auch wenn in seinem Dienstfahrzeug keinerlei Fan-Utensilien auf eine Liebe zu "seinem" Verein schließen, so lassen sein Enthusiasmus und seine Energie, die er auf die Frage nach dem Sieger der Partie zwischen dem heimischen FC und dem FC Schalke 04 (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) an den Tag legt, keinen Zweifel über die Echtheit seiner Worte aufkommen: "Valencia gewinnt 3:0!"

Den Grund für diese eindeutige Einschätzung liefert er gleich nach. "Wir spielen zuhause im Mestalla. Und da haben wir schon lange nicht mehr verloren." Recht hat der gute Senor Salinas. Denn seit zwölf Pflichtspielen hat keine Gastmannschaft mehr die Heimreise als Sieger angetreten. Zuletzt gelang Real Mallorca am 23. Oktober 2010 mit einem 2:1 dieses Kunststück.

Ein bisschen Angst vor Raul

Einen fünf Minuten langen Monolog über die Stärken von Mata, Soldado und Co. ist da mit nackten Zahlen nicht beizukommen - denn Valencia gewinnt derzeit einfach fast alle Spiele. Dass sie dabei nur wenig überzeugend agieren, stört Salinas nicht. "Das ist am Ende der Saison doch egal."

Ob er denn keine Angst vor der "königsblauen" Offensive mit Raul, Jan-Klaas Huntelaar und Jefferson Farfan habe? "Nein. Vor Raul vielleicht ein bisschen. Aber Huntelaar hat schon bei Real keine Tore geschossen", erwidert Salinas - ohne ein Wort über Farfan zu verlieren.

Bis auf das Trio Raul, Huntelaar und Christoph Metzelder, die allesamt bei Real Madrid unter Vertrag standen, sowie Sevillas Neuzugang Ivan Rakitic fällt dem Taxifahrer auch nur ein weiterer Schalker Spieler ein: Manuel Neuer. Der Fußball-Kosmos vieler spanischer Fans ist halt meist auf die iberische Halbinsel beschränkt.

Hotelangestellter schwärmt von Magath

Doch es gibt in Valencia nicht nur Inhaber rosaroter Vereinsbrillen. Der freundliche Ignacio Portillo an der Hotelrezeption sieht für das Spiel am Dienstag ein trostloses 0:0. "Uns fehlt momentan einfach der Spielwitz. Und wenn Juan Mata nicht dabei sein sollte, dann schießen wir sowieso kein Tor. Eher verlieren wir noch in letzter Minute." Die Reduzierung der Offensive auf den jungen Weltmeister ist dann aber vielleicht doch ein bisschen zu pessimistisch.

Vielleicht ist es der Kontakt zu den Touristen, vielleicht aber auch einfach pures Interesse am Fußball. Denn Portillo hat vor allem großen Respekt vor Raul und - aufgepasst - Felix Magath. Schließlich habe der mit dem FC Bayern und auch dem VfL Wolfsburg schon die Meisterschaft gewonnen. Der Mittdreißiger Portillo schwärmt 28 Jahre danach sogar noch von Magaths "Goldenem Tor" aus dem Finale des Landesmeister-Cups zwischen dem Hamburger SV und Juventus Turin. Verblüffend.

Die beiden Spanier eint aber die Sehnsucht nach den Erfolgen vergangener Tage. "Mal wieder die Meisterschaft gegen Barca und Real gewinnen - das wäre schon was", stellten sie unisono fest. Klar, auch die Champions League sei ein Thema, aber dafür "gibt es in der 'Königsklasse' zu viele starke Gegner." Der Schalke 04 ist heute Abend hoffentlich einer davon.

Aus Valencia berichtet Michael Reis