München - Er hat so viele Länderspiele absolviert wie Franz Beckenbauer (103) und wird in der ewigen Torjägerliste der deutschen Nationalmannschaft nur von "Bomber" Gerd Müller (68 Tore) übertroffen. Doch wer meint, Miroslav Klose würde vor Selbstbewusstsein platzen oder vor Überheblichkeit nicht mehr gerade aus gehen können, irrt.

Mit leicht reservierter Körperhaltung und fast schon schüchternem, ausweichenden Blick reagiert er auf Schmeicheleien, die ihm nach der Rückkehr von den EM-Qualifikationsspielen gegen Belgien und Aserbaidschan, in denen er seinen Treffer 53 bis 55 im Trikot der Nationalelf erzielte, entgegengebracht werden.

Klose will gegen Ex-Club endlich treffen

Vor allem körperlich gelte es noch einiges aufzuholen, speziell im konditionellen Bereich. "Wir sind ja mitten in der Vorbereitung", sagt Klose, der aufgrund der WM in Südafrika wie alle anderen deutschen Nationalspieler mit dreiwöchiger Verspätung wieder ins Mannschaftstraining des FC Bayern einstieg.

Zurücklehnen ist also keine Option für den Bayern-Stürmer, der Blick geht nach vorne: "Wer sich keine hohen Ziele steckt, wird auch nichts gewinnen." Außerdem sei es "immer schwieriger zu bestätigen, was man erreicht hat".

Eine Zielsetzung Kloses lautet jedenfalls, endlich mal einen Treffer gegen seinen Ex-Club Werder Bremen zu erzielen, der am Samstag am 3. Bundesliga-Spieltag in der Münchener Allianz Arena antritt (ab 18 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio). "Gegen meinen anderen ehemaligen Verein Kaiserslautern habe ich ja schon getroffen, jetzt wird es Zeit, dass ich auch mal gegen Werder ein Tor schieße", sagt der Angreifer, der drei Jahre lang das grün-weiße Trikot der Hanseaten trug.

"Schaaf kann immer noch jemand aus dem Hut zaubern"

Dass die Bremer ohne ihre Stamm-Innenverteidigung nach München reisen - Per Mertesacker muss wegen eines Augenhöhlenbruchs pausieren, Naldo plagen seit Wochen Knieprobleme - macht die Aufgabe in den Augen Kloses nicht einfacher: "Ich kenne Trainer Thomas Schaaf noch aus meiner Zeit bei Werder und weiß, dass er immer jemand aus dem Hut zaubern kann. Komischerweise haben wir damals in Bremen die schwierigen Spiele immer gewonnen, wenn wir viele Verletzte zu beklagen hatten. Ich hoffe, dass es am Samstag nicht wieder solch eine Trotzreaktion gibt."

Auch der Ausfall des besten Bremer Stürmers Claudio Pizarro (Muskelfaserriss), lässt Klose nicht entspannen: "Werder ist eine spielstarke Mannschaft, die immer in der Lage ist, ein Tor zu schießen." Sorgen bereitet ihm vor allem die Ungewissheit. "Es ist immer schlecht, wenn man nicht weiß, auf welchen Gegenspieler man sich vorbereiten soll. Spielt der Neue? (Mikaël Silvestre, Anmerk. d. Redaktion) Spielt Sebastian Prödl in der Innenverteidigung oder eher links?", fragt sich der 32-Jährige.

Van Buyten zeigt Respekt vor "Angstgegner" Bremen

Hinzu kommt die Statistik: Gegen keinen Club haben die Münchner so viele Niederlagen (26) und Gegentore (113) kassiert wie gegen Bremen. Werder verlor keins der letzten vier und nur zwei der letzten zehn Gastspiele in München, der letzte FCB-Heimsieg gegen die Norddeutschen datiert vom 5. November 2005. "Natürlich schöpfen wir Motivation aus der Tatsache, dass wir zuhause schon lange nicht mehr gegen Bremen gewonnen haben", erklärt FCB-Abwehrchef Daniel van Buyten: "Es ist wichtig, dass wir nach dem verlorenen Auswärtsspiel in Kaiserslautern jetzt wieder drei Punkte holen und unserem Publikum ein gutes Spiel liefern."

Doch auch der Abwehrhüne warnt vor den angeschlagenen Bremern, die mit einer Niederlage und einem Sieg nach zwei Spieltagen genauso viele Punkte wie die Bayern auf dem Konto haben: "Auf Werder muss man immer aufpassen, man darf sie auf keinen Fall unterschätzen. Außerdem ist Bremen ein Titelkonkurrent, daher müssen wir gewinnen."

Torgefahr aus dem Abwehrblock?

Falls Klose erneut kein Treffer gegen seinen Ex-Club gelingen sollte, könnten ja auch Bayerns Innenverteidiger in die Bresche springen. Van Buyten traf bei der 2:3-Niederlage Belgiens in der Türkei im "Doppelpack". Auch sein Nebenmann Holger Badstuber stellte seine Torgefahr mit seinem ersten Länderspieltreffer am vergangenen Dienstag beim 6:1 Deutschlands gegen Aserbaidschan unter Beweis.

FCB-Trainer Louis van Gaal hat seinen Abwehrspielern das Toreschießen jedenfalls nicht verboten. "Der Coach hat schon gesagt, dass wir uns noch ein paar Treffer für den FC Bayern aufheben sollen", schmunzelt van Buyten. Aus Münchener Sicht am besten schon am Samstag gegen Bremen...


Von der Säbener Straße berichtet Denis Huber