Zusammenfassung

  • Rene Adler hat sich beim 1. FSV Mainz 05 den Platz zwischen den Pfosten zurückerkämpft.

  • Der Routinier hatte entscheidenden Anteil am Punktgewinn gegen Borussia Mönchengladbach.

  • Adler lässt sich auch vor dem Abstiegskracher in Köln nicht aus der Ruhe bringen.

Mainz - Am kommenden Samstag muss der 1. FSV Mainz 05 beim 1. FC Köln antreten. Die Ausgangslage ist klar: Köln steht mit sechs Punkten Rückstand und der um elf Tore schlechteren Tordifferenz auf dem ersten direkten Abstiegsplatz hinter den Mainzern, die auf Relegationsplatz 16 rangieren. Für den FC ist es fast die letzte Chance, die Mainzer noch einzuholen, doch in diese Endspiel-Diskussion will sich der Mainzer Trainer Sandro Schwarz nicht hineinziehen lassen. "Es ist ein wichtiges Spiel, aber wir werden kein Entscheidungsspiel daraus machen“, so der 39-Jährige.

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Beim ausgerufenen Neustart in der Länderspiel-Pause hat Schwarz die letzten sieben Spiele zur Mainzer „Endrunde“ um den Klassenerhalt erklärt - und setzt nun dabei auf Rene Adler im Tor. Adler ist nach seiner starken Leistung beim 0:0 in Gladbach wieder die Nummer 1 in Mainz. Als Hoffnungsträger letzten Sommer aus Hamburg gekommen, verlor der 33-Jährige seinen Stammplatz wegen Verletzung und Krankheit zunächst an Robin Zentner und dann an Florian Müller.

Adler ist im Mainzer Tor wieder gesetzt

Nun aber setzt Trainer Schwarz im Saisonfinale auf Konstanz im Tor und "auf die Routine" des ehemaligen Nationaltorwarts. "Ich wäre ja behämmert, wenn ich jetzt sagen würde: Schauen wir mal, wie die Trainingswoche läuft. Wenn Rene gesund bleibt, steht er auch in Köln in der Kiste", erklärte Trainer Schwarz nach dem Gladbach-Spiel. Und da Adler bis dato keine Beschwerden angemeldet hat, wird dieser in Köln auflaufen. Adler erklärt vor der wichtigen Begegnung: "Das Minimalziel muss sein, den Abstand zu Köln zu halten."

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Wohl niemand sonst im Kader weiß besser, worauf es im Abstiegskampf ankommt. Mit dem HSV zitterte Adler in den letzten Jahren regelmäßig um den Klassenverbleib, zwei Mal schafften die Hanseaten nur über die Relegation die weitere Erstligazugehörigkeit. Adler sagt: "Ohne Leidenschaft und Herz gewinnt keine Mannschaft der Welt Spiele, auch nicht Bayern München oder Real Madrid." Gegen Gladbach warfen die Mainzer kämpferisch und läuferisch alles in die Waageschale und setzten nach der bitteren Pleite vor der Länderspielpause in Frankfurt (0:3) ein wichtiges Zeichen an ihr Publikum. Und Rene Adler war bei seinem Startelfdebüt nach einer Krankheitspause ein Garant für den Punktgewinn.

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Eine Szene in der Nachspielzeit gegen Gladbach wird vielleicht als eine der entscheidenden dieser Saison für Mainz 05 in Erinnerung bleiben: Der eingewechselte Stürmer Anthony Ujah spielte aus der Hälfte des Gegners einen zu kurzen Rückpass auf Adler, Gladbachs Stürmer Josip Drmic erkannte seine Chance, sprintete los und kam zuerst an den Ball - doch der Schweizer brachte die Kugel nicht an Adler vorbei.

Adlers Po-Parade sorgt für Jubelstürme

Adler schilderte die Szene später so: "Ich habe gesehen, es könnte eng werden und bin dann sogar noch kurz ausgerutscht. Mir blieb nur noch, volles Risiko zu gehen und mich so groß und breit wie möglich zu machen. Zum Glück hat er mir den Ball dann an den Arsch gespielt." Hätte Drmic das Spielgerät an Adler vorbeigespitzelt, hätte kurz vor dem Abpfiff das Siegtor für Gladbach erzielt und nicht nur Ujah, sondern ganz Mainz nach einem großen Kampf elend zurückgelassen. Aber so war es ja nicht: Der Ball prallte an der Pobacke von Rene Adler ab. Alle die mit Mainz fieberten, jubelten wie nach einem Sieg: Abpfiff - es blieb beim 0:0. Und Mainz sicherte sich dank Rene Adler einen ganz wichtigen Punkt.

Dieser letzte Einsatz mit jeder Faser seines Körpers von Adler stand symbolisch für die kämpferisch herausragende Leistung der Mainzer. Jetzt, so Adler, sei wichtig, dass die Nullfünfer Konstanz in ihre Leistung bringen. Das gilt auch für ihn, dessen Saisonfazit bis dato so wechselhaft ausfällt wie das der ganzen Mannschaft. Er verspricht: "Wir werden in Köln dagegenhalten und unsere Chance suchen. Die Leistung gegen Gladbach ist dabei der Maßstab." Adler freut sich auf die Herausforderung, er sagt: "Wenn du ein gewisses Alter hast, dann weißt du nicht, wie viele Spiele noch dazukommen, deshalb genieße ich jedes einzelne." Plötzlich spielt Rene Adler also wieder jene Rolle in Mainz, die er zwischenzeitlich verloren hatte: die des Hoffnungsträgers.

Tobias Schächter