Bevor Giovanni Zarrella zu einer festen Größe in der Musikbranche wurde, stand er in der Jugend beim AS Rom, dem VfB Stuttgart und dem SSV Reutlingen auf dem Platz. Der Deutsch-Italiener hängte seine Fußballschuhe aber an den Nagel, nachdem er beim Popstars-Casting für die Band Bro‘Sis ausgewählt wurde. Heute ist Zarrella als Solokünstler sehr erfolgreich. Im Zuge der Prosieben-Dokusoap "Pizza, Pasta und Amore" hat er nicht nur ein eigenes Restaurant in Köln ("78") eröffnet, sondern auch an neuen Songs gearbeitet. Das Album "Ancora Musica" sowie die Single "I can t dance alone", die er mit seinem ehemaligen Bro Sis-Band-Kollegen Ross aufgenommen hat, platzierten sich erfolgreich in den Charts. Mehr Infos zur Single und zum Album sowie zu den kommenden Terminen gibt es auf www.giovanni-zarrella.de. Während der WM 2010 schreibt er seine eigene Kolumne auf bundesliga.de.

Ich habe mir das Spiel meiner Italiener bei uns im Restaurant "78" mit Freunden angeschaut. Das war sehr lustig. Wir hatten gestern geschlossen, da wir in den Sommermonaten montags immer Ruhetag haben. Es waren viele Italiener zu Besuch. Es gab laute Musik und wir haben gesungen. Auch die Nationalhymne haben wir alle aus vollem Leib mitgesungen. Es war wirklich schön. Aber ich muss zugeben, dass der Ruhetag nicht wirklich ein Ruhetag war. Es war der lauteste Tag der Woche.

Ich bin echt zufrieden mit dem Auftaktspiel des Weltmeisters. Ich kenne ja meine Italiener. Ich weiß, wie sie in ein Turnier starten. Das Deutschland-Spiel hatte ich mir bei Oliver Pocher zuhause angeschaut. Da fragte er mich noch: "Was meinst du, was deine Italiener machen werden"? Ich habe ihm gesagt, dass ich zufrieden wäre, wenn sie unentschieden spielen würden. Paraguay ist ein starker Gegner. Die haben die Südamerika-Gruppe als Tabellen-Zweiter beendet - einen Punkt hinter Brasilien, und dass auch nur, weil sie ihr letztes Spiel zuhause nur Unentschieden gespielt haben. Paraguay hatte gegen Brasilien und Argentinien neun von zwölf möglichen Punkten geholt. Das ist schon richtig stark. Dass wir die nur zwei Mal aufs Tor schießen lassen, zeigt mir, wir sind gut drauf. Wir sind noch nicht an dem Punkt, an dem wir sein müssen, um ganz vorne mitzuspielen. Aber wir spielen zum Glück nicht mehr gegen die stärksten Gegner in unserer Gruppe. Pünktlich zum Achtelfinale werden wir genau da sein, wo wir sein wollen. Wenn wir das erste Spiel hoch gewonnen hätten, dann hätten wir ein Problem. Wir müssen zum Auftakt immer knapp gewinnen, unentschieden spielen oder verlieren. So sind wir Italiener. Ich bin zuversichtlich.

Ich gebe aber zu, dass uns Andrea Pirlo absolut gefehlt hat. Daniele De Rossi und Riccardo Montolivo sind gute Arbeiter, aber Pirlo ist nicht zu ersetzen. Ich denke sowieso, dass Marcello Lippi einige Wechsel vornehmen wird. Er wird auf jeden Fall Antonio Di Natale von Anfang an bringen. Der ist ein sehr guter Kreativspieler. Er hat die meisten Buden in der Serie A gemacht. Ich habe gar nicht verstanden, warum der auf der Bank saß. Auch Mauro Camoranesi, der angeschlagen war, wird von Anfang an spielen. Mit Claudio Marchisio als Spielmacher, das geht nicht. Wir hoffen ja, dass Pirlo zum zweiten Spiel fit wird. Aber die Trainer wollen da wohl noch nichts riskieren. Aber zum dritten Spiel ist er dann da. Wir wissen ja, wie toll der Mann spielen kann. Auch die Deutschen wissen das. Es ist nicht so lange her, da hat Pirlo einen genialen Pass in den Sechzehner gespielt, der zu einem wichtigen Tor bei der vergangenen WM geführt hat. Das Spiel endete 2:0 für Italien…

Es gibt nur wenige Momente, an die ich mich bei einer WM erinnern kann, bei denen mir das Herz so weit in die Hose gerutscht ist wie in dem Augenblick, als zur zweiten Halbzeit auf einmal Federico Marchetti aufs Feld lief und nicht mehr Gianluigi Buffon. Man rechnet immer mit dem Schlimmsten. Da hat sich zum Glück wohl nur ein Nerv eingeklemmt. Gegen Neuseeland sollten wir auch ohne ihn klarkommen. Es war trotzdem ein großer Schock.

Apropos Torhüter. Da hat sich der eine oder andere ja bei dieser WM schon einen dicken Schnitzer geleistet. Auch wir haben davon ja profitiert. Wobei ich glaube, dass Justo Villar nicht schlecht ist. Der spielt immerhin bei Valladolid in der ersten spanischen Liga. Einen wirklichen Bock hat sich dagegen aber Robert Green geleistet. Es ist unfassbar. Wirklich. Früher dachte ich immer, diese Geschichten über die Engländer und ihre schlechten Torhüter seien eine Medienerfindung. Aber es ist wirklich so. Sie haben immer eine tolle Truppe und der Torwart ist eine Null. Trainer sagen immer, man gewinnt Turniere mit einem starken Torwart und einem Stürmer, der die WM seines Lebens spielt. Wir haben einen guten Torhüter - den hatten wir auch 2006. Die Deutschen auch. Die haben sogar drei gute Torhüter. An starken Keepern hat es den Deutschen nie gefehlt und das war auch oft ausschlaggebend. Man denke nur an die WM 2002. Da hat Oliver Kahn die DFB-Elf bis ins Finale geboxt. Der hat ja wirklich alles gehalten, was aufs Tor kam. Der war sensationell. Ein guter Torhüter ist unersetzbar. Es ist die einzige Position, die nur einmal auf dem Feld besetzt ist - und das aus gutem Grund.

Und wenn wir schon über Deutschland sprechen, will ich auch nochmal etwas zum Start von Jogis Jungs sagen. Ich wusste die Australier nicht richtig einzuschätzen. Ich hatte sie im Testspiel gegen die USA gesehen. Da haben sie 1:3 verloren und hätten gut und gern auch 1:6 verlieren können. Da war mir klar, der Nabel der Fußballwelt sind die Australier nicht. Aber dass sie so desaströs auftreten würden, hatte ich nicht erwartet. Die haben ja auch nach dem dritten Gegentor nicht gemerkt, dass ihre Abwehr ein bisschen zu hoch stand. Da hätte ich mir mehr erwartet. Aber das ist auch wiederum die Stärke der Deutschen. Die Deutschen greifen immer weiter an, egal ob sie 1:0 oder 6:0 führen. Die schießen sich in einen Rausch. Sie haben wirklich ein tolles Spiel absolviert und großartige Spielzüge gezeigt. Vor allem mit Mesut Özil und Thomas Müller. Es ist zu früh, Deutschland jetzt schon zum Weltmeister zu küren. Die Auftakterfolge der Deutschen kennen wir ja. 4:0, 4:2, 8:0. Sie haben bei den vergangenen drei WM-Auftaktspielen ja 16 Tore geschossen. Und bei den beiden Endrunden vor diesem Jahr hat es ja nicht zum Titel gereicht gehabt. Ein guter Auftakt gehört bei Deutschland zum guten Ton. Dennoch: Da wächst etwas Gigantisches zusammen. Mit den Deutschen muss man ernsthaft rechnen - dieses Jahr, aber vor allem 2014 in Brasilien.

Ihr

Giovanni Zarrella