Mit dem "Arbeitssieg" in Frankfurt (2:0) ist Borussia Dortmund zumindest einem, für viele BVB-Anhänger eminent wichtigen Saisonziel ein gutes Stück näher gekommen: Nämlich am Saisonende vor dem Erzrivalen FC Schalke 04 zu stehen. Mit Platz 6 - Schalke rangiert direkt dahinter - sind die Borussen somit derzeit auf Kurs.

Zum sechsten Mal in Folge haben sie den Platz als Sieger verlassen und damit den Vereinsrekord aus dem Meisterjahr 2001/02 eingestellt. Die Erfolgsserie sowie die Art und Wiese, wie von Sieg zu Sieg gehetzt wird, weckt verständlicherweise weitere Begehrlichkeiten im Ruhrgebiet.

Der Traum von Europa

Bei drei Punkten Rückstand auf einen Europapokal-Platz träumt man in Dortmund zurecht davon, im kommenden Jahr erneut auf Europas Fußballbühnen auflaufen zu dürfen.

Die Form, um dieses Ziel zu erreichen, hat die Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp allemal. Gegen die Hessen war es der eingewechselte Mohamed Zidan, der mit seinem Treffer elf Minuten vor Spielende die Weichen auf Sieg stellte. Frankfurts Habib Bellaid (84.) sorgte mit einem Eigentor dann für die endgültige Entscheidung zugunsten der Borussia.

Malochen kommt im "Pott" gut an

"Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie Spiele gewinnen will", machte Trainer Klopp nach dem hart erkämpften Sieg in Frankfurt deutlich. "Das zeigt den tollen Charakter meiner Mannschaft. Jetzt versuchen wir, das Maximum aus dieser Saison für uns herauszuholen."

Klopp weiß genau, wie der jüngste Höhenflug seiner Elf zu erklären ist: "Unsere Stärke der letzten Wochen war die Bereitschaft zu arbeiten, das Maximale herauszuholen. Was das sein kann, wissen wir noch nicht. Aber es war die Basis, um jetzt hier zu stehen." Eine Marschroute, die bei den Menschen im Ruhrgebiet gut ankommt und mit der sich auch die meisten Fans identifizieren können.

"System Klopp" greift

Ohnehin hat "Kloppo" allmählich die richtige Mischung in Dortmund gefunden. Die Mannschaft begeistert wieder und präsentiert sich als geschlossene Einheit auf dem Platz. Das, was Jürgen Klinsmann in München nicht geschafft hat, nämlich jeden Spieler besser zu machen, scheint Klopp zu gelingen. Junge Akteure wie die Innenverteidiger Neven Subotic und Felipe Santana oder Mittelfeldtalent Nuri Sahin danken es ihm mit konstant guten Leistungen.

Auch der ehemalige Nationalspieler Patrick Owomoyela trug zuletzt maßgeblich zu den starken Auftritten der Dortmunder bei. Unter Klopp blühte der Rechtsverteidiger wieder auf und ist derzeit nicht mehr aus der BVB-Elf wegzudenken. "Wir belohnen uns derzeit für die unheimlich harte Arbeit, die wir leisten und das soll auch weiter der Fall bleiben", sagte der ehemalige Bremer.

Das Team funktioniert

Selbst die etwas eigenwilligen Angreifer Alexander Frei und Mohamed Zidan haben ihre Rolle im System Klopp gefunden und stellen sich ohne Murren in den Dienst der Mannschaft. Der Schweizer Frei - früher nicht unbedingt als Laufwunder verschrien - ackert und rackert mittlerweile für seine Kameraden, und auch Zidan hat sich in seiner Rolle als "Joker" zurechtgefunden. "Alex und Nelson (Valdez, Anm.d. Red.) machen ihre Sache toll. Warum soll der Trainer etwas ändern?", fragte der Ägypter selbstlos.

Was am Saisonende für die "Schwarz-Gelben" unter dem Strich herauskommt, liegt nicht zuletzt auch an den Darbietungen der Konkurrenz. Nur wenn diese patzen und der BVB weiter siegt, könnte es für einen Platz in der neuen UEFA Europa League reichen. "Das Einzige, das wir beeinflussen können, sind unsere eigenen Spiele", unterstrich Klopp.

Schweres Restprogramm

Und diese werden sicherlich kein Spaziergang. "Das Restprogramm hat es in sich, weil wir nur noch auf Mannschaften treffen, für die es noch um etwas geht - um die Meisterschaft oder um den Klassenerhalt.", sagte Klopp.

Zuhause trifft die Borussia noch auf Karlsruhe und Bielefeld, auswärts muss man bei Meisterkandidat Wolfsburg und Kellerkind Gladbach antreten. Die nächsten drei Wochen werden zeigen, wie weit man in Dortmund tatsächlich schon ist.

Florian Bruchhäuser