München - Eigentlich könnte sich der FC Bayern München entspannt zurücklehnen. Elf Punkte beträgt der Vorsprung auf Borussia Dortmund - und sollte der Verfolger am Sonntag gegen den VfB Stuttgart nicht gewinnen, wären die Bayern vorzeitig Herbstmeister. Mit schon jetzt 40 Punkten nach 14 Spieltagen sind die Münchner auf bestem Weg, die beste Hinrunde aller Zeiten zu spielen - eben weil niemand in den Reihen des Rekordmeisters daran denkt, die Füße hochzulegen.

Erst recht nicht Philipp Lahm, der eventuell aufkommende Gedanken an Bequemlichkeit im Keim erstickt. "Man muss immer arbeiten und kann sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen", sagt Lahm. Schließlich werden die Lorbeeren in Gestalt der Meisterschale erst am Saisonende vergeben. Bis dahin ist es noch weit, auch wenn die Bayern bereits knapp vor der Hälfte der Strecke aussichtsreich in Position liegen.

Guardiolas weiße Hinrunden-Weste

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Von ihrer 21. Herbstmeisterschaft sind die Münchner nur noch einen kleinen Schritt entfernt. Sollte dieser "Titel" bereits nach dem 14. Spieltag feststehen, würde der FC Bayern seinen eigenen Rekord aus der Triple-Saison 2012/13 einstellen. Die 40 Punkte nach 14 Spielen sind schon jetzt ein neuer Rekordwert. Und nur drei Siege fehlen noch, dann hätte der Tabellenführer die beste Hinrunde der Bundesliga-Historie gespielt. Damit würde das Team von Pep Guardiola die eigene Bestmarke von vor zwei Jahren noch mal verbessern - damals gab es 15 Siege und zwei Remis.

Bislang konnte einzig Eintracht Frankfurt mit einem torlosen Unentschieden den Bayern Punkte abknöpfen. Das Gefühl einer Niederlage in der Hinrunde ist Guardiola mit den Münchnern ohnehin gänzlich fremd. Auch in seiner dritten Bayern-Saison ist der Katalane bislang in der ersten Saisonhälfte ungeschlagen. Sagenhafte 42 Siege und sechs Unentschieden holte der FCB in dieser Zeit.

Lahm: "Immer wach sein"

Sind Niederlagen etwa unmöglich geworden? "Nein", entgegnet Lahm, "es ist immer möglich. Man muss immer wach sein und seine Leistung abrufen." Die Punkte werden den Bayern keinesfalls geschenkt, denn die Gegner versuchen den Bayern das Leben so schwer wie möglich zu machen. Fünferketten in der gegnerischen Defensive sind mittlerweile fast Standard.

Es gebe Schöneres, auch für die Zuschauer, gesteht Lahm. "Der Trainer beschäftigt sich damit", sagt der 32-Jährige. "Wir lassen uns etwas einfallen und nehmen die Aufgabe an." Trotz zahlreicher Ausfälle in der Offensive knackten die Bayern schließlich auch beim 2:0-Sieg gegen Hertha BSC den Abwehrriegel.

Müller stellt persönlichen Torrekord ein

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Wegbereiter war einmal mehr Thomas Müller, der schon zum vierten Mal in dieser Saison das wichtige 1:0 erzielte - das gelang in der Liga keinem öfter (Topdaten zu Bayern - Hertha). Müller steht sinnbildlich für die derzeitige Erfolgsstory der Bayern, der der Stürmer Woche für Woche ein neues Kapitel hinzufügt. "Thomas ist eine absolute Identifikationsfigur für diesen Club", stimmte dann auch Vorstand Sport Matthias Sammer eine Lobeshymne auf den 26-Jährigen an: "Er verkörpert alles, was den FC Bayern ausmacht: Selbstbewusstsein, aber auch eine gewisse Lockerheit, Bescheidenheit und Demut."

Hinzu kommt der in dieser Saison besonders ausgeprägte Torhunger. Gegen Hertha erzielte Müller bereits sein 13. Saisontor. Damit hat er schon nach dem 14. Spieltag seinen bisherigen Topwert aus der Vorsaison erreicht. "Jetzt hat er seinen Rekord eingestellt“", sagt Lahm: "Ich hoffe, er stellt seine Spielweise jetzt nicht ein." Aber ans Zurücklehnen denkt bei den Bayern ja sowieso keiner.

Aus München berichtet Maximilian Lotz

Thomas Müller: Einzigartig genial