München - Ein paar Mal wird sich Francois Affolter am Mittwoch wohl gekniffen haben. Denn dass er jetzt in Bremen ist, sei ein Traum. Das betonte der Schweizer, der von den Young Boys Bern kam, bei seiner Ankunft an der Weser.

Die Realität könnte den jungen Innenverteidiger aber sehr schnell einholen, schon am Samstag winkt sein Bundesliga-Debüt.

Vorfreude auf den ersten Einsatz

Die Werder-Abwehr - selbst in Bestbesetzung nicht für ihre Undurchlässigkeit berühmt - ist nach dem Abgang von Andreas Wolf sowie den Verletzungen von Naldo und Sebastian Prödl nämlich arg dezimiert. Geschäftsführer Klaus Allofs freute sich am Mittwoch daher auch, "dass Francois ab sofort zu uns stoßen wird und er uns auch kurzfristig weiterhelfen kann".

Thomas Schaaf stellte seinem Neuzugang bereits einen Einsatz in Aussicht. "Ich gehe davon aus, dass er am Samstag schon dabei sein wird und unsere Situation im Abwehrverbund verbessert", so der Trainer auf der Pressekonferenz vor der Partie gegen Bayer Leverkusen (Sa., ab 15 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio).

Bremens neue Nummer 3 ist auf jeden Fall bereit. "Die Vorfreude ist riesig. Natürlich bin ich etwas aufgeregt, aber ich spiele immer besser, wenn ich positiven Druck spüre", sagte Affolter im Interview auf der Website seines neuen Clubs.

Hitzfeld gratuliert per SMS

Das Selbstbewusstsein kommt nicht von ungefähr. Der schlacksige Abwehrspieler hat bei den Young Boys einen steilen Aufstieg hingelegt und blickt trotz seiner erst 20 Jahre bereits auf dreieinhalb Profi-Spielzeiten zurück.

Seit seiner Premiere im September 2008 etablierte sich Affolter bei dem Traditionsclub als Stammspieler und absolvierte bislang 94 Spiele in der Schweizer Super League sowie 16 Einsätze in europäischen Wettbewerben. Parallel zur positiven Entwicklung im Verein erfolgte auch die im Nationaltrikot.

Über die U19 und die U21 schaffte Affolter den Sprung in die A-Mannschaft von Ottmar Hitzfeld. Ob er mit seinem "Nati"-Coach über den Wechsel nach Bremen gesprochen habe? "Dafür ging alles zu schnell. Aber er hat mir eine SMS geschrieben und mir gesagt, dass Werder eine gute Wahl für mich ist", erklärte der viermalige Nationalspieler.

"Große Chance für mich"

Affolter ist von dem Schritt in die Bundesliga ebenfalls überzeugt. Er ist begeistert vom hohen öffentlichen Interesse und den Stadien. "Der Wechsel ist eine große Chance für mich." Von der Stadt habe er noch nichts gehört, aber von Werder schon. "Ich weiß, dass sich junge Spieler hier gut weiterentwickeln können."

Bis zum Jahresende hat er Zeit, sich im neuen Umfeld zu beweisen. So lange gilt sein Leihvertrag. Weil Werder auf seinen Durchbruch hofft, hat sich der Club eine Kaufoption gesichtert. Schaaf ist schon im Vorfeld voll des Lobes. "Er ist technisch gut ausgebildet, bringt eine hohe Grundschnelligkeit und Übersicht mit und hat eine gewisse Gelassenheit am Ball", sagt der Trainer. "Er ist ein junger Spieler mit sehr viel Potenzial."

Wahrscheinlich bietet sich Affolter ja bereits im ganz realen Duell gegen Leverkusen die Gelegenheit, die in ihn gesetzten Hoffnungen erstmals zu erfüllen.

Tim Tonner