Das Hinspiel gegen Manchester City bezeichnete Martin Jol als "das schönste Spiel unter meiner Regie". Der Trainer des HSV kennt den englischen Fußball, und deshalb gelten die Hamburger nun als Favorit um den Einzug ins Halbfinale im UEFA-Pokal.

Es scheint, als seien die ruhigen Trainer beim HSV stets die erfolgreichsten. Ernst Happel war immer sehr ruhig gewesen, und er gewann mit Hamburg die Deutsche Meisterschaft, den DFB- und den Europapokal. Die Ruhe ist aber auch schon die einzige Gemeinsamkeit, die der aktuelle Trainer mit dem österreichischen Kettenraucher hat.

Allseits beliebt

Martin Jol ist so beliebt in der Stadt, weil er auch eine gehörige Portion Humor versprüht, einen ganz anderen Humor als Happel - mal ganz abgesehen davon, dass der Hamburger SV derzeit erfolgreich spielt und als einzige deutsche Mannschaft noch auf drei Hochzeiten tanzt. Der 53-Jährige Holländer kann also noch in der laufenden Saison einige Gemeinsamkeiten hinzufügen.

Die nächste Hürde dazu steht am Donnerstagabend in England an, das Viertelfinal-Rückspiel im UEFA-Pokal gegen Manchester City (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker). Jol kennt sich gut aus im englischen Fußball, dort sammelte er seine ersten internationalen Trainer-Erfahrungen. Von 2004 bis 2007 arbeitete er bei Tottenham Hotspur, wo er ähnlich beliebt war wie jetzt in Hamburg.

Als bei den Spurs Jols Chef Jacques Santini nach nur wenigen Monaten das Handtuch warf, sprang der Niederländer als damaliger Co-Trainer in die Bresche, verabschiedete sich mutig vom bisher gepflegten Defensivfußball, und Tottenham spielte sofort besser. Zwei Mal belegte Jol mit der Mannschaft Platz 5 in der Premier League.

Im Duell: Zwei ehemalige Bayern-Spieler

Selbst wenn das Publikum von Manchester City im Viertelfinal-Rückspiel ihre Mannschaft bedingunglos nach vorne schreien wird, wird Jol ruhig bleiben. Es gibt auch keinen Grund, beunruhigt zu sein. Der HSV ist im UEFA-Pokal auswärts noch ungeschlagen.

Ähnliches gilt auch für das direkte Duell der beiden Trainer: Gegen Mark Hughes trat Jol als Tottenham-Manager vier Mal an, zwei Mal gewann er, zwei Mal trennte man sich unentschieden. Mit diesem Trainer hat er übrigens auch eine Gemeinsamkeit: Beide spielten einst für den FC Bayern.

Erfolg durch Geschlossenheit

Das Hinspiel war ein erneuter Beleg dafür, was den HSV in dieser Saison ausmacht: die vom Trainer ausgestrahlte Ruhe und Gelassenheit. Die Mannschaft musste, wie schon in vielen wichtigen Spielen zuvor, mit einem Rückstand zurecht kommen.

Und immer wieder sind es andere Spieler, die dank mannschaftlicher Geschlossenheit danach ins Rampenlicht rücken. Gegen Galatasaray war es Paolo Guerrero mit zwei Toren, gegen Manchester war es Piotr Trochowski mit einem Tor und zwei Vorlagen.

Dazu gehört auch, dass Jol in Sachen Taktik sehr variabel agiert und der HSV deshalb für den Gegner schwer auszurechnen ist. Weil Manchester City angreifen muss, wird sich Jol auch diesmal etwas Besonderes einfallen lassen, denn ganz auf Offensivfußball verzichten, das tut Martin Jol - bei aller Ruhe - äußerst ungern.

Christoph Leischwitz