Zwei Tore in letzter Minute bescheren dem VfB Stuttgart zwei Siege und die große Hoffnung, in der Tabelle noch weiter nach oben zu klettern: Für die Schwaben ist in dieser Saison noch vieles möglich. Besonders die Art und Weise, wie der Hamburger SV besiegt wurde, spricht für sie. Das Selbstvertrauen ist enorm gestiegen.

Eigentlich war schon alles klar: Die Nachspielzeit der Partie zwischen dem VfB Stuttgart und dem Hamburger SV lief, es stand 0:0 und beide Mannschaften hätten sich nach dem Abpfiff nicht energisch über diese Punkteteilung beschwert.

Dann aber kam Mario Gomez, erzielte das 1:0 für seine Stuttgarter und ließ die Mercedes-Benz Arena förmlich "explodieren", wie es der glückliche Stuttgarter Trainer Markus Babbel später formulierte. Eine unnötige Niederlage für den HSV und ein Last-Minute-Sieg für die Schwaben, der ihnen wieder alle Möglichkeiten im Kampf um den Meistertitel eröffnet.

Ein Sieg der Moral

Der Stuttgarter Erfolg war auch ein Sieg der Moral. Wie schon in der vergangenen Woche in Bochum, als der auch gegen Hamburg eminent starke Serdar Tasci kurz vor Ende zum Sieg (2:1) traf, gab die Mannschaft von Babbel gegen die Hamburger bis zum Ende Vollgas. Die Schwaben Elf bewies einmal mehr, dass sie sich körperlich in absoluter Top-Verfassung befindet.

"Meine Mannschaft hat immer wieder versucht, sich Chancen zu erarbeiten und ist dafür belohnt worden. Ich hatte mich schon mit einem 0:0 abgefunden, aber die Jungs wollten unbedingt diesen Sieg", sagte Babbel. Und sprach damit aus, was alle Beobachter sahen: Der VfB glaubt wieder an sich.

Zwei Siege für das Punktekonto - und das Selbstvertrauen

Zwei Siege in Folge in letzter Sekunde - der VfB strotzt vor Selbstvertrauen. Hinzu kommt, dass sich die Eckpfeiler der Mannschaft in exzellenter Form befinden.

Torwart Jens Lehmann war gegen Hamburg ein sicherer Rückhalt und wirkt nach seiner Vertragsverlängerung noch konzentrierter und erfolgsorientierter. In der Defensive geben Tasci und der wieder genesene Franzose Matthieu Delpierre ein Innverteidiger-Paar, das in der Bundesliga sicher zu den Besseren gehört.

Auch die zweite Garde passt

Im Mittelfeld dreht sich alles um Thomas Hitzlsperger, der seit seinem Aufschwung in der deutschen Nationalmannschaft auch im Verein konstant starke Leistungen abruft.

Und fast das Wichtigste: Dem VfB Stuttgart gelingt es momentan sogar, das verletzungsbedingte Fehlen eines Leistungsträgers wie Sami Khedira zu kompensieren. So machte zum Beispiel Martin Lanig gegen Hamburg eine starke Partie. Beruhigende Nachrichten für Babbel: Auch die zweite Garde passt.

Wohlfühlbecken für Gomez

Im Sturm war es wieder einmal Gomez, der gegen Hamburg für die Entscheidung sorgte. Die Torflaute in der Nationalmannschaft scheint den Torjäger nicht negativ zu beeinflussen, im Gegenteil, der VfB scheint für Gomez, der jetzt schon fünfzehn Mal getroffen hat, so eine Art Wohlfühlbecken zu sein.

Ein kleines Problem ist Gomez' Sturmpartner. Gegen Hamburg spielten Ciprian Marica und der für ihn eingewechselte Youngster Julian Schieber schwach. Die Hoffnung ruht auf den zuletzt gelb gesperrten Brasilianer Cacau.

Wolfsburg kommt noch in die Mercedes-Benz Arena

Derzeit spricht also vieles für den VfB Stuttgart, im Kampf um dem Titel noch ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Unter anderem auch das Restprogramm. Der Tabellen-Erste aus Wolfsburg muss noch nach Stuttgart und im letzten Spiel der Bundesligasaison 2008/2009 könnte es beim FC Bayern München zu einem Endspiel kommen.

Ein großes Finale ist dem VfB in der Form der letzten Wochen auf alle Fälle zuzutrauen.

Aus Stuttgart berichtet Jens Fischer