Hamburg - Nach 20 Spieltagen stand der FC Augsburg sensationell auf Rang vier der Tabelle, die Fans träumten von der Champions League, die Europa-League-Teilnahme schien für den Verein mit dem zweitkleinsten Etat der Liga angesichts von acht Punkten Vorsprung auf Rang sieben nur Formsache.

Nur zehn Spiele später droht der Traum von Europa kurz vor dem Ziel zu platzen. Zurückgefallen auf Rang sechs beträgt das Polster nach dem 2:3 beim Hamburger SV (Spielbericht) auf den Siebten Hoffenheim nur noch zwei Zähler, drei sind es zu Borussia Dortmund auf Rang acht.

Von den letzten zehn Spielen konnten die Augsburger nur zwei gewinnen, zweimal teilte man sich die Punkte mit dem Gegner. Gerade auf Reisen haben die Fuggerstädter ihre Probleme. Mit 30 Punkten belegen sie Rang fünf in der Heimtabelle, lediglich zwölf Punkte brachten sie von ihren Reisen mit nach Hause. Nur vier Teams holten noch weniger. Die Niederlage an der Elbe war die fünfte Pleite in Folge in der Fremde.

"Wollten negative Auswärtsserie durchbrechen"

"Wir wollten unsere negative Auswärtsserie durchbrechen", so Daniel Baier nach der Partie. "Und wir waren auch richtig gut im Spiel, aber auf einmal steht es 0:2, weil wir den Gegner zu Toren eingeladen haben." Und selbst die Aufholjagd zum 2:2 durch Treffer von Raul Bobadilla und Tobias Werner brachten keine Ruhe ins Spiel der Gäste. "Wir kommen zurück, müssen das Spiel komplett drehen, stattdessen haben wir beim dritten Gegentor wieder geschlafen", ärgerte sich Baier.

"Wenn man solche Fehler macht wie wir, darf man sich nicht wundern, dass man verliert", schlug Marwin Hitz in die gleiche Kerbe. "Ich denke, dass wir insgesamt die bessere Mannschaft waren, aber wir haben drei ganz unnötige Gegentore kassiert. Das darf nicht passieren. Der HSV war gerade nach dem 2:2 verunsichert, das konnten wir aber leider nicht ausnutzen."
Markus Weinzierl sprach von einer "unnötigen Niederlage. Wir haben den HSV in den ersten 20 Minuten aufgebaut mit zwei Toren, die wir nicht bekommen dürfen. Dann kommen wir wieder ran, gleichen sogar aus und bekommen dann wieder so ein Gegentor."

"Lassen uns die Saison nicht kaputtreden"

Dass den Augsburgern kurz vor dem Ziel die Nerven versagen, verneint Stefan Reuter kategorisch. "Druck gibt es bei jedem Bundesliga-Spiel. Dass die Spieler damit umgehern können, haben sie bewiesen. Wir dürfen nicht vergessen, wir haben eine tolle Saison gespielt. Die lassen wir uns nicht kaputtreden", lobt der FCA-Manager und verspricht: "Jetzt werden wir die letzten vier Spiele noch einmal alles geben und versuchen, den Traum von Europa wahrzumachen."

"Das war ein ganz bitterer Spielverlauf. Bei den Gegentoren haben wir es dem HSV zu einfach gemacht", ärgerte sich Alexander Esswein. "Nach dem Seitenwechsel sind wir stark aus der Kabine gekommen, haben aber insgesamt zu wenig aus unserem Ballbesitz gemacht, weil uns zu viele Fehler unterlaufen sind."

"Jetzt werden wir zwei Tage das Spiel sacken lassen und dann wieder zurückkommen. Wir haben noch vier Spiele vor uns. Wir wollen in die Europa League. Da müssen wir unsere Heimspiele gegen Köln und Hannover gewinnen", gibt der 25-Jährige vor. Allein auf die Heimstärke will sich Esswein aber nicht verlassen. "Wir müssen auch auswärts mal wieder was holen." Das wird nicht einfach. Die letzten Reisen der Saison führen den 14. der Auswärtstabelle zum Rekordmeister Bayern München und zum Champions-League-Aspiranten Borussia Mönchengladbach.

Aus Hamburg berichtet Jürgen Blöhs