Mit nur neun Spielern hat Meister Real Madrid gegen Pokalsieger FC Valencia den Supercup gewonnen und damit zugleich für Aufsehen gesorgt.

Beim ersten Titelgewinn der neuen Saison hatten die "Königlichen" sogar ihren ansonsten nüchternen Trainer Bernd Schuster ins Staunen versetzt.

Spiele mit Seltenheitswert

Denn trotz der Platzverweise für die beiden Niederländer Rafael van der Vaart und Ruud van Nistelrooy hatte der Champion die Partie im heimischen Bernabeu-Stadion 4:2 (0:1) gewonnen und sich nach der 2: 3-Niederlage im Hinspiel eine Woche zuvor in Valencia die Trophäe gesichert.

"Solche Spiele gibt es nicht oft. Ich habe so etwas heute zum ersten Mal erlebt, als Spieler oder als Trainer", sagte Schuster nach der außergewöhnlichen Partie, in der Valencia eigentlich alle Trümpfe schon in der Hand hatte.

"Das war verrückt, ein kurioses Spiel. Gegen neun Mann verlieren, das darf einer Mannschaft wie uns nicht passieren", sagte der frühere Stuttgarter und aktuelle Valencia-Keeper Timo Hildebrand. "Wir haben gut begonnen, aber nach den zwei Platzverweisen hatten wir keine Linie mehr im Spiel - trotz Überzahl. Wir haben nicht auf das zweite Tor gespielt und sind dafür bestraft worden."

Doppelter Platzverweis

Europameister David Silva hatte Valencia in der 32. Minute mit einem Flachschuss aus 20 Metern etwas überraschend in Führung gebracht, und als acht Minuten später der Ex-Hamburger van der Vaart nach einem groben Foul an Juanma Mata, den er mit gestrecktem Bein am Knie traf, bei seinem ersten Pflichtspiel im heimischen Bernabeu-Stadion die Rote Karte sah, schienen die Gäste auf der Siegerstraße zu sein.

Doch Valencia, mit EM-Torschützenkönig David Villa im Sturm, tat zu wenig in der Offensive. Hinten musste der gut aufgelegte Hildebrand dagegen mehrfach seine Klasse zeigen, um Gegentreffer zu vermeiden.

In der 49. Minute war aber auch er machtlos, als van Nistelrooy per Handelfmeter den Ausgleich erzielte. In der 73. Minute schwächte der Niederländer seine Mannschaft dann aber durch seine Gelb-Rote Karte (73.) erneut. Doch mit zwei Spielern weniger erzwang Real dann angetrieben von Arjen Robben doch noch den Sieg.

Typisch Bernabeu

Zunächst traf Europameister Sergio Ramos per Abstauber zum 2:1 (77. ). Die beiden Joker Ruben de la Red (86.) und Gonzalo Higuain nach einem katastrophalen Rückpass von Alexis (89.) erhöhten mit einem Doppelschlag sogar auf 4:1. Der Anschlusstreffer von Fernando Morientes (90.) kam für Valencia zu spät.

"Solche Dinge passieren nur in Bernabeu", sagte Real-Torhüter Iker Casillas: "Komischerweise haben uns die Roten Karten in die Karten gespielt. Wir mussten dann reagieren."

Pfiffe gegen Robinho

Der Brasilianer Robinho, der unbedingt von Real zum FC Chelsea wechseln möchte, stand bei den Madrilenen zwar im Kader, kam aber nicht zum Einsatz. Von den eigenen Fans, die unter anderem ein Transparent mit der Aufschrift "Robinho, sei nicht undankbar, bleib hier" aufgehängt hatten, wurde er sogar ausgepfiffen, so dass Schuster ihn nicht einmal zum Warmlaufen schickte.

"Die Situation ist nicht angenehm für ihn oder den Club", sagte Schuster, der immer noch hofft, dass der Brasilianer trotz der Millionen-Offerte aus London in Madrid bleibt: "Es war meine Entscheidung, ihn nicht spielen zu lassen, aber er gehört weiter zur Mannschaft."

Nicht nur angesichts der unklaren Situation um Robinho schloss Schuster trotz des Sieges ohne van Nistelrooy, van der Vaart oder den wie Christoph Metzelder verletzten Wesley Sneijder weitere Verpflichtungen nicht aus. "Nur weil wir gewonnen haben, hören wir jetzt nicht auf, uns umzuschauen", sagte Schuster, dessen Club unter anderem Interesse an David Villa oder dem Niederländer Klaas Jan Huntelaar haben soll.