Köln - RB Leipzig rockt auch nach dem achten Spieltag die Bundesliga. Der Aufsteiger ist weiterhin ungeschlagen und steht hinter dem FC Bayern auf Platz zwei. Nur der aktuelle Tabellenführer aus München war in seiner Debüt-Saison 1965/66 mit umgerechnet ebenfalls 18 Punkten ähnlich erfolgreich gestartet.

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Bayern-Jäger!? Nein, mit diesem Begriff kann RB Leipzig momentan noch gar nichts anfangen. Doch es ist Fakt, der Aufsteiger ist derzeit erster Verfolger des Titelverteidigers und Rekordmeisters aus München. Nur zwei Punkte haben die Leipziger (18) weniger auf dem Konto als der Spitzenreiter. „Über Bayern können wir im Dezember eine Woche vor dem Spiel gegeneinander sprechen“, erklärte Stürmer Davie Selke. Vier Tage vor Weihnachten am 16. Spieltag reisen die Leipziger in die Allianz Arena. Es könnte dann zur Entscheidung, um die Herbstmeisterschaft kommen. Wer hätte das gedacht?

Der Erfolg der Sachsen kommt jedoch nicht von ungefähr. Trainer Ralph Hasenhüttl, der erst zu Saisonbeginn aus Ingolstadt nach Leipzig wechselte, hat aus den „jungen Wilden“ (Durchschnitssalter 23,6 Jahre) schnell ein funktionierendes Team gemacht. „Klar will jeder spielen, doch es gibt keinen Neid. Jeder bringt sich voll ein“, erklärt Davie Selke die Mentalität der Mannschaft. Der Ex-Bremer und Silbermedaillengewinner von Rio ist ein Paradebeispiel für den gutenn Teamgeist des Aufsteigers. Der Stürmer ist derzeit kein Stammspieler und kam an den ersten acht Spieltagen erst viermal zum Einsatz, trotzdem ist Selke nach Emil Forsberg und Naby Keita (je drei Tore) mit zwei Treffern der dritterfolgreichste Torjäger bei den Sachsen.

Video: Ralph Hasenhüttl

Damit wären wir auch schon bei einer der vielen Stärken des Aufsteigers. Die Flexibilität in der Offensive und der extrem qualitativ und auch quantitativ zusammengestellte Kader. Hasenhüttl setzte bei sieben der acht Partien auf ein 4-4-2-System mit zwei Sechsern vor der Abwehr und zwei offensiven Mittelfeldspielern auf den Außenpositionen. Zumeist bildeten Yussuf Poulsen und Neuzugang Timo Werner das Angriffsduo. Sollten beide Angreifer einmal nicht treffen, kann der Coach qualitativ mit Davie Selke und dem Schotten Oliver Burke nachlegen. Die Unberechenbarkeit des Aufsteiger ist ein Grund, warum es derzeit so gut läuft. Selke erzielte am vergangenen Sonntag bereits das fünfte Jokertor der Leipziger, das ist Ligahöchstwert.

Hasenhüttl hat die Qual der Wahl

Auch im Mittelfeld hat der Trainer die Qual der Wahl. Für die vier Positionen im Mittelfeld stehen ihm Dominik Kaiser, Diego Demme, Stefan Ilsanker oder Naby Keita, Emil Forsberg oder der derzeit verletzte Marcel Sabitzer zur Verfügung. Kapitän Kaiser stellt dabei den Teamgeist in den Vordergrund und zeigt sich selbstbewusst. „Mit unserer Mannschaftsleistung können wir jedem Paroli bieten. Vom Kopf her sind wir sehr stabil. Wir dürfen nur unseren Stil nicht ändern, sondern müssen immer weiter einen draufpacken. Dann wird es schwierig, uns zu schlagen.“

Der Aufsteiger ist auch nach acht Spieltagen noch unbesiegt
Der Aufsteiger ist auch nach acht Spieltagen noch unbesiegt © gettyimages

Offensivstark, hinten grundsolide

Das Spiel der Leipziger ist jedoch nicht nur ein einziger Hurra-Stil Richtung gegnerisches Tor, auch in der Verteidigung spielt der Aufsteiger grundsolide und hat mit Marvin Compper und Willi Orban ein eingespieltes Innenverteidiger-Duo in seinen Reihen. Besonders der Ex-Lauterer Orban spielt bislang eine extrem starke Saison und könnte sich durchaus bald in den Fokus von Bundestrainer Joachim Löw spielen. “Wir haben schon gemerkt, dass wir gegen jeden Gegner, gegen den wir bislang gespielt haben, nicht nur mithalten, sondern auch punkten können. Unser Ziel sollte sein, weiter so viele Spiele zu gewinnen wie möglich. Vorgenommen haben wir uns zunächst eimal eine sorgenfreie Saison zuspielen", erklärte der Leipziger im Interview mit bundesliga.de.

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Understatement oder einfach nur Realismus?

Die Leipziger sind trotz des tollen Saisonstarts demütig. „Wir freuen uns einfach alle riesig auf jedes Bundesliga-Spiel. Für viele von uns ist das immer noch Neuland, weil ein Großteil von uns noch nicht so viele Bundesliga-Partien bestritten haben. Wir gehen mit einer großen Vorfreude in jedes Spiel, wir sehen und spüren auch die Euphorie der Fans,“ so Orban weiter.

Auch Trainer Hasenhüttl hat den tollen Saisonstart registriert, mahnt aber dennoch zur Demut. Es laufe noch nicht alles wunderbar. Die 40 Punkte so schnell wie möglich einzusacken, sei weiterhin ein sehr ambitioniertes Ziel für den Aufsteiger.

Alexander Barklage