Leverkusen - Der Aufsteiger RB Leipzig mischt die Bundesliga weiter auf. Der 3:2-Auswärtssieg in Leverkusen war der sechste Dreier der Sachsen in Folge. Mit 27 Punkten aus elf Partien ohne Niederlage steht die Elf von Ralph Hasenhüttl an der Spitze der Bundesliga-Tabelle und bricht weiter Rekorde.

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Kein Aufsteiger zuvor blieb die ersten elf Spiele einer Saison ungeschlagen. Acht Siege und drei Unentschieden stehen zu Buche. Seit dem 2:2-Remis beim Saisonauftakt in Hoffenheim, das der Neuling sich durch den Last-Minute-Treffer von Marcel Sabitzer sicherte, sind die Bullen auch nicht mehr ernsthaft in Bedrängnis gekommen. In den folgenden neun Spielen ging Leipzig immer mit 1:0 in Führung und geriet nie in Rückstand.

Reifeprüfung bestanden

Insofern war die Partie in Leverkusen eine echte Reifeprüfung für den smarten Emporkömmling. In der BayArena musste RB gegen starke Rheinländer gleich mehrere Rückschläge verdauen. Das frühe Gegentor von Kevin Kampl nach 61 Sekunden, die Verletzungen von Marcel Sabitzer und Marvin Compper, den erneuten Rückstand durch Julian Brandt in der Nachspielzeit der ersten Spielhälfte und auch den Elfmeterpfiff nach 54 Minuten. Nichts davon beeindruckte die Schützlinge von Ralph Hasenhüttl, die ihr Ding gnadenlos durchzogen und mit nichts weniger als drei Punkten beim Champions-League-Teilnehmer nach Hause fahren wollten.

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"Zum Schluss brauchst du eben Mentalität, den Glauben, dass mehr geht", meinte Ralph Hasenhüttl (>>> zum Video: Erfolgsmacher Hasenhüttl). "Selbst nach dem 2:2 haben wir nicht aufgehört. Von mir gibt es dafür ein Riesenkompliment. Ich bin stolz." Dazu hatte der Trainer auch allen Grund. Denn damit haben die Leipziger im Kampf um die Tabellenspitze eindrucksvoll vorgelegt. Sie gehen unbeeindruckt weiter ihren Weg.

"Tut der Liga gut"

"Wir freuen uns über Platz 1", sagte der Österreicher. "Und es ist schön für die Liga, dass der FC Bayern zum ersten Mal seit Jahren als Tabellenzweiter zu einem Auswärtsspiel fährt. Ich glaube, dass das der Liga gut tut." In den letzten fünf Jahren haben die Bayern nach dem 11. Spieltag immer auf Platz 1 gestanden, meistens unangefochten mit vier, fünf oder sogar sieben Punkten Vorsprung. In dieser Saison muss sich der Rekordmeister mit einem Gegner herumschlagen, den kaum jemand eine solche Rolle zugetraut hätte.

"Die wenigsten hätten damit gerechnet, dass wir so gut starten", sagte Leipzigs Siegtorschütze Willi Orban. "Die Punkteausbeute macht uns stolz. Das macht immer wieder Lust auf mehr." Die Sachsen haben Gefallen an der Tabellenführung gefunden, verschwenden an den Titel (noch) keinen Gedanken, machen sich aber auch keineswegs klein. "Wenn wir auch beim nächsten Spiel in Freiburg so auftreten wie in Leverkusen in der zweiten Halbzeit, dann werden wir die Bayern weiter ärgern können", kündigte Timo Werner an.

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Direkte Vergleiche mit den Bayern wollte Teamkollege Orban nicht ziehen. "Wir vergleichen uns nicht mit den Bayern, weil wir noch nie gegen sie gespielt haben. Mit den Bayern beschäftigen wir uns erst, wenn es soweit ist, also kurz vor Weihnachten", meinte der Kapitän. Erst am 16. Spieltag kommt es zum Gipfeltreffen mit den Münchenern. Vorher stehen aber noch andere anspruchsvolle Aufgaben u.a. gegen Schalke 04 und Hertha BSC an.

Leipzig hält dagegen

Bislang hat noch kein Gegner ein Erfolgsrezept gegen Leipzig gefunden. Leverkusen versuchte es mit seinem Pressing, Leipzig hielt dagegen. Allerdings hätte die Partie in der BayArena auch einen anderen Verlauf nehmen können. Denn bei allem berechtigten Lob für RB hat sich die Werkself auch selbst um den Lohn einer couragierten Leistung gebracht.

"Wir haben ihnen die Tore geschenkt", ärgerte sich Bayer-04-Sportdirektor Rudi Völler. "Das erste Gegentor war ein Eigentor, das zweite ein Torwartfehler. Außerdem verschießen wir einen Elfmeter. Dann verlierst du so ein Spiel." Zum großen Können kommt also auch noch das nötige Glück dazu. Doch das hat bekanntlich nur der Tüchtige. In diesem Sinne ist RB Leipzig in dieser Saison sehr viel zuzutrauen.

 

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski