Leipzig - Trotz der 4:5-Niederlage gegen Bayern München hatte RB Leipzig am Samstag die Sympathien für eine großartige Saison auf seiner Seite.

Ein bisschen seltsam war er schon, dieser Samstag in der sächsischen Messestadt. Vor dem Spiel RB Leipzig gegen FC Bayern München, also Zweiter gegen Erster, herrschte allerorten ausgelassene Partystimmung. Die Sonne schien und auf der riesigen Festwiese, gleich neben der Arena gelegen, feierten sich die Menschen schon mal warm. Kurz vor der Partie zogen dann langsam dunkle Regenwolken herauf. Das Publikum ließ es sich trotzdem nicht nehmen, mit einer riesigen Choreographie im gesamten Stadion die Saison zu feiern. "Acht Jahre phänomenal – jetzt international", hieß es in Anspielung auf den rasanten Weg der "Roten Bullen" von der Oberliga in die Königsklasse.

Strahlende Unterhaltung

Und auch die Akteure auf dem grünen Rasen boten im Kontrast zur Wetterlage strahlende Unterhaltung. Vor allem die Hausherren legten los wie die Feuerwehr. Besonders das Offensivquartett Timo Werner, Yussuf Poulsen, Marcel Sabitzer und Emil Forsberg wirbelten die bayerischew Defensive gehörig durcheinander. Am Ende hatte Werner den ersten Doppelpack eines Bundesligaspielers gegen den FC Bayern seit über zwei Jahren erzielt und damit sein Torkonto auf 21 Treffer geschraubt. Forsberg der an den ersten drei Leipziger Toren beteiligt war, hatte sein Assistkonto auf unglaubliche 18 direkte Torvorlagen ausgebaut. Und auch Poulsen und Sabitzer hatten jeweils einmal eingenetzt.

© gettyimages / Boris Streubel

Phasenweise war es eine Demonstration, in der zweiten Halbzeit lieferten die Zuschauer Szenenapplaus für Leipziger Ballstafetten im Mittelfeld. Weltmeister Thomas Müller fand es "ein bisschen aufreizend", für  RB-Coach Ralph Hasenhüttl war es "vielleicht das beste Spiel, das wir abgeliefert haben". Nur eben mit dem besseren Ende für die Gäste, die die Partie in der Nachspielzeit noch zu ihren Gunsten drehten.

Demme: "Stolz auf die Leistung"

"Ich weiß noch nicht, ob ich glücklich sein soll, dass wir Bayern am Rande einer Niederlage hatten, denn am Ende ist das Ergebnis bitter." Wie Diego Demme, der RB Leipzig erneut als Kapitän auf den Platz geführt hatte, ging es den meisten Spielern. "Ich habe gemischte Gefühle jetzt nach dem Spiel", räumte auch der gute Yussuf Poulsen ein. "Vier Tore zuhause haben bislang immer für einen Sieg gereicht", stellte Marvin Compper fest. Und Stefan Ilsanker, der als rechter Verteidiger eine starke Partie geboten hatte, zerriss vor lauter Enttäuschung bei Abpfiff sogar sein Trikot und hatte erstmal "keinen Bock auf Feiern". 

>>> weitere Stimmen zu #RBLFCB

Vier Tore gegen die Bayern geschossen, zwei Mal mit zwei Treffern in Führung gelegen, um schließlich doch mit leeren Händen dazustehen. "Wir können stolz darauf sein, wie wir heute gespielt haben", rückte Demme die Perspektive schnell wieder zurecht und fügte an: "Das trübt jetzt vielleicht für zwei oder drei Minuten die Partystimmung, aber wenn wir die Fans auf der Festwiese sehen, dann überwiegt doch der Stolz auf die Leistung und darauf, wie schön die Fans uns unterstützen".

Hasenhüttl: "Gefühlte Meisterschaft"

Schließlich standen die Leipziger ja auch alles andere als mit leeren Händen da. Hatten sie die direkte Qualifikation zur Champions League schon am vergangenen Spieltag beim 4:1-Auswärtssieg in Berlin klarmachte, sollte an diesem Wochenende noch die Vize-Meisterschaft hinzukommen. Durch das Dortmunder Unentschieden in Augsburg ist dem Aufsteiger Platz 2 am letzten Spieltag nicht mehr zu nehmen.

© imago / Jan Huebner

"Ich habe der Mannschaft gesagt, sie sollen nicht traurig zu sein", sagte Hasenhüttl. Immerhin habe sie diese Saison eine Menge geschafft und eine "einzigartige Stimmung in der Stadt erzeugt". Schließlich konstatierte der Österreicher: "Unglaublich, dass wir Zweiter sind." Schon vor dem Spiel hatte der 49-Jährige für den Fall, dass RBL Platz 2 verteidigen sollte, von einer "gefühlten Meisterschaft" gesprochen. Man müssen eben jetzt das "größere Bild" sehen, stellte Yussuf Poulsen fest: "Was wir für eine Saison gespielt haben, ist überragend."

20.000 Fans auf der Festwiese

Und das sollte dann auch gebührend gefeiert werden. Eine Stunde nach Abpfiff jubelten fast 20.000 Fans auf der Festwiese ihren Helden zu. Die stiegen einer nach dem anderen aus dem Mannschaftsbus, verschenkten Bälle und Trikots und ließen sich vom Publikum feiern. Auch Leipizgs Oberbürgermeister Burkhard Jung gratulierte dem Team: "Ich bin maßlos stolz auf diese wunderbare Mannschaft und auf das, was hier geschafft worden ist in den letzten Jahren." Und selbst die Sonne wollte sich offenbar nicht lumpen lassen und war zum Höhepunkt der Saisonabschlussfeier wieder hevorgekommen.

Aus Leipzig berichtet Andre Anchuelo