Bremen - Viele Werder-Fans hatten ihre Karte im Vorfeld der Partie billig abgegeben, denn ihre Enttäuschung über das frühe Aus ihrer Mannschaft im internationalen Wettbewerb saß schlicht zu tief. Doch jene Anhänger, die am Dienstagabend ins Weserstadion gekommen waren, hatten sich eines vorgenommen: den Abschied zu genießen und noch einmal berauscht zu feiern - und Werder sollte ihr persönliches Freudenfest mit drei Toren gegen Inter Mailand krönen.

Es gab schon viele Abende, an denen die "La ola" durchs Bremer Stadion rollte. Doch wann hatte man je erlebt, dass die Partystimmung der Fans auf den Rängen bereits nach 25. Minuten überschwappte – beim Stand von 0:0 und ohne dass irgendeine Art von Höhepunkt auf dem Rasen zu sehen gewesen war. Es spielte für den Anhang der "Grün-Weißen" keine Rolle: Sie wollten einfach feiern, sich selbst, ihre Mannschaft. Einmal noch wollten sie das Gefühl genießen, ein Teil im elitären Schlagabtausch der Besten Europas zu sein. "Es war toll", sagte Marko Arnautovic, "die Zuschauer haben unsere Leistung honoriert und wie man gesehen hat, steigerte das unsere Leistung noch."

Selbstvertrauen kehrt zurück

Tatsächlich hatten sich den Bremer zu Beginn der Partie gegen Inter Mailand zunächst ein wenig schwer getan. Es fehlte der Elf von Thomas Schaaf noch der rechte Mut, doch das änderte sich mit zunehmender Spieldauer. Das lang vermisste Selbstvertrauen kehrte Stück für Stück zurück.

Inter-Coach Rafael Benitez hatte gegen Werder nicht das stärkste aufgeboten, was der Kader des Titelverteidigers hergab. So blieben ihre Stars Lucio, Maicon, Wesley Sneijder und Diego Milito gleich ganz zu Hause, Marco Materazzi und Stammkeeper Luca Castellazzi nahmen auf der Bank Platz. Und jene, die sich auf dem Rasen dann tummelten, wie zum Beispiel Topstürmer Samuel Eto'o trugen zum Spielgeschehen nicht sehr viel bei.

Für die Bremer spielte das aber keine Rolle. "Gegen Inter zu gewinnen, ist nicht einfach. Es ist Inter Mailand, egal, wer da gespielt hat", betonte Claudio Pizarro und sollte Recht behalten. Schließlich hatte Schaaf vor der Partie deutlich gemacht, dass es vor allem um die Leistung seiner eigenen Mannschaft gehen würde, die sich beweisen und den nächsten Schritt in Richtung Normalform machen sollte. Und das gelang.

"Haben uns würdevoll verabschiedet"

Zunächst war es Sebastian Prödl, der per Kopf nach einer Ecke die Führung vor der Halbzeitpause besorgte, dann netzte Marko Arnautovic den Ball sehenswert im Inter-Tor ein, bevor Pizarro sein gutes Comeback nach längerer Verletzungspause mit dem Treffer besiegelte. Es hätten gar noch mehr Tore fallen können. "Wir haben uns würdevoll verabschiedet", befand Abwehrchef Per Mertesacker, der besonders mit der Defensivarbeit seiner Kollegen endlich wieder zufrieden war. Zum dritten Mal in Folge hatten die Bremer nun zu null gespielt.

Kein Wunder, dass bei der deutlichen Leistungssteigerung leichte Wehmut im Lager der Hanseaten aufkam, ob der verpassten Chance, im Frühjahr weiter im internationalen Wettbewerb zu bleiben. "Klar, da war heute Wehmut dabei", gab Prödl zu: "Aber die Lust, nächste Saison wieder international zu spielen, hat sich noch vergrößert."

"Man muss das nicht dramatisieren"

Und dass die Europa-freie Zeit tatsächlich nur bis zum Sommer andauert, daran glauben die Bremer auch als derzeit Tabellen-Zehnter nun fest: "Ich bin überzeugt, dass wir nächstes Jahr wieder in der Champions League spielen", sagte Arnautovic: "Und dann werden wir nicht so aussehen, wie dieses Mal."

Geschäftsführer Klaus Allofs konnte dem Abend wohl auch angesichts der 800.000 Euro Gewinnprämie, die für Wintereinkäufe genutzt werden sollen, ebenso versöhnlich hinterher schauen: "Ich bin schon betrübt, dass wir ausgeschieden sind. Man muss das aber nicht dramatisieren. Die Welt geht morgen nicht unter wegen Werder Bremen."

Im Gegenteil, so wie sich die Hanseaten an diesem Abend präsentierten, dürfte auch die schwere Aufgabe gegen Borussia Dortmund am Samstag nicht mehr unlösbar sein. "Es war ein weiterer, kleiner Schritt nach vorne heute", sagte Arnautovic, "aber er gibt uns viel Selbstvertrauen für das Spiel gegen Dortmund – wir haben Inter Mailand geschlagen." Die Bremer Fans hätte gegen eine weitere Feierstunde sicher nichts einzuwenden.

Petra Philippsen