Gelsenkirchen - Erst sorgte Ivan Rakitic nach seiner Einwechslung für neuen Schwung, dann legte er Raul nach einem schönen Doppelpass mit Huntelaar mustergültig das vorentscheidende 2:0 auf.

Nach dem 3:1-Sieg des FC Schalke 04 über Tel Aviv sprach der 23-Jährige mit bundesliga.de über einen spanischen Abend in der Champions League und neuen Schwung für die Bundesliga.

bundesliga.de: Ivan Rakitic, sonst konnte sich Schalke immer auf die Tore von Klaas-Jan Huntelaar verlassen, diesmal haben Raul und Jurado den Sieg gegen Tel Aviv herausgeschossen. Was sagen Sie zum spanischen Abend auf Schalke?

Ivan Rakitic: Man hat jetzt einmal mehr gesehen, dass wir eine hervorragende Offensivabteilung haben. Da spielt es eigentlich keine Rolle, wer die Tore macht. Wichtig ist, dass die Jungs vorne treffen - ob nun Huntelaar oder Raul erfolgreich ist. Aber wenn die Beiden so weitermachen, dann müssen wir keine Angst vor den nächsten Spielen haben.

bundesliga.de: Raul hatte mit seinem "Doppelpack" maßgeblichen Anteil am Sieg. Glauben Sie, dass bei ihm jetzt der Knoten geplatzt ist?

Rakitic: Ich hoffe es sehr für ihn. Mit diesen Toren hat sich Raul selbst belohnt. Es ist absolut vorbildlich, was er hier seit Wochen für die Mannschaft leistet. Er geht weite Wege, er kämpft, er zieht Gegenspieler auf sich. Raul tut uns einfach gut. Wenn er jetzt auch noch regelmäßig trifft - von mir aus sehr gerne. Er soll genauso weitermachen!

bundesliga.de: Das zweite Schalker Tor war eine Ko-Produktion zwischen Ihnen, Huntelaar und Raul.

Rakitic: Ich weiß, dass man mit diesen Jungs einfach klasse zusammenspielen kann. Ich habe Klaas-Jan Huntelaar gesucht, er legt mir den Ball wieder zurück und dann muss ich mit meinem Pass nur noch in der Mitte Raul finden. So eine Chance lässt er sich nicht entgehen. Es war eine wirklich schöne Kombination mit dem verdienten Lohn.

bundesliga.de: Schalke ist schon in der dritten Minute in Führung gegangen. War das genau das richtige Signal für das eigene Selbstvertrauen?

Rakitic: Die frühe Führung war diesmal besonders wichtig, weil Hapoel eine sehr schwierig zu spielende Mannschaft ist. Wenn man dann ein Tor vorlegen kann, öffnet das ein wenig die nötigen Räume. Dann muss der Gegner auch offensiver werden und kann sich nicht nur hinten hineinstellen. Das kommt unserem Spiel zugute. Wir müssen jetzt daran arbeiten, öfter selbst in Führung zu gehen und nicht immer einem Rückstand hinterherzulaufen.

bundesliga.de: Zu Null hat man trotz der Überlegenheit wieder nicht gespielt - Hapoel konnte in der Schlussminute noch einen Treffer erzielen.

Rakitic: So ein Tor darf einfach nicht passieren - egal, ob man 3:0 führt und egal, ob es in der letzten Minute fällt. Aber den guten Gesamteindruck der Partie mindert es trotzdem nicht. Wir haben ein wirklich gutes Spiel gemacht und verdient gewonnen. Wir waren über die gesamten 90 Minuten die bessere Mannschaft und haben uns zu den drei Treffern weitere gute Chancen herausgespielt.

bundesliga.de: War Schalke diesmal so gut oder war der Gegner vielleicht auch ein wenig schwach?

Rakitic: Nein, das ist Unsinn. In der Champions League gibt es keine schwachen Gegner. Es liegt in erster Linie an uns und an unseren Köpfen, wie das Spiel läuft. Wir haben uns jetzt eine gute Ausgangsbasis verschafft, aber bis zum Achtelfinale ist es noch ein Stück. Wir müssen in den nächsten Spielen die gleiche Laufbereitschaft und den gleichen Willen wie gegen Tel Aviv zeigen. Und das gilt auch in der Bundesliga.

bundesliga.de: Nach dem letzten Erfolg gegen Lissabon hat Schalke das folgende Bundesligaspiel in Nürnberg verloren. Sind Sie für den Auftritt am Samstag in Frankfurt optimistischer?

Rakitic: Wir müssen diesen Schwung aus der Champions League jetzt mitnehmen in die Bundesliga. Wir dürfen uns jetzt bloß nicht zurücklehnen und denken, jetzt läuft es von ganz alleine. Wir müssen uns alles weiter ganz hart erarbeiten. Wir haben noch einen weiten Weg vor uns, aber wir gehen langsam weiter. Wenn wir den Schwung mitnehmen und wieder versuchen, ein Tor vorzulegen so wie gegen Tel Aviv, dann müssen wir keine Angst haben. Dann werden wir auch am Samstag in Frankfurt ein gutes Spiel machen.

bundesliga.de: Für Sie persönlich war das Champions League-Spiel auch ein erfolgreiches Comeback nach Ihrer schweren Gehirnerschütterung. Sind Sie wieder zu 100 Prozent fit?

Rakitic: Es ist nicht so einfach, wenn man verletzt war. Ich habe versucht, mir den Rhythmus für den Wettkampf im Training wieder zu holen. Jetzt tut der Kopf noch ein bisschen weh, aber ich fühle mich gut und ich bin wieder voll bereit. Ich hoffe, ich kann das in den nächsten Spielen zeigen.

Das Gespräch führte Dietmar Nolte