Valencia - Immer wieder zeigten Manuel Neuer und sein Ersatz Mathias Schober nach Spielschluss mit ausgestreckten Fingern die "7" in Richtung einiger heiß gelaufener Valencia-Fans. Denn diese schrien sich von Sekunde zu Sekunde immer mehr in Rage und beschimpften und verfluchten Raul aufs Übelste.

Für Kapitän Neuer war es Ehrensache, für den Top-Torjäger in den Ring zu steigen. "Die müssen mal ruhiger bleiben. Raul hat so viel für die spanische Nationalmannschaft getan und da haben diese Fans ihn sicherlich auch bejubelt. Da gehört es sich nicht, ihn dermaßen zu bepöbeln", erklärte er bundesliga.de.

"Die Auslosung hat es so gewollt"

Zuvor hatte Raul mit seinem 71. Europapokaltreffer selbst für einen zeitweiligen Stillstand der Hasstiraden gesorgt. Im weiten Rund des Mestalla mussten die rund 47.500 Valencia-Fans erst einmal verdauen, dass die lebende Real-Madrid-Legende ausgerechnet in ihrem Wohnzimmer Geschichte geschrieben hat.

Dem Torschützen war das fast schon peinlich. "Ich hatte gehofft, dass wir nicht auf ein spanisches Team treffen. Aber nun gut - die Auslosung hat es so gewollt und es hat Valencia getroffen", sagte Raul.

Der Gegner erwies sich jedoch als fairer "Verlierer" und zollte dem 33-Jährigen Respekt. "Er hat ein riesen Spiel geliefert - sehr zu unserem Leidwesen", erklärte Valencias Trainer Unai Emery. Und Roberto Soldado, der die Hausherren in Führung gebracht hatte, stellte fest, dass Raul wieder einmal gezeigt hätte, dass man ihm keinen Meter Platz lassen darf.

Magath lobt Raul und das Team

Die ultimative Lobhudelei durfte da natürlich nicht fehlen - und die kam von Trainer Felix Magath. "Raul hat von seiner Klasse nichts verloren. Und es ist kein Zufall, dass er das Tor gemacht hat." Ob es denn das beste Spiel Rauls im Trikot der "Königsblauen" gewesen sei? Da wollte sich Magath nicht festlegen. Schließlich hoffe er ja, dass Raul noch sehr viele Partien für S04 absolvieren wird.

Ein Sonderlob bekam aber auch das gesamte Team. "Wir haben ein gutes Spiel gezeigt und als Auswärtsmannschaft von Anfang an mitgemacht. Der Ausgleich in der zweiten Halbzeit war verdient. Ich bin mit der Leistung zufrieden, denn wir haben uns eine gute Ausgangslage fürs Rückspiel geschaffen", so Magath.

"Müssen auf Sieg spielen"

Durch das 1:1 sind Schalkes Chancen auf den Einzug ins Viertelfinale zwar gestiegen, ein Selbstläufer wird das aber keineswegs. Das weiß auch Raul: "Da wartet eine ganz schwierige Aufgabe auf uns. Wir dürfen nicht den Fehler machen und auf ein 0:0 spekulieren. Das wäre gefährlich. Wir müssen mit unseren Fans im Rücken auf Sieg spielen."

Zuvor gilt es aber, in der Bundesliga die Leistung aus der Champions League zu bestätigen. Das gelang in der Vergangenheit nicht immer. "Wir versuchen natürlich, uns in beiden Wettbewerben voll zu konzentrieren. Und ich hoffe, dass wir das am Sonntag in Gladbach unter Beweis stellen können", meint Jefferson Farfan.

Eines ist auf jeden Fall schon jetzt gewiss. Einen derartigen Spießroutenlauf wie im Mestalla hat Raul im Borussia-Park nicht zu erwarten.

Aus Valencia berichtet Michael Reis