Valencia - Es war nur ein kurzer Augenblick, ein Blitzen in Rauls Augen. "Die Champions League ist ohne sie nicht vorstellbar", waren Worte eines deutschen Journalisten auf der Schalker Pressekonferenz vor dem Achtelfinal-Hinspiel beim FC Valencia (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker). Raul schien sie schon auf Deutsch verstanden zu haben. Doch als der spanische Dolmetscher das ganze noch einmal in seine Muttersprache übersetzte, kostete er diese Aussage für den Moment aus.

Dass die Frage auf seine Zukunft bei den "Königsblauen" anspielte, brachte Raul nicht in Verlegenheit. Mit diplomatischem Geschick verwies er auf seinen Vertrag: "In den nächsten eineinhalb Jahre gehen Schalke und ich Hand in Hand. Was danach passiert, ist offen."

Raul lässig und souverän

Auch sonst stand Raul im restlos gefüllten Medienraum im Stadion Mestalla lässig und souverän Rede und Antwort. Sein erster Auftritt in Spanien nach seinem Abgang aus Madrid wäre für ihn zwar etwas Besonderes. Aber irgendwie sei ja jedes Spiel in der Champions League ganz speziell.

So bedurfte es laut Raul für die Mannschaft auch keine Aufklärungsstunde aus seinem Munde über den kommenden Gegner. "Alle Spieler wissen, was es heißt, Champions League zu spielen. Trainer Felix Magath hat uns mit Videos und an der Taktiktafel bestens eingestellt", stellte er fest.

Ein paar Infos gab er an seinen "Chef" aber dann wohl doch weiter. Denn dieser erklärte, dass die drei Spanier "Raul, Jurado und Sergio Escudero unseren Gegner genauestens kennen. Sie hatten für mich Tipps aus erster Hand".

Magath: Valencia hat offensiv mehr Klasse als Lyon

Wie die taktische Marschroute auszusehen hat, dass erklärte Magath dann auch schon einmal. "Valencia wird vor heimischem Publikum offensiv beginnen. Da müssen wir dagegenhalten. Und im weiteren Verlauf werden wir dann auch einmal ihre Defensive testen", so Magath.

Das hatte der FC Schalke am 1. Spieltag der Gruppenphase bei Olympique Lyon, einem ähnlichen Schwergewicht der "Königsklasse", auch schon vor. Am Ende stand ein bitteres 0:1 zu Buche.

Magath wollte einen Vergleich nur bedingt ziehen. "Ich glaube schon, dass Valencia gerade in der Offensive über noch mehr Klasse verfügt als Lyon", so Magath. Es kommt also wohl einiges auf die S04-Abwehr zu.

"Wir dürfen uns keinen Fehler erlauben"

Dass Valencias Trainer Unai Emery - ähnlich wie Magath - gerne einmal mit einer Überraschung in der Startformation aufwartet, dass wollte Magath ebenfalls nicht zu hoch hängen. "Letztlich entscheiden nicht die Spieler über den Erfolg, sondern das System. Die Stärke von Valencia wird die gleiche sein, egal wer aufläuft", sagte Magath.

Raul pflichtete seinem Coach bei. Schließlich habe Valencia mit Roberto Soldado oder Juan Manuel Mata Spieler, die vor allem im schnellen Konterspiel gefährlich sein würden. Deshalb sei es für ihn umso wichtiger, dass die Mannschaft "180 Minuten voll konzentriert ist. Die mentale Stärke ist in solchen Partien sehr wichtig. Wir dürfen uns keinen Fehler erlauben", forderte Raul.

Einen kleinen Fauxpas leistete er sich dann aber selbst zum Abschluss der Fragerunde. Anstatt sich beispielsweise mit einem "hasta mañana" zu verabschieden, verließ der Spanier mit einem lockeren "tschüß" das Rednerpult.

Aus Valencia berichtet Michael Reis