Gelsenkirchen - Christoph Metzelder geriet nach dem 2:1-Sieg über Inter Mailand regelrecht ins Schwärmen, als er auf Raul und dessen Leistung angesprochen wurde. Im Interview spricht Schalkes Innenverteidiger über den Stürmerstar, den souveränen Auftritt der Mannschaft gegen Inter und die Chancen im Halbfinale der "Königsklasse" gegen Manchester United.

Frage: Christoph Metzelder, haben Sie sich irgendwann während des Spiels noch Sorgen gemacht? Das sah über 90 Minuten sehr souverän aus.

Christoph Metzelder: Es gehörte schon sehr viel Arbeit, sehr viel läuferisches Vermögen und sehr viel Kampf dazu. Wir waren wie schon im Hinspiel sehr gut organisiert. Inter hat zu keiner Phase des Spiels so viel Druck ausüben können, dass wir richtig ins Schwimmen geraten sind. Gerade auch unsere beiden "Sechser" Matip und Papadopoulos haben mit ihren erst 19 Jahren wieder sehr stark gespielt - Kompliment! Wir waren insgesamt sehr konzentriert, wollten vor allem auf Konter spielen und haben das zumindest phasenweise auch sehr gut gemacht. Wir waren insgesamt sehr gut auf den Gegner eingestellt.

Frage: Warum spielt Schalke im Moment so stark?

Metzelder: Ich glaube, diese Mannschaft hat sehr viel mehr Potenzial, als ihr zugesprochen wurde. Und auch mehr Potenzial, als das, was wir zu einem Großteil der Saison abgerufen haben. Das muss man so selbstkritisch anmerken. Das ist eben die Kunst - dass jeder von uns zu hundert Prozent ausschöpft, was er leisten kann. Das in Verbindung mit der gesamten mannschaftlichen Einstellung und einer taktischen Grundordnung ergibt das fertige Produkt. Da haben wir uns noch einmal stark verbessert in den letzten Wochen.

Frage: Im Halbfinale der Champions League wartet jetzt mit Manchester United ein weiterer großer europäischer Club. Ist das auch für Sie ein besonderer Gegner?

Metzelder: Ich habe dort noch nie selbst gespielt. Aber Inter Mailand in San Siro und jetzt Manchester in Old Trafford - das ist wirklich Champions League! ManU hat eine herausragende Mannschaft und ist ein Club, der in den letzten 20 Jahren wohl immer in der Champions League gespielt hat. Dort im Stadion herrscht eine herausragende Atmosphäre und uns wird eine Mannschaft erwarten, die bis zur letzten Minute kämpft. Es wird ein heißes und hartes Match.

Frage: Wie schätzen Sie die Chancen ein, das Finale erreichen zu können?

Metzelder: Wir sind der große Unbekannte unter den vier Teams im Halbfinale und der große Außenseiter. In der Rolle haben wir uns bisher pudelwohl gefühlt. Manchester ist sicherlich keine Mannschaft, die sich in einem Spiel fünf Tore einschenken lässt. Das wird nicht passieren. Es werden zwei sehr enge Spiele sein. Wir wissen, dass wir gegen Manchester mindestens die Leistung aus dem Viertelfinale wiederholen müssen. Wenn nicht sogar noch einen draufsetzen. In dieser Phase, in einem Halbfinale der Champions League, braucht man dann am Ende auch das nötige Glück. (lacht) Und wir müssen jetzt aufpassen, dass Raul gesund bleibt.

Frage: Sie haben Raul angesprochen, der mit einem Tor und einer Vorlage wieder maßgeblich am Sieg beteiligt war. Überrascht er Sie auch immer wieder mit seiner Leistung?

Metzelder: Es ist fantastisch, was Raul in allen Wettbewerben, aber vor allem auch in der Champions League abliefert. Ich wusste, dass er von seiner Mentalität und mit seiner Persönlichkeit zu 100 Prozent nach Schalke passt. Ich wusste, er wird sich vom ersten Tag an richtig reinhängen, arbeiten, kämpfen und alles geben für diesen Verein. Er versucht immer das Beste herauszuholen für das Team. Dass es sich jetzt so optimal entwickelt zum Ende der Saison, hat mich aber auch selbst ein bisschen erstaunt.

Frage: Was macht Rauls Persönlichkeit aus?

Metzelder: Er ist ein großer Spieler und ein großer Mensch. Die Art und Weise, wie er vor allem auch mit den jungen Spielern umgeht, ist bewundernswert. Er hat überhaupt keine Starallüren. Er hat als Spieler so viel erreicht, aber er geht auf jeden zu, gibt jedem einen Rat und bindet alle mit ein. Raul ist phänomenal.

Frage: Kann das Halbfinale der Champions League jetzt auch helfen, umworbene Spieler wie Manuel Neuer und Benedikt Höwedes langfristig an Schalke zu binden?

Metzelder: Beide sind sehr verwurzelt mit dem FC Schalke und beide wissen auch, welche Rolle sie in diesem Verein spielen. Am Ende ist es aber ihre persönliche Entscheidung, die wir so oder so respektieren müssen. Natürlich kann der Verein ihnen mit unserer derzeitigen Leistungen auch immer mehr eine Perspektive bieten auf dem Niveau, auf dem beide sind bzw. auf das sie hinaus wollen. Das ist natürlich ein Vorteil.

Frage: Nach dem Highlight Champions League wartet am Wochenende wieder der Alltag Bundesliga. Wird die Umstellung schwierig?

Metzelder: Die Grundlage auch für einen Erfolg in der Champions League sind die Spiele dazwischen. Wir sollten jetzt in der Bundsliga nicht noch eimal in ein kleines Loch fallen. Daher müssen und werden wir auch die Aufgaben in der Bundesliga wie am Samstag in Bremen sehr ernst nehmen.

Aufgezeichnet von Dietmar Nolte