Es war ein bitterer Nachmittag für den VfB Stuttgart: Gegen solide Kölner setzte es eine verdiente 0:2-Heimniederlage, die viele Fragen hinterlässt. Teamchef Markus Babbel muss jetzt schnell Antworten finden, aber der Weg zurück zum Erfolg ist steinig.

Wenn es an diesem Spieltag eine Art Parallelmeisterschaft in Sachen hilfloser Gesten gegeben hätte, der VfB Stuttgart hätte alle Chancen auf diesen Titel gehabt.

Deutliche Gesten bei den Schwaben

Teamchef Markus Babbel fasste sich während der 0:2 (0:1)-Niederlage gegen den 1. FC Köln geschätzte 50 Mal verzweifelt in die Haare, die beiden Innenverteidiger Serdar Tasci und Matthieu Delpierre streckten bei jeder zweiten Spieleröffnung hilfesuchend die Hände auseinander und generell schüttelte jeder VfB-Akteur mindestens ein Mal mit dem Kopf.

Kein Wunder: Die Schwaben zeigten gegen die Kölner eine schwache Leistung und befinden sich spätestens jetzt auf dem besten Weg in eine handfeste Krise. Nur ein Sieg aus den bisherigen sechs Spielen spricht eine deutliche Sprache, aber noch viel schlimmer wiegt, dass den VfB-Protagonisten der Weg aus dem spielerischen Niemandsland momentan verborgen scheint.

"Fehler, die nicht passieren dürfen"

Ein sichtlich angeschlagener Babbel sagte nach der Partie: "Wir haben Fehler gemacht, die nicht passieren dürfen. Insgesamt war das heute viel zu wenig." Damit traf er den Nagel auf den Kopf.

Die Stuttgarter leisteten sich gegen keineswegs überragende "Geißböcke" zahlreiche technische Fehler, wirkten unorganisiert und ließen es über 90 Minuten an kreativen Impulsen vermissen. Klar ist mittlerweile: Babbels Taktik, in den ersten Spielen auf Rotation zu setzen, scheint fehlgeschlagen zu sein. Seine Mannschaft wirkt nicht richtig eingespielt, ineinandergreifende Mechanismen sind nur schwer zu entdecken.

Hinzu kommt, dass es dem VfB derzeit ganz offensichtlich an Führungsspielern mangelt. Babbel hatte für das Köln-Spiel Kapitän Thomas Hitzlsperger aus dem Kader genommen - eine Maßnahme, die keine Wirkung hinterließ. Zwar bemühten sich Sami Khedira und Neuzugang Zdravko Kuzmanovic, Ordnung ins Stuttgarter Spiel zu bringen, geniale Einfälle gingen von den beiden aber keine aus.

DFB-Pokal kommt zum richtigen Zeitpunkt

So rannte der VfB über das gesamte Spiel kopflos an und war nur selten in der Lage, eindeutige Torchancen zu kreieren. Ein weiteres Problem: Der große Hoffnungsträger Alexander Hleb plagt sich mit Verletzungen. Und Gomez-Ersatz Pavel Pogrebnyak ist im Angriff oft auf sich allein gestellt.

Nun geht es für den VfB am Mittwoch im DFB-Pokal zum VfB Lübeck. Ein Sieg und ein Weiterkommen sind Pflicht, alleine um das so angeschlagene Selbstvertrauen mit einem Erfolgserlebnis zu stärken. Bei einer weiteren Niederlage wäre die Krise der Stuttgarter in jedem Fall perfekt - und Markus Babbel müsste sich mehr denn je die Haare raufen.

Aus Stuttgart berichtet Jens Fischer