Im Interview der Woche spricht Holger Hieronymus, DFL-Geschäftsführer Spielbetrieb, über den Rassismus-Vorfall im Bochumer rewirpowerSTADION und die Reaktionen der Fans und der Clubs darauf.

Es waren Bilder, die niemand im Stadion sehen will. Rechtsgerichtete Fans der Gruppe "Nordsturm Brema" hatten am Ende des Spiels VfL Bochum gegen Werder Bremen am 12. Spieltag im Bremer Fanblock ein Plakat mit der Aufschrift "NS HB Sport frei" gezeigt.

Werder Bremen und der VfL Bochum haben auf die Vorfälle reagiert und gegen acht Personen, die in diesem Rahmen auffällig wurden, jeweils ein lokales Stadionverbot für das Bremer Weser-Stadion und das rewirpowerSTADION in Bochum ausgesprochen.

Im Interview der Woche spricht Holger Hieronymus, DFL-Geschäftsführer Spielbetrieb, über diesen Rassismus-Vorfall und die Reaktionen der Fans und der Clubs darauf.

bundesliga.de: Herr Hieronymus, am vergangenen Wochenende haben Fans von Werder Bremen Zivilcourage bewiesen und eine kleine Gruppe Rechtsradikaler im Stadion so lange in Schach gehalten, bis die Sicherheitskräfte zur Stelle waren. Was halten Sie von dieser Aktion?

Holger Hieronymus: Solange auf Gewalt - egal welcher Couleur - wie in Bremen nicht mit Gegengewalt, sondern mit Mut und Engagement geantwortet wird, kann ich das Verhalten der echten Werder-Fans nur begrüßen. Die Bundesliga steht für Toleranz und Weltoffenheit, diese Grundwerte verteidigt nicht nur die DFL mit Aktionen wie "Zeig Rassismus die Rote Karte", sondern jeder vernünftige Fan in unseren Stadien. Dies hat die couragierte Aktion in Bremen eindrucksvoll belegt.

bundesliga.de: Gegen acht Personen, deren Personalien von der Polizei ermittelt wurde, soll ein lokales Stadionverbot für das Bremer Weser-Stadion ausgesprochen werden. Auch der VfL Bochum will gegen die betreffenden Personen ein lokales Stadionverbot erwirken und prüft darüber hinaus in Zusammenarbeit mit dem DFB die Möglichkeit eines bundesweiten Stadionverbots. Wie ist die Haltung der DFL?

Hieronymus: Wir begrüßen die angestrengten Stadionverbote außerordentlich und unterstützen das Ansinnen der Bochumer, ein generelles Stadionverbot gegen diese Personen durchzusetzen. Wir waren übrigens auch vor Ort, um die Bremer Verantwortlichen zu unterstützen und alle rechtlich möglichen Mittel gegen diese Personen aufzuzeigen und auszuschöpfen. Allerdings muss das Verbot letztlich der DFB aussprechen, der bekanntlich für die Sportgerichtsbarkeit zuständig ist.

bundesliga.de: Was macht Sie zuversichtlich, dass derartige Vorfälle eine Ausnahme bleiben?

Hieronymus: Wir werden weiterhin gemeinsam mit dem DFB alles daran setzen, um solche Vorfälle zu unterbinden. Rassisten oder Nazis, die das Stadion als Bühne missbrauchen, bekommen von uns die Rote Karte gezeigt. Mit anderen Worten: Wer das Hausrecht der Clubs missbraucht, wird künftig keine Gelegenheit mehr bekommen, das Haus zu betreten.

bundesliga.de: Warum ist es so wichtig, entschlossen zu handeln?

Hieronymus: Wir wollen verhindern, dass Trittbrettfahrer den Eindruck bekommen könnten, dass hier nicht entschieden und mit aller Konsequenz gehandelt wird. Für die DFL ist entschlossenes Handeln eine Verpflichtung. Immerhin bereichern zahlreiche internationale Top-Stars die Bundesliga und 2. Bundesliga. Und auch unsere tollen Fans in den Stadien und vor den Fernsehschirmen stammen aus den unterschiedlichsten Nationen. Die Atmosphäre der Weltoffenheit und Toleranz werden wir uns von niemandem kaputt machen lassen!