Brüssel - Nach dem starken Auftritt bei der WM in Südafrika soll ab heute das nächste erfolgreiche Kapitel für die deutsche Nationalmannschaft beginnen. Im ersten Qualifikationsspiel für die EM 2012 in Polen und der Ukraine trifft die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw am heutigen Freitag (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) in Brüssel auf Belgien.

Obwohl die Bilanz eindeutig für Deutschland spricht, dürfte der Qualifikations-Auftakt kein Selbstgänger werden. Während den meisten DFB-Profis noch die WM in den Knochen steckt, stehen die belgischen Spieler schon voll im Saft. Zudem hat Nationatrainer Georges Leekens eine talentierte Mannschaft aufgebaut, die den Favoriten - zumindest zum jetzigen Zeitpunkt der Saison - in Bedrängnis bringen könnte.


Zahlen und Fakten:

Rein statistisch gesehen muss sich die DFB-Elf keine Gedanken machen: Die Bilanz gegen Belgien ist äußerst positiv. In 23 Länderspielen seit 1910 gab es 18 Siege, vier Erfolge der Belgier und nur ein Remis, das 0:0 am 22. September 1982 in München. Seit sage und schreibe 56 Jahren konnte keine belgische Mannschaft mehr gegen Deutschland gewinnen. Herausragend ist aus deutscher Sicht der 2:1-Erfolg vom 22. Juni 1980 in Rom, wo Horst Hrubesch beide Treffer zum Sieg im EM-Finale erzielte. Zum bislang letzten Mal standen sich Deutschland und Belgien am 20. August 2008 in Nürnberg gegenüber. In einem Benefizspiel der DFB-Stiftung Egidius Braun trafen damals Bastian Schweinsteiger und Marko Marin zum 2:0-Sieg des deutschen Teams.


Personal:

Bis auf die verletzten WM-Teilnehmer Arne Friedrich und Jerome Boateng kann Löw aus dem Vollen schöpfen. Lediglich für den an der Bandscheibe operierten Friedrich dürfte mit Heiko Westermann ein Spieler auf dem Platz stehen, der nicht in Südafrika dabei war. Der Bundestrainer wird wieder einem Bayern-Block, bestehend aus Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Thomas Müller und Miroslav Klose vertrauen.

Wesentlich größere Probleme haben die Gastgeber: Bei Jonathan Legear und Jelle van Damme besteht kaum noch Hoffnung auf einen Einsatz. Äußerst fraglich sind Kevin de Bruyne und Nicolas Lombaerts. Nationaltrainer Georges Leekens muss außerdem auf den erstmals berufenen Mehdi Carcela verzichten. Der 21-Jährige besitzt einen belgischen und marokkanischen Pass, will sich aber noch nicht entscheiden, für welches Land er auflaufen möchte. Mit Innenverteidiger Daniel van Buyten (Bayern München), Mittelfeldspieler Timmy Simons (1. FC Nürnberg) und Torhüter Logan Bailly (Borussia Mönchengladbach) werden drei Spieler aus der Bundesliga bei den "Roten Teufeln" auf dem Platz stehen.


Form und Situation:

Dem Bundestrainer bereitet der Fitnesszustand einiger Akteure Kopfzerbrechen. Nach der kurzen Pause sind viele WM-Teilnehmer noch längst nicht wieder auf dem gleichen Level wie in Südafrika. Sami Khedira und Mesut Özil, die bei Real Madrids Debüt am vergangenen Sonntag in Mallorca nur eingewechselt wurden, haben erst einige wenige Pflichtspielminuten absolviert. "Es ist ein ernsthaftes Problem, dass einige Spieler noch nicht ihren Leistungszenit erreicht haben", so Löw. Dennoch vertraut der Coach weitgehend dem Team, das den 3. WM-Platz sicherte. "Es kann noch nicht alles so funktionieren, wie bei der Weltmeisterschaft gegen England oder Argentinien", glaubt Philipp Lahm, der die DFB-Auswahl in Vertretung von Michael Ballack wie bei der WM als Kapitän aufs Feld führen wird.

Belgien, in der FIFA-Weltrangliste hinter Burkina Faso und Venezuela nur die Nummer 48, befindet sich nach einem langen Tal der Tränen im Aufwind. Um den erst 17 Jahre alten Stürmer Romelu Lukaku (RSC Anderlecht), der von vielen europäischen Spitzenclubs gejagt wird, beneiden Leekens
zahlreiche Kollegen. Auch Eden Hazard (19) vom OSC Lille gilt als Ausnahme-Talent, der erst 21-jährige Jelle Vossen (KRC Genk) ist der aktuell beste Angreifer in der belgischen Liga. Dazu kommen mit Moussa Dembele (23/FC Fulham) und Marouane Fellaini (22/FC Everton) weitere Hoffnungsträger.


Das sagen die Protagonisten:

Joachim Löw: Belgien ist besser vorbereitet als wir. Sie hatten einen ganzen Sommer, um sich vorzubereiten. Meine Spieler sind noch keine vier Wochen im Training. Einige, wie Özil und Khedira, haben noch keinen Spielrhythmus. Die Belgier sind sehr motiviert, sich endlich wieder für ein Turnier zu qualifizieren.

Heiko Westermann: Wir können uns nicht mit einem Unentschieden anfreunden und wollen in Belgien unbedingt gewinnen, damit wir direkt Ruhe haben.

Georges Leekens: Ich verspreche nicht den Sieg, geschweige denn guten Fußball. Aber wir sind jung und enthusiastisch - und wir wollen gewinnen. Ich versichere, dass meine "Roten Teufel" von der ersten bis zur letzten Sekunde kämpfen werden.

Marc Wilmots (belgischer Co-Trainer): Trotz der Rückstände ist es ein guter Moment, um auf Deutschland zu treffen. Nach der WM und nur vier Wochen Vorbereitung können sie noch nicht topfit sein.

Timmy Simons: Ich glaube nicht, dass ein Sieg unmöglich ist.


Voraussichtliche Aufstellungen:

Belgien: Bailly - Alderweireld, van Buyten, Kompany, Vermaelen - Verthongen, Simons - Hazard, Fellaini, Dembele - Lukaku

Deutschland: Neuer - Lahm, Mertesacker, Westermann, Jansen - Schweinsteiger, Khedira - Müller, Özil, Podolski, Klose

Schiedsrichter: Terje Hauge (Norwegen)