Manchester - Welche Anspannung das Halbfinal-Rückspiel zwischen Manchester United und dem FC Schalke 04 im Umfeld beider Lager hervorruft, wurde auf den Pressekonferenzen beider Teams am Dienstag deutlich. Während die Medienvertreter der Gastgeber ihren Fokus schon jetzt auf das wohl vorentscheidende Duell um die englische Meisterschaft am Sonntag gegen den FC Chelsea legten, drehte sich bei den "Knappen" - nach der Überraschung gegen Inter Mailand - alles um ein erneutes Wunder.

"Ob wir die Geschichte in England wiederholen können, kann man vorab natürlich nicht sagen. Aber eines kann ich versprechen: Wir werden alles dafür geben", sagte ein entspannt wirkender Ralf Rangnick vor dem Rückspiel am Mittwoch (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker).

Schalke braucht eine "Königsblaue" Sternstunde

Seine gute Laune ließ er sich zuvor auch nicht von den Visa-Problemen einiger Spieler wie Jefferson Farfan oder Edu am Düsseldorfer Flughafen vermiesen ("Das war für uns kein Problem"), durch die der Schalker Tross erst mit rund 90 Minuten Verspätung im Mannschaftshotel ankam.

Nun soll also im "Theater der Träume", wie das Stadion Old Trafford auch genannt wird, endlich wieder eine "königsblaue" Sternstunde folgen. Dafür müssen die Schalker aber ein ganz anderes Gesicht zeigen, als beim eher noch schmeichelhaften 0:2 im Hinspiel. Dass die Niederlage nicht höher ausfiel, lag vor allem an Torwart Manuel Neuer.

Eine erneute Weltklasse-Leistung seines Keepers wünscht sich Rangnick aber nicht. Und das mit gutem Grund. "Denn ich hoffe, dass wir Manu dieses Mal nicht so oft als Retter brauchen werden", erklärte Rangnick.

"Auf unsere Stärken besinnen"

Zu viele Gedanken an das Spiel vor einer Woche wollte Alexander Baumjohann nicht verschwenden. "Manchester United hatte einen richtig guten Tag, wir einen schlechten. Das passiert uns nicht noch einmal", sagte er.

Peer Kluge legte ebenfalls wenig Wert auf die Negativ-Erlebnisse der vergangenen Wochen, mit Niederlagen gegen Manchester, Bayern und Kaiserslautern. "Dass die letzten drei Spiele nicht unsere besten waren, wissen wir alle. Aber das darf in einem Champions-League-Halbfinale keine Rolle spielen. Wir müssen uns auf unsere Stärken besinnen und so auftreten, wie wir vor den Niederlagen gespielt haben", meinte Kluge.

Manchesters Wechselspielchen beeinflussen Rangnick nicht

Trainer Ralf Rangnick sah es ähnlich. Er vermied es auch, auf mögliche Spekulationen über die Aufstellung der Hausherren einzugehen, bei denen das etatmäßige Sturmduo Wayne Rooney und Javier Hernandez eventuell für das Chelsea-Match geschont werden soll.

"Wir haben da zum einen eh keinen Einfluss drauf und zum anderen wären wir auch dumm, wenn wir uns darauf konzentrieren würden. Sollte Alex Ferguson die Spieler nicht aufstellen, zeigt das nur, dass er sein Team immer noch für stark genug hält, um eine Runde weiterzukommen", erklärte der Schalke-Coach.

Es zählen nur drei Tore

Für das anstehende Spiel nahm Rangnick seinen Spielern schon einmal die Angst vor dem traditionellen Anfangswirbel der "Red Devils": "Sollte Manchester ein Tor erzielen, dann ändert sich für uns ja nichts. Dann müssen wir immer noch drei Tore schießen, um weiterzukommen."

Wie auch immer sich die Partie entwickelt: Dass der große Traum für die Schalker zwar weit entfernt, aber nicht ganz unerreichbar ist, ließen Baumjohann und Kluge durchblicken. "Es ist für jeden Spieler ein besonderes Erlebnis, hier spielen zu dürfen. Das kann man genießen. Aber wir sind hier, um ein gutes Ergebnis mitzunehmen und vielleicht das Wunder zu schaffen."

Aus Manchester berichtet Michael Reis