Köln - Er kennt die Verhältnisse auf Schalke wie kaum ein Zweiter. Er hat Ralf Rangnick bei dessen ersten Schalker Station als Mitglied des Aufsichtsrats erlebt. Und inzwischen kann Olaf Thon auch aus eigener Erfahrung im Trainergeschäft sprechen.

bundesliga.de hat sich mit dem heute 44-Jährigen, der zu den besten Schalker Spielern aller Zeiten zählt, über Schalke, Rangnick und seine eigene Situation unterhalten.

bundesliga.de: Herr Thon, Sie sind nun seit ziemlich genau einem Jahr Cheftrainer des VfB Hüls in der NRW-Liga. Wie läuft es bei Ihrer ersten Trainerstation?

Olaf Thon: Sehr gut. Ich habe den VfB im letzten April nach einer Serie von 15 nicht gewonnenen Spielen übernommen und war zunächst als "Retter" gefordert. Nach einem Sieg am letzten Spieltag gegen Windeck konnten wir dann aber den Klassenerhalt feiern.

bundesliga.de: Wie läuft es in dieser Saison?

Thon: Nach dem Klassenerhalt im Sommer haben wir mit 10 neuen Spielern einen Umbruch vollzogen, der ziemlich schnell gegriffen hat. Wir sind im Moment 7. und haben eine schlagkräftige Truppe beisammen. Wir sind z.B. die Einzigen, die Rot-Weiss Essen in dieser Saison schlagen konnten. Im Pokal haben wir Rot Weiss Ahlen aus der 3. Liga lange Zeit Paroli geboten und knapp mit 1:3 verloren. Ich bin mehr als zufrieden.

bundesliga.de: Wie sehen Ihre Planungen für die nächste Saison aus?

Thon: Da gibt es im Prinzip keine. Wir werden zunächst einmal den Klassenerhalt unter Dach und Fach bringen und uns dann am Ende der Saison zusammensetzen. Ich habe in Hüls wichtige Erfahrungen sammeln können, aber natürlich möchte man auch als Trainer möglichst weit nach oben. Es ist mit den Verantwortlichen abgesprochen, dass ich bei passenden Angeboten den Verein verlassen könnte.

bundesliga.de: Verlassen ist ein gutes Stichwort: Im Moment hat man das Gefühl, die Bundesliga spiele verrückt. Kaum ein Verein, bei dem der Trainer nicht gehen musste.

Thon: Das Problem im Profifußball ist für mich, dass den Trainern oft nicht die Zeit gegeben wird, ihre Ideen umzusetzen.

bundesliga.de: Bekommt Ralf Rangnick diese Zeit bei "ihrem" Verein Schalke 04?

Thon: Ich hoffe es, denn Ralf Rangnick verfügt über große Qualität und bringt alles mit, um auf Schalke erfolgreich zu sein. Natürlich braucht man immer eine Portion Glück. Ich kenne ihn aus seiner ersten Zeit in Gelsenkirchen noch gut: Ich war eine Zeit lang im Aufsichtsrat als er Trainer war. Er hatte damals schon großen Erfolg und musste gehen, obwohl er gar nicht so schlecht da stand.

bundesliga.de: Wie sehen Sie Schalkes aktuelle Lage in der Liga?

Thon: Die nächsten zwei Spiele auf St. Pauli und zuhause gegen Magaths Wolfsburg sind entscheidend. Wenn Schalke da 4 Punkte holt, können sie sich voll auf die Champions League konzentrieren. Verlieren sie allerdings beide Spiele, müssen sie höllisch aufpassen, nicht noch in den Abstiegskampf hineingezogen zu werden.

bundesliga.de: Sie haben die Champions League angesprochen. Wie sehen Sie die Chancen im Viertelfinale gegen Titelverteidiger Inter?

Thon: Gar nicht schlecht. Vielleicht leichte Vorteile für die Italiener, aber Schalke spielt im Rückspiel zuhause, das kann ein entscheidender Faktor werden. Ich drücke in jedem Fall die Daumen!

Das Gespräch führte Florian Reinecke