Gelsenkirchen - Mit dem erhofften Heimsieg hat es für den FC Schalke 04 zwar nicht geklappt, aber Ralf Fährmann war auch mit dem 1:1-Remis gegen den SV Darmstadt 98 nicht wirklich unzufrieden. Im Interview nach der Partie lobte der Torhüter Moral und Fans, sprach über einen unangenehmen Gegner und analysierte den Versuch der Mannschaft, auf Schalke eine neue Art von Fußball zu etablieren.

Frage: Ralf Fährmann, wie bewerten Sie das 1:1 gegen den Aufsteiger aus Darmstadt?

Ralf Fährmann: Darmstadt hat alles in die Waagschale geworfen und mit der letzten Haarspitze und dem letzten Fußnagel verteidigt. Sie haben sich in jeden Ball hineingeworfen. Sie haben sich diesen Punkt erkämpft, obwohl wir sehr gut nach vorne gespielt haben. Wir waren gefühlt 98 Prozent in der gegnerischen Hälfte, haben gut kombiniert, viele Flanken reingespielt, hatten einen Lattenschuss. Aber wir sind noch in der Findungsphase, da kann man auch nicht jedes Spiel in Perfektion absolvieren.

"Darmstadt hat alles hinein geworfen"

Frage: Ihr Trainer André Breitenreiter hatte vor der Spielweise des Gegners gewarnt, die die Darmstädter selbst als eklig bezeichnet haben. Trotzdem sah es in der ersten Halbzeit nicht unbedingt so aus, als sei Schalke darauf vorbereitet.

© gettyimages / Dean Mouhtaropoulos

Fährmann: Es ist auch schwierig, sich darauf vorzubereiten, dass der Gegner teilweise lange am Boden liegt und dann plötzlich wieder aufspringt. Sie wussten, dass sie spielerisch unterlegen sind und haben alles hinein geworfen. Dafür muss man Ihnen aber auch Respekt zollen. Wir wussten, dass Darmstadt viel mit langen Bällen agiert und auf zweite Bälle geht. Aber gerade die zweiten Bälle kannst du nicht immer verteidigen. Es ist auch ein bisschen Lotterie, wohin der Ball abprallt. Das hat Darmstadt eiskalt ausgenutzt. Nach dem frühen Tor für den Gegner wurde es für uns dann schwer, weil sie sich hinten reingestellt haben.

Frage: Was hat Ihnen der Trainer in der Pause mit auf den Weg gegeben?

Fährmann: Wichtig war, dass wir ruhig bleiben und versuchen, es spielerisch zu lösen. Wir sind ja auch oft vor das Tor des Gegners gekommen, hatten aber das entscheidende Quäntchen Glück nicht. Aber ich denke, man konnte dennoch sehen, dass wir auf dem aufsteigenden Weg sind und uns in die richtige Richtung entwickeln.

"Es hatte was von einem Handballspiel"

Frage: Schalke hat auch bis zum Ende versucht, noch den Führungstreffer zu erzielen.

Fährmann: Der Gegner stand kompakt und bei uns hatte es ein bisschen was von einem Handballspiel. Du spielst den Ball immer hin und her und versuchst es dann mit Flanken. Wir haben Moral bewiesen und gekämpft. Und wir haben über 90 Minuten versucht, es spielerisch zu lösen, sind dafür aber nicht mehr ganz belohnt worden.

Frage: Die Fans haben den Auftritt belohnt und die Mannschaft bis zum Ende lautstark angefeuert.

Fährmann: Ich muss unsere Fans absolut loben! Sie haben unser Engagement und unsere Leidenschaft, die wir bis zum Ende gezeigt haben, honoriert. Sie waren zufrieden, auch wenn unter dem Strich dieses Mal keine drei Punkte stehen.

"Sind dabei, einen anderen Fußball zu entwickeln"

Frage: Muss man so ein Unentschieden in dieser frühen Saisonphase auch einfach mal akzeptieren, wenn man sich wie Schalke im Umbruch befindet?

Fährmann: Voll und ganz! Wir hatten nach vorne viele Szenen, die besser waren als in der letzten Saison. Wir sind dabei, hier einen anderen Fußball zu entwickeln. Dass das nicht von heute auf morgen klappt, ist ganz klar. Aber man hat schon gegen Duisburg und Bremen gesehen, dass wir uns weiter entwickeln. Jetzt haben wir auch immerhin einen Punkt geholt. Und ich freue mich jetzt schon auf das nächste Spiel am Freitagabend in Wolfsburg. Da treffen wir wieder auf einen anderen Gegner, der spielerisch mehr dagegen setzen wird als zum Beispiel Darmstadt

Frage: Wie weit ist Schalke schon auf seinem neuen Weg hin zu einem anderen Fußball?

Fährmann: Ich denke, man sieht es einfach. Wir spielen attraktiv nach vorne, versuchen zu pressen. Wir spielen schnelle Wechsel, haben gute Kombinationen nach vorne. Aber wir sind gerade mal sechs, sieben Wochen zusammen. Dass da nicht alles reibungslos läuft und nicht immer von der ersten Minute an alles klappt, ist klar.

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte