Stuttgart - Ruhig und gelassen wirkte er nach dem 1:0-Sieg des FC Schalke 04 in Stuttgart. Dabei hätte Schalkes Keeper Ralf Fährmann vor Freude ausflippen können. Denn er rettete seiner Mannschaft den Sieg beinahe ganz alleine.

Nein, eine Sonderbelohnung bekäme Ralf Fährmann nicht. "Zu einem Sieg gehören schließlich alle elf Spieler einer Mannschaft", machte Benedikt Höwedes am Sonntagabend in den Katakomben der Stuttgarter Arena klar. "Aber natürlich werden wir Ralle ein paar Streicheleinheiten zukommen lassen", so Höwedes, der in Stuttgart sein Comeback nach langer Verletzungspause feierte, gegenüber bundesliga.de. Dennoch war selbstredend nach dem glücklichen 1:0-Erfolg beim VfB allen Schalker Verantwortlichen und Spielern klar: Zu verdanken hatten sie die drei Punkte ihrem Torwart, der einen Sahnetag erwischte und die Stuttgarter mit seinen vielen Paraden schier zur Verzweiflung trieb.

Sage und schreibe 26 Mal schossen die Stuttgarter auf das Schalker Tor, davon waren mindestens zehn dicke Torchancen dabei. Immer wieder bekam Fährmann eine Hand, ein Bein, einen Arm, irgendein Körperteil an den Ball und hielt bis zum Schlusspfiff die Null für seine Mannschaft, die in Stuttgart nach dem anstrengenden Europa-League-Trip nach Zypern müde wirkte. Insgesamt wehrte Fährmann neun Bälle ab und stellte damit einen neuen Saisonrekord auf. Trotz seiner Glanzleistung blieb der Schalker Keeper nach der Partie bescheiden: "Wir können uns beim lieben Fußball-Gott bedanken, dass er uns die drei Punkte geschenkt hat". Und bei ihm, muss man da hinzufügen.

Top-Leistung vor Löws Augen

© imago / Michael Weber

Auch Fährmanns Trainer André Breitenreiter war voll des Lobes. "Ralle gehörte mit Sicherheit zu den besten Torhütern der Liga. Er hat nicht nur in Stuttgart hervorragend gehalten, sondern auch schon in den letzten Spielen." Fährmann habe eine starke Präsenz, sei stark in Eins-zu-Eins-Situationen und sicher auch bei hohen Bällen. In der Tat war Stuttgart nicht das erste Spiel, in dem Fährmann seine Mannschaft rettete. Schon in der letzten Partie gegen die Mainzer zeigte er einige spektakuläre Paraden.

Umso passender war es natürlich für Fährmann, dass Bundestrainer Joachim Löw seine Leistung im Stadion live bewunderte. "Der Bundestrainer hat sicher gesehen, dass Ralle ein absoluter Top-Mann ist", war sich dann auch Breitenreiter sicher. Von Spekulationen rund um die Nationalmannschaft wollte Fährmann, von seinem Naturell als bescheiden und bodenständig bekannt, dann aber doch nichts wissen. "Ich bin kein Typ, der sich in die Nationalmannschaft redet. Ich versuche jede Woche meine Leistung zu bringen", sagte er und machte deutlich, dass ihm auch andere Formen der Anerkennung wichtig sind. "Die Fans haben meinen Namen gerufen, das sind die Momente, für die man als Sportler lebt."

Genossen hat Fährmann seinen Arbeitstag im Schwäbischen aber natürlich trotzdem. "Das sind die Spiele, für die man als Torwart lebt", gab er zu. "Das genießt man, aber natürlich waren die 90 Minuten gefühlte 180, da braucht man nicht herumzureden", beschreibt er weiter, wie intensiv die Partie in Stuttgart für ihn war. Das lag auch daran, dass die Schalker Defensive über die gesamten 90 Minuten wenig sattelfest wirkte und jede Menge gegnerische Gelegenheiten zuließ.

Bei Schalke läuft es rund

© gettyimages / Alexander Hassenstein/Bongarts

So profitierte Fährmann am Ende auch von der Stuttgarter Nervenschwäche.  "Stuttgart steht mit null Punkten unten in  der Tabelle, da fängt der Kopf automatisch an zu arbeiten", erklärte er, bevor er sich zufrieden in den Schalker Mannschaftsbus verabschiedete. "Da fehlt es schnell an der nötigen Sicherheit und Ruhe."

Insgesamt aber läuft es derzeit gut für Schalke. Platz vier nach fünf Spieltagen – für Fährmann das Ergebnis der Stimmungslage rund um den emotionalen Club. "Ich hoffe, dass es so ruhig auf Schalke bleibt, das tut uns einfach gut. Wenn man hart arbeitet, wird man auch belohnt", sagt der Keeper, der in Stuttgart alles dafür tat, dass die "Königsblauen" in allem Frieden weiter arbeiten können.

Aus Stuttgart berichtet Jens Fischer