Göteborg - Die deutsche Mannschaft kann unter Bundestrainer Joachim Löw auf skandinavischem Boden einfach nicht gewinnen: 3:3 in der WM-Qualifikation 2008 in Finnland, im August das 2:2 im Freundschaftsspiel in Dänemark und nun das 0:0 bei den Schweden.

Doch der guten Stimmung zum Abschluss des WM-Jahres tat das keinen Abbruch. Bundestrainer Joachim Löw ist mit der Entwicklung seiner Mannschaft sehr zufrieden. Im Interview nach der Partie in Göteborg spricht er über die "jungen Wilden" und den verletzten Routinier Michael Ballack. An die Mannschaft richtet er einen Appell.

Frage: Herr Löw, wie bewerten Sie das 0:0 gegen Schweden zum Abschluss des WM-Jahres 2010

Joachim Löw: Mir war schon nach einigen Minuten klar, dass in diesem Spiel nicht viele Tore fallen werden. Das war ein reines Geduldsspiel, weil die Schweden sehr, sehr defensiv gespielt und mit zehn Mann in der eigenen Hälfte gestanden haben. Allerdings ist es uns nicht gelungen, in dem Spiel die Aktionen ganz konsequent zu Ende zu spielen. Das Ergebnis hat mich aber auch nur in zweiter Linie interessiert. Ich habe bei unseren Spielern großes Engagement gesehen. Vor allem mit den jungen Spielern war ich absolut zufrieden. Wir haben das Spiel überwiegend kontrolliert und kaum Chancen zugelassen.

Frage: Und wie sind Sie mit dem Jahr 2010 insgesamt zufrieden?

Löw: 2010 war ein fantastisches Jahr für die Nationalmannschaft, aber auch ein hervorragendes Jahr für den gesamten deutschen Fußball. Wir haben in vielen Spielen Qualitätsfußball "Made in Germany" gezeigt und uns damit großen Respekt erarbeitet. Die WM war in diesem Jahr sicher der Höhepunkt, aber ich bin auch sehr zufrieden, dass wir die guten Leistungen nahtlos in die EM-Qualifikation übertragen haben. Es ist nach so einem Jahr nicht selbstverständlich, dass wir in der EM-Qualifikation so glänzend dastehen.

Frage: Mit den Mainzern Lewis Holtby und Andre Schürrle sowie den Dortmundern Marcel Schmelzer und Mario Götze durften gegen Schweden gleich vier Spieler ihr DFB-Debüt feiern. Zudem absolvierten Kevin Großkreutz und Mats Hummels ihr zweites Länderspiel. Wie beurteilen Sie die Leistung der jungen Wilden?

Löw: Mats Hummels hat in der Abwehr sehr souverän gespielt, sehr gut auf lange Bälle reagiert. Ich hatte nie das Gefühl, dass er Probleme bekommen könnte. Auch Marcel Schmelzer hat seine Aufgabe auf der linken Seite gut gelöst. Kevin Großkreutz ist ein Spieler, der eine gute Dynamik hat und unheimlich viel unterwegs ist, auch wenn es gegen die Schweden schwierig war, sich auf den Außen durchzusetzen. Sehr gut gefallen hat mir Lewis Holtby. Er war schon gleich im ersten Training am Montag auffallend gut. Er ist technisch stark, findet gute Lösungen und hat eine große Ballsicherheit. Und auch Andre Schürrle und Mario Götze haben mich sehr beeindruckt. Vor allem wie weit Götze mit seinen 18 Jahren schon ist. Er spielt mit einer Selbstverständlichkeit und hat eine unglaubliche Ruhe am Ball. Er ist ein hervorragender Techniker. Mit Blick auf 2012 und 2014 haben wir Spieler, die den Konkurrenzkampf weiter fördern.

Frage: Was fordern Sie von Ihren Spielern hinsichtlich des kommenden Jahres?

Löw: Ich werde auf keinen Fall akzeptieren, dass wir nachlässig werden und deshalb Rückschläge hinnehmen müssen. Der Sprung der Mannschaft in diesem Jahr war sehr groß, aber wir werden in allen Punkten weiter an uns arbeiten. Wir wollen uns auch spielerisch weiterentwickeln. Los geht es für uns in 2011 mit dem Spiel gegen Italien, zudem haben wir in Uruguay und Brasilien zwei starke Gegner, die uns fordern werden.

Frage: Insbesondere auf der Sechser-Position haben Sie ein großes Angebot an guten Spielern. Ist da wirklich noch Platz für Michael Ballack, wenn er wieder gesund ist?

Löw: Ich habe immer gesagt, dass ich weiterhin mit Michael Ballack rechne. Er war jetzt ein halbes Jahr verletzt und hat nicht gespielt. Das darf man nicht vergessen, und wenn Spieler verletzungsbedingt ausfallen, dann rücken andere nach. Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira haben das bei der WM sehr gut gemacht. Aber ich traue Michael Ballack zu, dass er wieder zurückkommt. Ich weiß, dass er vehement auf sein Comeback drängt.