Dortmund - Es sind Geschichten, die nur der Fußball schreibt: Vor der Saison war Antonio da Silva beim BVB eigentlich nur Trainingsgast - jetzt rettete er als Joker mit seinem Kunsttreffer in der Nachspielzeit einen Punkt gegen Hoffenheim.

Als vereinsloser Spieler wollte sich Antonio da Silva in der Sommervorbereitung bei seinem ehemaligen Trainer aus Mainzer Tagen fit halten. Dabei überzeugte der 32 Jahre alte Brasilianer Jürgen Klopp so sehr, dass er einen Vertrag in Dortmund bekam - und diese Verpflichtung zahlte sich jetzt aus.

Was dem BVB zuvor trotz etlicher Chancen gegen die TSG Hoffenheim nicht gelungen war, schaffte da Silva: In der dritten Minute der Nachspielzeit zirkelte er einen Freistoß aus 20 Metern zum 1:1-Endstand ins Tor. Nach dem Spiel stellte sich ein gelöster, aber auch bescheidener Toni da Silva den Fragen.

Frage: Herr da Silva, wie war die Absprache beim Freistoß? Normalerweise ist das Aufgabe von Nuri Sahin, der ja auch bereit stand.

Antonio da Silva: Wir haben kurz miteinander gesprochen und ich habe zu Nuri gesagt: "Lass es mich mal versuchen." Daraufhin hat er nur geantwortet: "Okay, schieß das Ding rein." Gott sei Dank hat es auch genauso geklappt. Der Freistoß ist mir ganz gut gelungen. Ich habe den Ball geküsst und ihn gut getroffen. Es war die letzte Chance, zum Glück habe ich sie genutzt. Der Rest war nur noch Freude!

Frage: Die Fans haben den späten Ausgleich wie einen Sieg gefeiert. Wie bewerten Sie das Unentschieden gegen Hoffenheim?

Da Silva: Man muss in so einer Partie auch mal mit einem Punkt zufrieden sein. Natürlich wollten wir das Spiel gewinnen, aber es lief lange Zeit gegen uns. Wir haben versucht, es zu drehen. Wir haben auch die Chancen dazu gehabt, aber trotzdem ist es uns nicht gelungen, vorher einen Treffer zu erzielen. Hoffenheim stand hinten sehr stabil, dazu kamen unglückliche Situationen wie das aberkannte Elfmetertor.

Frage: Man hatte zeitweise den Eindruck, dass den Dortmunder ein wenig die Kräfte ausgingen.

Da Silva: Wir hatten zuletzt viele englische Wochen und die Mannschaft war in einigen Phasen wirklich ein wenig müde. Trotzdem haben wir uns nicht klein kriegen lassen. Wir haben immer an uns geglaubt. Leider hat es nicht mehr gereicht, das Spiel komplett zu drehen. Aber umso schöner ist es dann, sich in der 90. Minute doch noch einen Zähler zu holen.

Frage: Dass Sie hier so ein wichtiges Tor schießen, war vor einigen Monaten nicht einmal zu erahnen.

Da Silva: Ich konnte mit diesem Tor mir selbst ein Geschenk machen, aber auch der Mannschaft und dem Trainer. Jürgen Klopp hat mir im Sommer die Möglichkeit gegeben, in Dortmund mitzutrainieren. Damit konnte ich mich für den Verein interessant machen. Ich bin froh, dass sich dann alles so ergeben hat. Ich bedanke mich für die Chance, die mir der BVB gegeben hat. Und ich bedanke mich bei der Mannschaft, die mich so aufgenommen hat, als hätte ich immer dazu gehört. Mein Tor war auch ein Dank für die tolle Kameradschaft.

Frage: Und dann wurden Sie beim Abpfiff von der Südtribüne gefeiert - ein besonderes Erlebnis auch für einen gestandenen Fußballer wie Sie?

Da Silva: Das ist ein Riesengefühl - pure Gänsehaut! Man hofft natürlich immer wieder, hineinzukommen und eine Chance zu bekommen. Man weiß ja nie, wie sich Spiele entwickeln. Dann freut man sich umso mehr, wenn man der Mannschaft mit einer Einwechslung auch wirklich helfen kann. Ich freue mich riesig!

Frage: Wie hat Jürgen Klopp reagiert?

Da Silva:(lacht) Er hat mir gesagt, ich wäre ein Blinder und könne kein Fußball spielen, aber einen Freistoß dürfte ich jederzeit wieder schießen.

Frage: Trainieren Sie derartige Situationen eigentlich extra?

Da Silva:(lacht) Bei dem Wetter jetzt weniger, da macht es nicht so viel Spaß. Nein, im Ernst: Natürlich übt man so etwas, wenn sich dazu die Gelegenheit bietet. Ich versuche regelmäßig, ein paar Freistöße zu versenken. So etwas musst du auch immer wieder trainieren.

Frage: Wie sehen Sie jetzt Ihre weitere Rolle beim BVB? Hoffen Sie, demnächst auch einmal von Beginn an auf dem Rasen zu stehen?

Da Silva: Ich erhebe jetzt nicht den Anspruch, von Beginn an zu spielen. Ich will einfach für die Mannschaft da sein und meine Leistung bringen, wenn der Trainer mich einwechselt. Ich werde im Training weiter alles geben, um eine Option zu sein und mich zu empfehlen. Wenn Jürgen Klopp mir dann das Vertrauen gibt wie jetzt gegen Hoffenheim, bin ich dankbar und will das durch meine Leistung bestätigen. Vielleicht gibt's demnächst noch das ein oder andere Spiel, in dem ich reinkomme - mich würde es freuen.

Aufgezeichnet von Dietmar Nolte