Hamburg - Die Generalprobe ist geglückt, mehr aber auch nicht: So lautet das Fazit nach dem Sieg der Nationalmannschaft gegen Israel. Beim 2:0-Erfolg tat sich vor allem die Offensive des DFB-Teams gegen die dicht gestaffelte Abwehr der ansonsten schwachen Gäste unheimlich schwer. Bis zum EM-Auftakt gegen Portugal am 9. Juni wartet noch viel Arbeit auf das Trainergespann um Joachim Löw.

"Generell müssen wir uns steigern. Das Tempo wird höher sein bei der EURO. Mir sind noch ein paar Kleinigkeiten aufgefallen. Das aggressive Stören gefiel mir noch nicht so gut. Und wir müssen konsequenter mit unseren Chancen umgehen", analysierte Löw die Partie.

Schweinsteiger wird vermisst



Sechs Tage nach dem Debakel in der Schweiz konnten auch die zurückgekehrten Bayern-Spieler nicht die Wende zum Guten einleiten. Bis auf den an der Wade verletzten Schweinsteiger, der als ordnende Kraft im Mittelfeld weiter schmerzlich vermisst wurde und wohl am Montag wieder ins Mannschaftstraining einsteigen wird, standen alle sieben Profis des Rekordmeisters in der Startelf. (XL-Galerie: DFB-Stars in der Einzelkritik)

"Wir haben jetzt zwei Wochen kein Spiel gehabt. Zudem stehen wir erst seit drei Tagen mit der Mannschaft im Training. Da ist es doch klar, dass noch nicht alles so perfekt laufen kann", meinte Kapitän Philipp Lahm.

Keine spielerische Galavorstellung



Doch auffällig ist, dass die deutsche Nationalmannschaft in diesem Jahr einfach nicht an die spielerische Leichtigkeit der vergangenen Jahre anknüpfen konnte, mit der andere große Fußball-Nationen wie zum Beispiel Brasilien dominiert wurden.

1:2 gegen Frankreich Ende Februar, dann das 3:5 gegen die Schweiz am vergangenen Freitag und nun der mühsame Sieg gegen die Außenseiter aus Israel: So richtig Mut machen die Ergebnisse aus diesem Jahr nicht.

"Positive Energie für den Auftakt"



Mannschaft und Verantwortliche wollten die nackten Zahlen aber nicht überbewerten. "Wir haben unser Ziel erreicht: Wir wollten uns mit einem Sieg im letzten Testspiel vor der EURO positive Energie für den Auftakt gegen Portugal holen", so Löw.

Von einem möglichen Gewinn der Europameisterschaft ist das DFB-Team momentan augenscheinlich zwar eh sehr weit entfernt. Das Ziel "Titel" ist im Kreise der Nationalmannschaft aber auch tabu.

"Wir haben nur ein Ziel: Wir wollen zum Auftakt gegen Portugal topfit sein und uns als eine echte Mannschaft präsentieren. Das ist das, was für uns zählt", erklärte Kapitän Lahm.

Schürrle zeigt seine Qualität



Welche Mannschaft der Bundestrainer am 9. Juni gegen die Südeuropäer ins Rennen schicken wird, konnte man am Donnerstagabend erahnen. Die Startelf dürfte der aus der Partie gegen Israel ähnlich sein.

Schweinsteiger, sollte er rechtzeitig fit werden, ist im defensiven Mittelfeld neben Sami Khedira gesetzt. Toni Kroos konnte zuletzt nicht überzeugen. Andre Schürrle hat mit seinem Tor gegen Israel erneut Druck auf Lukas Podolski ausgeübt. Podolskis Bonus bei Löw dürfte aber wahrscheinlich noch für einen Stammplatz reichen.

"Zum Start immer bei 100 Prozent"



Ob Philipp Lahm auf der linken oder auf der rechten Seite der Viererkette spielen wird, darauf wollte sich Löw nicht festlegen. Sicher ist er sich nur, dass "ich im Verlaufe des Turniers dann eigentlich nicht mehr umstellen werde".

Gut eine Woche bleibt dem DFB-Team noch, um die Fehler der vergangenen Spiele auszumerzen. Lahm machte dafür gerne noch einmal auf eine deutsche Tugend aufmerksam: "Zum Start waren wir bislang immer bei 100 Prozent."

Michael Reis