Der 1. FC Nürnberg geht das Unternehmen Klassenerhalt trotz der 0:1-Niederlage in Schalke mit neuem Mut an. "Man sieht, dass diese Mannschaft lebt", lässt Torhüter Raphael Schäfer keinen Zweifel.

Nach der Partie auf Schalke, als die Nürnberger mit viel Lob, aber leeren Händen da standen, übte sich Martin Bader noch in Galgenhumor. Was sich denn jetzt ändern müsse, wurde der Sportdirektor gefragt.

"Die Tore müssen ein bisschen größer werden", gab er zurück und spielte mit säuerlicher Miene auf die beiden Pfostentreffer seiner Elf an.

"Die Struktur ist wieder da"

Doch der erste Eindruck täuscht. Auch Bader hat mit Genugtuung registriert, dass der "Club" nicht nur mit neuem Trainer und neuen Spielern, sondern vor allem auch mit neuem Schwung aus der Winterpause gekommen ist. "Die Struktur ist wieder da", analysierte Bader, "die Mannschaft hat über 90 Minuten viel gearbeitet, alles versucht und dabei bis auf eine Chance der Schalker eigentlich nichts zugelassen."

Dass jene eine Chance den Unterscheid machte und Nürnberg um den Lohn einer engagierten Leistung brachte, hatte Dieter Hecking unmittelbar nach seinem Debüt als "Club"-Coach an der Seitenlinie noch mächtig auf die Palme gebracht: "Die schießen einmal aufs Tor und stehen da oben auf dem 2. Platz - das ist ein Witz." Doch Hecking kennt das Ligageschäft nur allzu gut - und seine ungeschriebenen Regeln: Stehst du erst einmal unten drin, hast du das Pech gepachtet.

Lob für die Debütanten Breno und Ottl

Auch für Raphael Schäfer ist es "normal, dass das Glück nicht von heute auf morgen zurückkommt". Man muss es sich vielmehr erarbeiten - doch da sieht der Torhüter die Mannschaft auf einem guten Weg. "Wir haben eine Menge positiver Sachen mit nach Hause genommnen, auch wenn s noch keine Punkte sind." Auch Hecking attestierte seiner Mannschaft "ein richtig gutes Spiel".

Tatsächlich präsentiert sich der "Club" stark verbessert. In der Abwehr, in der Breno an der Seite von Andreas Wolf sein Debüt als Innenverteidiger gab, stand die Mannschaft über weite Strecken diszipliniert, sicher und kompakt. "Fehler passieren, aber die Anzahl haben wir schon stark minimiert", lobte Schäfer seine Vorderleute.

Breno und auch der ebenfalls vom FC Bayern ausgeliehene Andreas Ottl scheinen dem Spiel der Nürnberger deutlich mehr Stabilität und Struktur zu verleihen. Und nicht nur Schäfer verspricht sich für die Zukunft von dem neuen Duo noch einiges. "Sie waren nicht umsonst bei den Bayern. Noch fehlt einiges an der Abstimmung, aber wir wachsen langsam zu einer Einheit zusammen", sagte der Keeper.

Dem Aufwärtstrend muss jetzt Zählbares folgen

Auch in der Offensive setzten die Nürnberger auf Schalke immer wieder Akzente und erarbeiteten sich einige gute Möglichkeiten. Zum Ende der Hinrunde war das noch ganz anders. Dass Gästetrainer Felix Magath Mitte der ersten Halbzeit wild gestikulierend am Spielfeldrand stand und seinen kompletten Defensivverbund umbaute, dürfen die Franken durchaus als Kompliment für ihr Spiel verstehen.

Einziger Wermutstropfen bleibt die mangelnde Torausbeute. Zwei Mal Pfosten, aber kein Treffer - für den "Club" stand gegen Schalke schon zum fünften Mal in Folge die Null auf der falschen Seite.

Das soll sich jetzt ändern. Dem positiven Trend will der FCN nun auch Zählbares folgen lassen - und Martin Bader nimmt Trainer und Mannschaft auch in die Pflicht: "Bei aller guten Entwicklung: Wir müssen jetzt auch Ergebnisse erzielen." Am Samstag kommt Eintracht Frankfurt, dann tritt der "Club" in Hannover an. "Wenn wir diese beiden Spiele positiv gestalten, sind wir wieder mittendrin im Geschäft", ist Raphael Schäfer überzeugt.

Dietmar Nolte