Es war schon ein etwas außergewöhnlicher Ort, an dem der FC Bayern vor dem Spiel bei Juventus Turin zur abschließenden Pressekonferenz einlud.

Im Teamhotel, dem Principi di Piemonte, zog die große Schar der deutschen und italienischen Journalisten in den "Salone delle Feste" ein. Ein Prunksaal mit kostbaren Lüstern, Mosaiken und edlem Murano-Glas.

"Für solche Duelle spielt man Fußball

Es blieb sogar Zeit, die Kunstfertigkeiten genauer zu betrachten, denn der Tross des FC Bayern kam etwas verspätet in Turin an. Mark van Bommel und Bastian Schweinsteiger stellten sich dann aber bestens gelaunt den Fragen der Medienvertreter.

Vielleicht war es die Vorfreude auf das Spiel gegen Juve, die Kapitän van Bommel so ins Schwärmen kommen ließ. "Das wird sicherlich ein schöner Abend. Genau für solche Duelle spielt man Fußball. Wenn man so eine Partie gewinnt, dann spricht man noch Jahre darüber", sagte der Niederländer.

"Schweini" amüsiert

Und auch Schweinsteiger wusste um die Bedeutung dieses Spiels. "Wir können mit einem Mal alles Negative der vergangenen Wochen wegwischen - und dann stehen wir im Achtelfinale", erklärte der Nationalspieler, der sich immer wieder schmunzelnd über die schnelle Übersetzung von Dolmetscherin Simona amüsierte.

Doch so kurzweilig die Runde mit van Bommel und Schweinsteiger auch war - es wartete ja noch Trainer Louis van Gaal, der sich zum Abschluss der Pressekonferenz an das mit Mikrofonen übersäte Pult begab.

Abschlusstraining vorverlegt

Der Bayern-Coach analysierte jede Frage genau, korrigierte, wenn es um die Definition der "italienischen Fußballmentalität" ging oder lobte sich für sein Engagement bei der UEFA, um das Abschlusstraining auf Wunsch der Spieler von 20 Uhr auf 18:30 Uhr vorzuverlegen: "Ich habe Himmel und Erde in Bewegung gesetzt und nachgefragt, ob das möglich wäre. Und: Es ist möglich".

So trainierten die Bayern-Kicker schon frühzeitig auf dem Rasen des Olympiastadions in Turin. Mit dabei auch Arjen Robben. Der Niederländer betrat zwar erst als Nachhut mit Thomas Müller und Schweinsteiger den Platz. Bei den Übungen sprang, trippelte und sprintete der wieder genesene Robben aber mit Philipp Lahm als erstes Duo vorweg.

Filmreifes Mienenspiel

Dennoch, van Gaal hielt sich in der Personalie Robben noch bedeckt und mahnte zur Geduld bis zur Verkündung der Aufstellung vor dem Spiel. Van Gaals Mimik verriet aber, dass ihm die Frage nach möglichen Aufstellungsszenarien nicht passte. Überhaupt reichten seine Reaktionen von fröhlich bis leicht verärgert, von heiter bis angespannt.

Hätte Star-Regisseur Francis Ford Coppola, der vor wenigen Wochen anlässlich des Turiner Filmfestivals ebenfalls im "Salone delle Feste" vor der Presse sprach, seinen Aufenthalt im Principi di Piemonte verlängert, er hätte seine helle Freude am Mienenspiel van Gaals gehabt.

Aus Turin berichtet Michael Reis