Schon durch scheinbar kleine Hilfsaktionen wird in den ärmsten Regionen der Welt große Unterstützung geleistet. Diesen Eindruck hat eine prominent besetzte Delegation der European Professional Football Leagues (EPFL) bei einem Besuch in Ägypten gewonnen. Im März wird gleich in mehreren Ländern ein Fußballwochenende der Initiative "Football Against Hunger" gewidmet - auch in der Bundesliga.

Mohammed Ossama ist 13 Jahre alt und lebt in einem kleinen ägyptischen Dorf, zwei Autostunden von Kairo entfernt. Er besucht die siebte Klasse der Amereya Preparetory Mixed School. Für ihn und seine Klassenkameraden sowie die insgesamt rund 300 Schüler hat sich der Unterricht seit einigen Wochen um ein ganz besonderes Fach erweitert.

Kinder ernten die Früchte ihres Unterrichts

Im neuen Schulgarten erhalten die Kinder, die aus ärmsten Verhältnissen kommen, nun spezielle Kenntnisse über die Pflanzen- und Gemüsezucht. Die Lehrer zeigen ihren Schülern zum Beispiel, wie man Salat oder Oliven anpflanzt. Was sich für die meisten Europäer vielleicht wie etwas ganz Normales anhört, ist für die Kinder und deren Familien in dieser Region ein zusätzlicher Schritt zum Überleben.

Viele Menschen haben kaum oder gar kein Einkommen, und die Kinder ernten im wahrsten Sinne des Wortes die Früchte ihres Unterrichts, um sich und auch den Rest ihrer Familien zu ernähren. "Teilweise können wir von der Ernte aus dem Schulgarten während der Schulzeit unser Essen für die Pause besorgen", sagt Mohammed Ossama stolz. "Teilweise nehmen wir aber auch Nahrung mit nach Hause zu unseren Eltern."

Die spezielle Hilfsaktion für die Hungernden der Region hat die FAO, die Food and Agriculture Organization der Vereinten Nationen, ins Leben gerufen. Unter dem Namen Telefood hat die weltweit führende Organisation gegen Hunger und Unterernährung insgesamt vier Projekte im Norden von Ägypten gestartet, die der Bevölkerung als Grundlage für Nahrung dienen und ein geregeltes Einkommen mit Hilfe von Tierzucht sichern sollen.

Gemeinsam im Kampf gegen den Hunger

Seit dem 15. Oktober 2008 existiert nun eine ganz spezielle Form der Zusammenarbeit zwischen der FAO und der EPFL, der Vereinigung der europäischen Profi-Fußballligen. Gemeinsam wollen FAO und EPFL die Öffentlichkeit auf ihren Kampf gegen den Hunger auf der Welt aufmerksam machen.

963 Millionen Menschen leiden weltweit unter Hungersnot - eine alarmierende Zahl. Und die Tendenz ist immer noch steigend: Die Zahl der Hungernden hat sich in den ärmsten Regionen in den vergangenen 30 Jahren weiter erhöht. Im Januar machte sich eine Delegation der EPFL unter Führung der Primera División (vertreten durch Präsident José Luis Astiazarán Iriondo) und der Bundesliga (DFL-Geschäftsführer Tom Bender) im Rahmen der Kooperation mit der FAO auf den Weg nach Kairo, um vor Ort die Hilfsmaßnahmen zu begutachten. Mit dabei die ehemaligen Superstars Hansi Müller, Europameister von 1980, und Paolo Rossi, Weltmeister von 1982 und damals Torschützenkönig der Endrunde in Spanien.

"Möglichkeit etwas zurückzugeben"

Für die am Schulgarten-Projekt teilnehmenden Kinder war es ein ganz besonderer Tag, als die Delegation mit DFL-Geschäftsführer Tom Bender als Vorstandsvorsitzendem der Bundesliga-Stiftung zu Besuch kam. Und die Ex-Profis Hansi Müller und Paolo Rossi ließen es sich dann auch nicht nehmen, mit den Kindern auf dem staubigen Schulhof gemeinsam zu kicken.

"Dieses Leuchten in den Augen der Kinder zu sehen, das ist für mich der schönste Moment gewesen", fasst Hansi Müller seine Erlebnisse zusammen. "Aber nach den Eindrücken hier vor Ort ist mir die Bedeutung unseres gemeinsamen Engagements umso deutlicher geworden. Als Sportler, der das Glück hatte, auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen, ist dies eine perfekte Gelegenheit, etwas zurückzugeben und diese Hilfsaktion von ganzem Herzen zu unterstützen."

Einfache Mittel mit großer Wirkung

Mit welch einfachen Mitteln den Ärmsten der Region rund um Kairo zu helfen ist, konnte die Delegation auf zwei weiteren Stationen bei ihrem Besuch in Ägypten in Augenschein nehmen. In dem kleinen Dorf Kafr Eldawar wurden insgesamt 30 Familien mit jeweils vier Hasen versorgt - ein männliches Exemplar und drei weibliche -, dazu mit einem Hasenstall und regelmäßiger veterinärer Versorgung vor Ort.

Ossama Ahmed Abdel Salam und seine fünfköpfige Familie können sich nunmehr durch die Hasenzucht und den Verkauf der Tiere in der Nachbarschaft erstmals im Leben selbst ernähren und kommen so auf ein Jahreseinkommen von umgerechnet rund 200 Euro.

Ein weiteres Beispiel ist Familienvater Eid Mohamad Radwan, der seiner Frau und fünf kleinen Kindern nun mittels Ziegenzucht ein geregeltes Einkommen sichern kann. "Meine Kinder konnten dank der Unterstützung auch erstmals in ihrem Leben Milch trinken, die von den Ziegen kommt", erklärte Radwan erfreut gegenüber der Delegation aus Europa.

"Europäischer Spieltag gegen den Hunger"

Im Rahmen der Kooperation zwischen FAO und EPFL war der Besuch des Hilfsprojekts in Ägypten aber nur der Anfang. Um europaweit auf die Probleme der Hungersnot auf der Welt aufmerksam zu machen und damit den Hilfsprojekten möglichst viele Spenden zukommen zu lassen, wird es vom 20. bis 22. März einen "Europäischen Spieltag gegen den Hunger" geben.

Neben der Bundesliga sind auch die Ligen aus Spanien, Italien, Portugal, Bulgarien, Österreich, Schottland und Wales mit von der Partie. Bei allen Spielen in sämtlichen Stadien werden auf den Videowänden Bilder aus Ägypten zu sehen sein. Und in jedem Land wird ein prominenter Fußballer die Aktion unterstützen.

Auf diese Weise werden Millionen von Menschen sensibilisiert und auf die Wichtigkeit der Maßnahmen gegen die Hungersnot aufmerksam gemacht. "Jeder noch so kleine Beitrag, der den Menschen in diesen ärmsten Regionen der Welt zukommt, ist bestens angelegt", sagt Tom Bender. "Davon konnte ich mich selbst überzeugen." Und es sind nicht nur die leuchtenden Kinderaugen des Mohammed Ossama auf dem Schulhof, die dieser Aussage Nachdruck verleihen.

Thomas Mörs