München - Fünf Gegentore und zwei Niederlagen in den Auftaktspielen: Der Saisonstart verlief für Eintracht Frankfurt nicht optimal. Nun fehlen auch noch sechs Nationalspieler. Aber die Situation ist nicht so düster, wie sie auf den ersten Blick aussieht.

Die Eintracht hatte vor der neuen Spielzeit nicht mehr nur den Klassenerhalt als Ziel genannt. "Natürlich wollen wir uns wieder ein Stückchen verbessern", kündigte Trainer Michael Skibbe im Juli gegenüber bundesliga.de an. Im Vorjahr belegte Frankfurt Rang 10. Und nun? Musste Skibbe nach dem 1:2 in Hannover und dem 1:3 zu Hause gegen Hamburg eingestehen: "Natürlich haben wir uns einen anderen Saisonstart gewünscht, momentan geht es absolut in die falsche Richtung."

Zwar hat Skibbe nun zwei Wochen Zeit, am Spiel der Mannschaft zu arbeiten. Während der Länderspielpause fehlen ihm allerdings auch sechs Nationalspieler, darunter mit Sebastian Jung (U 21) und Pirmin Schwegler (Schweiz) zwei Profis, die gegen Hamburg in der Startelf standen. Die beiden potenziellen Stammspieler Georgios Tzavellas und Theofanis Gekas sind mit Griechenland auf Reisen und können sich daher auch nicht weiter mit den neuen Kollegen einspielen.Trotzdem ist die Situation nicht so düster, wie sie bei null Punkten und Tabellenplatz 16 auf den ersten Blick aussieht.

Rost verhindert mögliches Remis

Denn in beiden Spielen hatte die Eintracht durchaus Chancen auf den Sieg. Gegen Hamburg spielte das Team zwar zeitweise holprig, nach dem Führungstreffer vergab Alexander Meier aber das mögliche 2:0. Fraglich, ob der HSV bei einem Zwei-Tore-Rückstand noch hätte zurückschlagen können. "Die Niederlage gegen den HSV ist sehr enttäuschend, weil wir vor der Pause das 2:0 hätten machen müssen", sagte Skibbe.

Auch sein Kollege auf Hamburger Seite, Armin Veh, gab zu: "Wir haben uns in der ersten Halbzeit sehr schwer getan, obwohl wir deutlich mehr Spielanteile hatten." Positiv für Frankfurt: Trotz geringerer Spielanteile scheint das Team jederzeit in der Lage zu sein, gefährlich vors Tor zu kommen. Als es in der zweiten Halbzeit 1:2 stand, verhinderte nur ein sensationell haltender Frank Rost im HSV-Tor den Ausgleich. Letztlich war der Sieg der Hamburger zwar verdient, aber "ein hartes Stück Arbeit", wie HSV-Verteidiger Joris Mathijsen zusammenfasste.

Gekas und Amanatidis scheiterten nur knapp

Am Spieltag zuvor, in Hannover, hatte die Eintracht ebenfalls gute Ansätze gezeigt - allerdings andere als gegen den HSV. "Was diese Niederlage angeht, müssen wir uns an die eigene Nase fassen. Wir haben aus unserer Feldüberlegenheit einfach zu wenig gemacht. Geärgert haben mich die vielen Ballverluste in der zweiten Halbzeit", sagte Skibbe. Dass es die Feldüberlegenheit überhaupt gab, stimmt zuversichtlich. Zumal Hannovers 2:1 auf Schalke die Frankfurter Niederlage bei den Niedersachsen in einem anderen Licht erscheinen lässt. Aber Frankfurt muss es nun gelingen, beide Stränge zusammenzuführen: Die Feldüberlegenheit aus dem Hannover-Spiel und die Zielstrebigkeit beim Herausspielen von Torchancen aus der Begegnung mit den Hamburgern.

Dass die Möglichkeiten dann auch genutzt werden, dafür stehen eigentlich Namen wie Ioannis Amanatidis oder Theofanis Gekas. Die Stürmer der Eintracht haben aber noch Luft nach oben. Auch Mittelfeldspieler Alexander Meier, mit zehn Treffern erfolgreichster Frankfurter in der vergangenen Saison, hat bislang noch nicht eingenetzt. Vielleicht schiebt ihn Skibbe ja vom defensiven wieder ins offensive Mittelfeld vor. Immerhin: Amanatidis und Gekas scheiterten in Hannover und gegen Rost nur knapp.

Die Innenverteidigung um Maik Franz und Marco Russ wirkt nicht immer ganz sattelfest, spielte aber auch gegen unangenehme Gegner wie Ruud van Nistelrooy, Paolo Guerrero oder Didier Ya Konan. Problematisch ist die Position hinten links. Dort agiert derzeit mit Benjamin Köhler ein Mittelfeldspieler. Mit Tzavellas steht eine Alternative im Kader, die sich aber steigern muss.

Nikolov vor dem Comeback

Schon wieder in starker Verfassung ist dagegen Patrick Ochs. Er gab in Niedersachsen eine Torvorlage und schoss gegen Hamburg ein Tor. Ein weiterer Grund für Frankfurter Zuversicht ist die anstehende Rückkehr von Torwart-Routinier Oka Nikolov. Sein Einsatz in Mönchengladbach ist fraglich, am 4. Spieltag dürfte Nikolov aber sein Comeback feiern. Der 36-Jährige soll der Abwehr noch mehr Stabilität verleihen. Auch wenn das unbestrittene Potenzial seines Ersatzmannes Ralf Fährmann schon gegen den HSV sichtbar war. Die guten Ansätze sind also da, die Mannschaft muss sie nur fortführen.

Skibbe weiß, dass in Mönchengladbach am 3. Spieltag ein schwerer Gegner wartet. Schafft es seine Mannschaft, die Konzentrationsmängel abzustellen und die beiden guten Ansätze aus den Auftaktspielen zu vertiefen, dann sollte aber zumindest ein Unentschieden möglich sein. Von Schwarzmalerei ist der Coach weit entfernt: "Wir hatten in den beiden Spielen gegen Hamburg und in Hannover die Chance zu gewinnen", sagte er nach dem HSV-Spiel. "Deshalb bleibe ich für die kommenden Wochen zuversichtlich."

Peter Seiffert