Frankfurt - Zum fünften Mal ist Peter Fischer am letzten Sonntag zum Präsidenten der Frankfurter Eintracht gewählt worden. Mit einem triumphalen Ergebnis, mit mehr als 99 Prozent der Stimmen, obwohl er es zum ersten Mal mit einem Gegenkandidaten zu tun gehabt hatte. Seit 2000 ist der 58-Jährige im Amt. Was ist also dran an diesem Mann, der für weitere drei Jahre den hessischen Traditionsverein anführen und dann mit achtzehn Jahren solange im Amt sein wird wie kein anderer vor ihm?

"Die Eintracht ist wie meine Familie", sagt er. Und: "Ich bin stolz, Präsident diesen tollen Klubs zu sein." Und alle nehmen ihm das ab. Die jüngste Mitgliederversammlung war eine Demonstration der Stärke, nach innen wie nach außen. Fischer beherrscht diesen Club und er herrscht in diesem Club. Er hat die Jahre genutzt, um etwas für diesen Verein aufzubauen und für sich selbst, um eine Hausmacht zu installieren. Als er 2000 seine ganz persönliche Mission begann, fand er am Riederwald, der Heimat des Vereins Eintracht (eV), ein marodes Gelände, einen zerrissenen Club mit verkrusteten Strukturen und nur 5000 Mitgliedern vor.

15 Jahre später steht im Osten Frankfurts ein hochmodernes Leistungszentrum und der Club hat mehr als 30.000 Mitglieder. "Warum sollten wir nicht bald 40.000 Mitglieder haben wie Stuttgart und Köln", sagt er, "das können wir schaffen, nicht nur, weil wir besseren Fußball spielen als der VfB und Köln." Für diese Sätze lieben sie ihn. Aber auch, weil er sich für die Leistungen der Cheerleaders begeistern kann, weil er beim Tischtennis zuschaut, weil er die Leichtathleten und Turner fördert und weil er, als alter Basketballer, natürlich die Basketballer liebt.

Gefühls- und Machtmensch

Fischer ist ein Gefühlsmensch, aber auch ein Machtmensch. Immer dann am stärksten, "wenn er mit dem Rücken zur Wand steht", wie es die Frankfurter Rundschau mal geschrieben hat. Er beherrscht die freie Rede, er kann mitreißen, so wie er es bei der jüngsten Versammlung getan hat, dann ist er witzig, schlagfertig, aber auch ernst und staatstragend. Er polarisiert in der Stadt und der Region.

Darf der Präsident des größten und prominentesten Clubs im hellblauen Cord-Anzug zu wichtigen Veranstaltungen kommen? Darf er sich mit Bikini-Mädchen im Meer ablichten lassen? Darf er auch mal mit Profispielern um die Häuser ziehen? Und muss er wirklich einen Porsche fahren, in den er mit seiner imposanten Größe von zwei Metern nur mit einem Schuhlöffel einsteigen kann? Er macht all das, weil es zu seiner Persönlichkeit gehört. Was die anderen denken, ist ihm egal. Er liebt dieses Leben, so wie er die Eintracht liebt.

Ohne Fischer geht es nicht

Aber es gibt auch die andere Seite des "Lebemanns", die soziale. Er war mit seiner damaligen Frau und seinem Sohn vor Ort, als am 26. Dezember 2004 gewaltige Flutwellen die Küsten des indischen Ozeans verwüsteten. Fast 230 000 Menschen kamen ums Leben, drei Millionen Menschen wurden durch den Tsunami obdachlos. Fischer gründete unter anderen zusammen mit seinem Freund, dem Frankfurter Maler Mike Kuhlmann, die Stiftung "help children of phuket", die aus der Hilfsorganisation „propheten“ hervorging. Das gesammelte Geld floss in den Aufbau von Schulen und Infrastruktur. Auch das ist Peter Fischer.

Er ist der Präsident des Vereins. Aber ohne ihn geht auch im Profifußball in der AG nichts. Gemeinsam mit seinem Freund und ehemaligen Vizepräsidenten Axel Hellmann, inzwischen zum Finanzvorstand aufgestiegen, wird er in den kommenden Jahren maßgeblich den Kurs bestimmen. Als Präsident ist er qua Amt im Aufsichtsrat (AR), bringt zwei weitere Mitstreiter aus seinem Präsidium in das neunköpfige Aufsichtsgremium mit. Er muss gefragt werden und wird gefragt, wenn ein neuer Trainer eingestellt wird, wenn neue Spieler geholt werden oder wichtige Verträge verlängert werden sollen. So wollen es die Strukturen der Eintracht.

Eintracht-Spieler machen sich für Fischer stark

Der Präsident ist zwar nicht der erste Mann, wenn es um den Profifußball geht, aber er ist einer der wichtigsten. Er repräsentiert den Verein, dem 62,9 Prozent der Aktien gehören. Im AR sitzt mit Wolfgang Steubing ein weiterer Freund, passenderweise auch einer der größten Geldgeber. Auch Philip Holzer, ehemaliger Investmentbanker in führender Position bei "Goldmann und Sachs", den Fischer bei  der Versammlung für "besondere Verdienste" ehrte, gehört zu seiner Machtbasis. Ohne sie werden bei der Eintracht keine wirklich wichtigen Entscheidungen mehr fallen.

Vorsitzender des AR ist Dr. Wilhelm Bender. Mit ihm ist Fischer eher selten, aber bei der grundsätzlichen Ausrichtung des zukünftigen Weges einig: Beide befürworten das Modell, bei befreundeten Finanzinstitutionen Geld einzusammeln, um die Eigenkapitalquote zu stärken. Mit Hilfe der Investoren soll die Schlagkraft des Bundesliga-Teams gestärkt werden. Auch darüber war bei der Präsidentenwahl abgestimmt worden, das hatte Fischer vorher deutlich gemacht. Sponsorengelder seien an seine Wiederwahl geknüpft, wurde geschickt in der Öffentlichkeit gestreut. Natürlich hatten sich auch Spieler wie Kapitän Kevin Trapp für den Präsidenten stark gemacht. 

"Ich bin ein Mann des Volkes"

Nach mehr als 99 Prozent der Stimmen muss sich Fischer vor seiner sechsten Amtszeit fühlen wie "Mr. Allmächtig". Er ist sich dieser Gefahr bewusst. "Danke an mein Präsidium, dass sie mich manchmal einfangen, wenn ich auf dem fliegenden Teppich bin", rief er den Mitgliedern zu. Er will kein Überflieger sein, nicht vergessen, woher er gekommen ist, geboren auf einem Bauernhof in Lich. Aber er steht gerne im Rampenlicht, die großen Gesten sind ihm vertraut. Ihm hat eine Werbeagentur gehört, ein Geschäft für Tennisartikel, an einer Disco war er beteiligt, an Clubs auf Mallorca und Ibiza. Die große weite Welt eben. Und doch sagt er: "Ich bin ein Mann des Volkes". Die Fans nehmen es ihm nicht übel. Denn sie hat er stark gemacht im Klub. Und mit ihnen sich selbst.

Die Fan- und Förderabteilung ist die größte und mächtigste der sechzehn Abteilungen. Mit deren ehemaligem Vorsitzenden Stefan Minden hat er einer der einflussreichsten Kräfte ins Präsidium geholt. Das hilft ihm, aber auch der ganzen Eintracht. Das noch vor wenigen Jahren angespannte Verhältnis zwischen Fans und Club hat sich merklich entspannt. "Es sind die besten Fans der Welt", sagt er und es überrascht niemanden. Ein populistische Aussage, die so oder ähnlich auch andere Vereinsführer kundtun. Doch er meint das so, ist überzeugt davon, dass Frankfurt und die Eintracht eine ganz besondere Fankultur haben. Er steht zu den Fans in der Kurve und er steht (manchmal) auch mitten unter ihnen. Er fördert sie, aber er fordert sie auch. "Wir geben ihnen Vertrauen", sagt er, "wir wollen aber etwas zurückbekommen." Der neue Weg scheint erfolgreich, in der Frankfurter Szene herrscht seit zwei Jahren relative Ruhe. Auch dafür zeichnet dieser bunte Präsident verantwortlich.

Josef Schmitt