München - In seiner ersten Bundesligasaison hat Marco Reus die in ihn gesteckten Erwartungen um Längen übertroffen. Der Offensivspezialist entwickelte sich in Mönchengladbach schnell zum Stammspieler und steht vor seinem Debüt in der Nationalelf.

Privat eher bodenständig und introvertiert, ist der 21-Jährige auf dem Fußballplatz in seinem Offensivdrang nur schwer zu bändigen. Wer sein Vorbild auf dem Rasen ist, wo seine fußballerischen Wurzeln sind und bei welchem Essen er schwach wird, erfahren Sie hier. bundesliga.de zeigt Ihnen zehn Fakten über Marco Reus, die Sie (vielleicht) noch nicht wussten...

Rakete Reus

In seiner ersten Saison in Gladbach sollte Marco Reus behutsam an die neue Klasse herangeführt werden. Gerade 20 Jahre alt geworden, feierte der Neuzugang am 1. Spieltag sein Bundesligadebüt, als er beim 3:3 in Bochum in der 70. Minute eingewechselt wurde. Doch mit seiner geradlinigen und wieselflinken Spielweise, mit der sich Reus perfekt in das Gladbacher Kontersystem integrierte, ging alles viel schneller als gedacht: Es dauerte nur bis zum 4. Spieltag, ehe er sich zum Stammspieler aufschwang. Am Saisonende verpasste Reus nur ein einziges Bundesligaspiel - und erzielte acht Treffer und vier Assists.

Super-Solo

Am besagten vierten Spieltag setzte Reus ein erstes und ganz dickes Ausrufezeichen. Im Heimspiel gegen Mainz 05 schnappte er sich noch vor der Mittellinie den Ball und schwang sich zu einem überragenden Solo auf, an dessen Ende er den Ball zum 2:0-Endstand für die Borussia versenkte. "Ein supergeiles Gefühl, ein unvergesslicher Moment", beschrieb Reus später jenen Augenblick, der zu einem ersten Meilenstein in seiner Karriere wurde.

Fehleinschätzung

Reus kommt ursprünglich aus der Jugend von Post SV Dortmund, bevor er zum BVB wechselte. Dort waren seine fußballerische Qualitäten zwar unbestritten, doch wegen der mangelnden Physis ließ man ihn 2006 aus seiner Heimatstadt nach Ahlen ziehen. Der vermeintliche Rückschritt nach Ahlen (Foto) entpuppte sich schließlich als Karrierebeschleuniger. "Hätten wir da mal besser hingeschaut", kommentierte BVB-Sportdirektor Michael Zorc die im Nachhinein unglückliche Personalentscheidung...

Ahlen-Connection

Beim Zweitligisten Rot Weiss Ahlen blühte Reus auf: 27 Spiele bestritt er in der Saison 2008/09 in der westfälischen Provinz, nachdem er zuvor mit dem Club aus der 3. Liga aufgestiegen war. Vier Treffer erzielte der Mittelfeldmann, landete mit Ahlen auf einem guten zehnten Platz - und machte mit seinen schnellen Antritten die Gladbacher Späher auf sich aufmerksam. Bemerkenswert: An seiner Seite sorgte auch Kevin Großkreutz für Aufsehen, der anschließend nach Dortmund wechselte. Die beiden sahen sich ein Jahr später als Gegner wieder (Foto).

Reusicky

Marco Reus Lieblingsspieler aus Dortmunder Zeiten war Tomas Rosicky. "Ich habe ihn immer verfolgt. Er ist mein Vorbild. Ich mag die Art und Weise wie er spielt", gesteht der Gladbacher. Offenbar hat sich Reus einiges von seinem Vorbild abgeschaut. Rosickys Stärken - Tempo-Dribbling, Kreativität, gute Standards - sind auch die Vorzüge des 21-Jährigen. Da ist es naheliegend, dass ein Boulevardblatt den "Reusicky" erfand...

Pechvogel

Schon zwei Mal stand Reus auf dem Sprung in die Nationalmannschaft - und beide Male musste er kurzfristig absagen. Vor der WM machte ihm eine Oberschenkelverletzung zu schaffen, beim Dänemark-Spiel verzichtete Reus aufgrund eines grippalen Infekts. Dass aller guten Dinge drei sind, hofft der Gladbacher: "Es ist die Anerkennung für die Leistung, die man gebracht hat und es macht einen stolz, als möglicher kommender Nationalspieler gehandelt zu werden. Aber es ist auch Ansporn und Motivation, um sich weiter zu verbessern und sich den großen Traum zu erfüllen." Dann bleibt es bestimmt nicht beim Auftritt in der deutschen U 21 (Foto)...

Marin-Double

Zu Beginn der vergangenen Saison dachten einige, Marko Marins Zwillingsbruder sei aufgetaucht. Reus hatte die gleiche Trikotnummer, die gleiche Frisur - und wirbelte wie der nach Bremen abgewanderte Star. Auch die Worte von Borussia- Cheftrainer Michael Frontzeck hätten in die Marin-Zeit gepasst. "Er kann mit seiner Gewandtheit und seiner Ballsicherheit immer etwas Überraschendes machen", sagte der Gladbacher Trainer - und meinte seinen neuen Schützling.

Unverkäuflich

Mit seinen starken Auftritten hat Reus Begehrlichkeiten bei anderen Vereinen geweckt - die Gladbachs Sportdirektor Max Eberl jedoch abblockt. "Dante und Reus sind unverkäuflich. Wir sind nicht in der Situation, in der wir Spieler verkaufen müssen. Deshalb braucht niemand anzurufen." Die "Fohlen" wollen sich in den nächsten Jahren peu a peu steigern, um mittel- bis langfristig an die europäischen Fleischttöpfe zu gelangen. Im dritten Jahr der (wiedererlangten) Bundesligazugehörigkeit hat der Club eine wirtschaftliche Basis geschaffen, um keine Verkäufe tätigen zu müssen.

Vielseitig

Marco Reus hat sich in der Offensive nicht auf eine Position festgelegt. Meistens spielte er auf der rechten Seite, zum Ende der Saison allerdings auch zentral als zweite, hängende Spitze. "Beide Rollen passen. Wo ich letztlich spiele, ist die Entscheidung des Trainers", sagt er. Auch in der Defensive arbeitet der Youngster vorbildlich, läuft viele Bälle ab. "Er macht nach hinten immer aufmerksam mit", lobt Trainer Frontzeck.

Hausmannskost

Privat ist Reus sehr bodenständig. Mit der Glitzerwelt kann der Gladbacher Jungstar nicht viel anfangen. Schickimicki-Clubs sind ihm ebenso fremd wie Urlaub an Nobelorten. Statt der "Haute Cuisine" bevorzugt Reus "Kartoffelpüree mit Rotkohl und Gulasch" - am besten zubereitet von seiner Mutter. "Sie macht das ziemlich gut", lobt der Filius. Und auch die "Kartoffeln mit Spinat" kriegt Frau Reus gut hin, wie der Junior bestätigt. Einen Muskelzuwachs a la Popeye hat Reus vom Spinatessen offenbar nicht bekommen - doch das wird seiner vielversprechenden Karriere nicht schaden...

Zusammengestellt von Johannes Fischer