Dortmund - Zuspiel Piszczek, Flanke Blaszczykowski, Tor Lewandowski. Spätestens der 23. Spieltag gegen Hannover 96 war die Geburtsstunde von "Polonia Dortmund". Fragt man nach dem Erfolgsgeheimnis des Deutschen Meisters in dieser Saison, dann bilden die polnischen Nationalspieler einen ganz wichtigen Faktor.

Fünf von sechs Scorer-Punkten gingen an jenem 26. Februar beim 3:1-Sieg gegen Hannover auf das Konto von Robert Lewandowski, Jakub Blaszczykowski und Lukasz Piszczek. Das polnische BVB-Trio verdiente sich Bestnoten. Und das nicht nur in dieser Partie. Vor allem die fulminante Rückrunde der Dortmunder stand ganz im Zeichen der Polen-Power. Vor der Europameisterschaft im eigenen Land liefen die Nationalspieler zu Hochform auf. "Dass die Drei in einer ganz ordentlichen Verfassung sind, ist uns auch schon aufgefallen", gab Jürgen Klopp im Laufe der Rückserie mit breitem Grinsen zu Protokoll.

Piszczek - ein offensivstarker Verteidiger



Lukasz Piszczek avancierte in dieser Spielzeit sogar zum vielleicht besten Rechtsverteidiger der Bundesliga, was ihn selbst offenbar am meisten erstaunt: "Ich spiele die Rolle ja erst seit rund zweieinhalb Jahren." Als der 26-Jährige 2007 erstmals im Trikot von Hertha BSC auflief, agierte er noch im Sturm oder im Mittelfeld auf der linken Außenbahn. Erst Lucien Favre testete Piszczek 2009 als rechten Verteidiger - mit Erfolg.

Nach dem Wechsel zum BVB 2010 folgte dann unter Klopp die Leistungsexplosion. Lukasz Piszczek eroberte sich nicht nur einen Stammplatz im Meisterteam, sondern wurde zu einem der offensivstärksten Außenverteidiger der Liga. Sieben Vorlagen und erstmals auch vier eigene Treffer trug er bis zum 32. Spieltag und zur Titelverteidigung des Meisters bei.

Es spricht für seine Bescheidenheit, dass er selbst meint, "dass ich mich sicher in allen Bereichen noch verbessern kann." Für seinen Teamkollegen Robert Lewandowski hingegen ist Piszczek schon heute "ein Weltklassespieler". Und auch sein Trainer hat ihm so etwas wie einen Ritterschlag verliehen. Jürgen Klopp sieht "Pischu" auf einer Stufe mit Barcelonas Dani Alves - mindestens: "Alves ist auch permanent in Bewegung, immer in der Offensive - aber er ist defensiv nicht so stark."

Dortmund als Stütze für Polens Nationalmannschaft



Auch in der polnischen Nationalmannschaft ist Piszczek gesetzt - wie auch seine beiden Dortmunder Kollegen Lewandowski und Blaszczykowski. Polens Nationaltrainer Franciszek Smuda hat Borussia Dortmund nicht zufällig als seine wichtigste Mannschaft bezeichnet. Mit den Stützen des BVB will Polen bei der Europameisterschaft im eigenen Land eine herausragende Rolle spielen. "Wir sind sicher keine Spitzenmannschaft wie Deutschland oder Spanien, aber die Stimmung wird fantastisch sein und wir werden eine gute EM spielen", ist Jakub Blaszczykowski überzeugt.

"Kuba", wie er in Dortmund nur genannt wird, wird die Polen dabei als Kapitän aufs Feld führen. Er genießt das volle Vertrauen Smudas, "weil ich für Polen auch immer Tore vorbereitet und geschossen habe", wie der 26-Jährige anmerkt. Beim BVB war das nicht immer der Fall. Und nicht wenige hatten den 1,75 Meter kleinen, dribbelstarken Polen gar nicht mehr auf der Rechnung, nachdem er seinem Ärger über das Reservistendasein im Winter auch verbal Luft gemacht hatte.

Blaszczykowski nutzt seine Chance



Doch nach der Verletzung von Mario Götze setzte Klopp komplett auf "Kuba" - und der spielte seine beste Halbserie, seit er 2007 zur Borussia gewechselt war. Vier Tore erzielte der Pole in der Rückrunde für den BVB, dazu stehen für ihn insgesamt zehn Vorlagen zu Buche. Zugute kommt ihm dabei das Zusammenspiel mit Landsmann Piszczek auf der rechten Seite: "Wir verstehe uns fast blind, das hilft natürlich ungemein."

So effektiv wie in dieser Saison war Blaszczykowski noch nie, seit er das schwarz-gelbe Trikot trägt. "Ich habe meine Chance bekommen und sie genutzt", erklärt "Kuba" selbstbewusst, "aber ich kann auch noch besser spielen."

Ein kompletter Stürmer



Letzteres sagt auch der Jüngste der Polen-Connection über sich selbst: Robert Lewandowski. Dabei gibt es nicht wenige Beobachter, die es eher mit TV-Experte Marcel Reif halten. Für ihn ist der 23-Jährige schlicht "einer der komplettesten und damit besten Angreifer in Europa".

Dabei war Lewandowski in seinem ersten Dortmund-Jahr noch als "Chancentod" verschrien und musste sich hinter Lucas Barrios mit der Joker-Rolle begnügen. Allerdings brachte er es auch so schon auf acht Treffer. In dieser Saison aber ist "Lewangoalski" explodiert. Mit 20 Toren ist er bis zum 32. Spieltag der treffsicherste Stürmer des BVB seit Stephane Chapuisat in der Saison 1991/92. Dazu glänzt er auch als Teamplayer, was sich nicht zuletzt in acht Vorlagen ausdrückt.

Lewandowski ist laufstark, technisch versiert und ballsicher. "Er bringt einfach alles mit, was ein Stürmer braucht", lobt Jürgen Klopp. Seinen Körper setzt der Pole nahezu perfekt ein und ist quasi immer anspielbar - ein spielender Torjäger moderner Prägung. Gegen die Bayern machte Polens Fußballer des Jahres mit seinem Hacken-Tor sein persönliches Meisterstück - und bescherte "Polonia Dortmund" damit zugleich zum zweiten Mal in Folge die Schale.

Dietmar Nolte