Der ausgebildete Gesetzeshüter Dieter Hecking triumphiert mit dem 1. FC Nürnberg beim direkten Konkurrenten Hannover und feierte nach sechs Partien ohne Erfolg den ersten "Dreier". Vor allem für den dreifachen Torschützen Albert Bunjaku war es ein gelungener Samstagnachmittag - neun der 16 Saisontore der Franken gehen auf das Konto des 26-jährigen Stürmers.

Hecking, Ex-Trainer der Niedersachsen und aktueller Coach in Nürnberg, war mit der Vorstellung seiner Akteure beim 3:1-Erfolg mehr als zufrieden: "Ich muss meiner Mannschaft ein richtig großes Kompliment machen. Sie hat alles umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben: Schnell nach vorne und kompakt zu spielen, aber auch das eine oder andere spielerische Element mehr rein zu nehmen."

"Wir sind jetzt dran"

Ein Sonderlob vom 45-jährigen Coach erspielte sich Mittelfeldspieler Marek Mintal. Nicht nur dank seiner für einen Offensivspieler guten Zweikampfwerte - immerhin gewann der Slowake 55 Prozent seiner Duelle am Ball -, sondern vor allem durch seinen Assist zum enorm bedeutenden 1:0: "Heute war auch wichtig, dass wir von unserem System abgegangen sind und mit Marek einen Mann hinter den Spitzen gebracht haben. Das ist voll aufgegangen."

Bei seiner Heimspielpremiere musste auch Hannovers neuer Trainer, Mirko Slomka, neidlos anerkennen, dass "der Sieg der Nürnberger absolut verdient war. Das ist für uns alle eine große Enttäuschung. Wir haben Nürnberg stark gemacht. Nach dem Rückstand ist meine Mannschaft regelrecht zusammengesackt."

Fußballlehrer Hecking freute sich über den Befreiungsschlag, der Nürnberger Abstand auf Hannover und den Relegationsplatz 16 beträgt jetzt nur noch einen Zähler: "Wir sind heilfroh, dass wir drei Punkte mitgenommen haben. Dieser Sieg gibt uns alle Möglichkeiten für die kommenden Wochen. Wir sind jetzt dran. Nun gilt es, dort weiterzumachen."

Tavares feiert ein starkes Debüt

Vor allem die drei Neuzugänge tragen mit dazu bei, dass die Defensive der Franken deutlich sicherer steht als in der Hinrunde. Auf Leihbasis kamen die beiden Münchner Breno und Andras Ottl sowie der Hamburger Mickael Tavares. Alle drei standen gegen Hannover in der Startelf und verliehen dem zuvor anfälligen "Club" die erhoffte Stabilität.

Breno machte ein starkes Spiel in der Innenverteidigung, entschied 80 Prozent seiner Zweikämpfe für sich und brachte immerhin 36 seiner 48 Pässe zum Mitspieler. Tavares und Ottl bildeten zum ersten Mal gemeinsam die Nürnberger "Doppel-Sechs" und ließen den Gastgebern aus Hannover nur wenig Gelegenheiten zum Torabschluss. Der 24-jährige Ottl gewann ebenfalls 80 Prozent seiner Duelle um den Ball und kam sogar zwei Mal selbst zum Torschuss. Die drittmeisten Ballkontake bei den Franken hatte der Franzose Tavares in seiner Premierenpartie, zudem kamen 83 Prozent seiner Pässe bei einem Teamkollegen an. Ein mehr als gelungener Einstand!

Die anfällige "Club"-Defensive kommt gestärkt aus der Winterpause

Dementsprechend groß fiel anschließend auch die Anerkennung durch Chef-Coach Hecking aus, für den der erste Sieg als FCN-Coach gegen seinen ehemaligen Verein ein ganz besonderer gewesen sein dürfte: "An ihnen können sich die anderen Spieler aufrichten." In den letzten vier Partien der Hinrunde kassierten die Franken im Schnitt drei Gegentore pro Spiel, in den bisherigen Duellen der Rückrunde mussten die Nürnberger nur noch jeweils einen Treffer hinnehmen.

Trotzdem verlor das Team auch zum Rückrundenauftakt und damit der ersten Partie unter dem neuen Trainer Hecking. Zudem blieben die Nürnberger bei der 0:1-Schlappe auf Schalke erneut - trotz einiger guter Gelegenheiten - ohne ein eigenes Tor.

Dann stellte sich jedoch Besserung ein: Im Heimspiel gegen Frankfurt wurde nicht nur der erste Treffer, sondern ebenfalls der erste Punkt unter Hecking bejubelt. Und nun folgte also mit dem 3:1-Erfolg in Hannover der zweite Auswärtssieg der laufenden Saison. Dementprechend groß war auch die Freude bei "Club"-Stürmer Angelos Charisteas: "Wir haben drei sehr gute Spiele in der Rückrunde abgeliefert und heute haben wir uns endlich mit drei Punkten belohnt."

96 mittlerweile neun Mal in Folge sieglos

Hannover ist dagegen unter dem neuen Trainer Slomka noch ohne Punkte, mittlerweile sind in den Statistiken fünf Niederlagen in Folge aufgeführt und sogar schon neun Partien ohne Sieg. Mittelfeldspieler Jan Rosenthal erklärte nach der Partie, warum es bei den Niedersachsen im Moment nicht läuft: "Die Unsicherheit ist einfach da und bei jedem kleinsten Fehlpass wird sie größer. Wir treffen auf dem Platz einfach viele falsche Entscheidungen. Sobald irgendetwas bei uns nicht läuft, hat der Gegner uns in der Tasche."

Slomka sieht bei seinem neuen Team vor allem ein Offensivproblem: "Es ist offensichtlich, dass wir vorne nichts mehr reinbringen. Wir haben zu wenige Möglichkeiten, Frische in den Sturm zu bringen und von außen Unterstützung zu geben. Wir haben keinen Stürmer mehr auf der Bank, deswegen bleiben uns die Hände gebunden."

Der 42-Jährige appellierte daher an den Teamgedanken: "Wir müssen eine Mannschaft auf dem Platz haben, die dem Abstiegskampf standhalten kann." Am nächsten Samstag reist Hannover nach Hoffenheim und Slomka wird sehen, ob die Hebel an den richtigen Stellen angesetzt wurden.

Sebastian Bisch