Warschau - Ein Traumtor von Jakub Blaszczykowski lässt EM-Gastgeber Polen weiter auf den Viertelfinal-Einzug hoffen. Der Dortmunder Flügelspieler rettete seiner Mannschaft im brisanten Duell mit dem Erzrivalen Russland im zweiten Gruppenspiel ein 1:1 (0:1) - und dennoch steht Polen gegen Tschechien am Samstag in Breslau mit dem Rücken zur Wand. Ein Sieg: K.o.-Runde, kein Sieg: das Aus. Russland reicht schon ein Unentschieden gegen Griechenland für den Einzug in die Runde der letzten Acht.

"Kuba" war nach dem Abpfiff entsprechend erleichtert. "Das war ein sehr wichtiges Tor für uns heute. Wir sind weiter drin und wollen den nächsten Schritt machen. Und ich weiß, dass wir das auch schaffen", sagte der Kapitän: "Gegen Tschechien, das wird ein kleines Finale für uns." Mit der Unterstützung der fantastischen Fans sei "alles möglich".

Schiri Stark stets auf Ballhöhe



Die Polen haben ihr Schicksal nach Blaszczykowskis stürmisch umjubeltem Ausgleichstreffer (57.) selbst in der Hand. "Kuba" fasste sich in einer teils turbulenten zweiten Halbzeit aus 18 Metern nach Zuspiel von Lukasz Piszczek ein Herz - eine Dortmunder Co-Produktion. Alan Dsagojew (37.) hatte Russland mit seinem dritten Treffer bei der EM in Führung gebracht. Hätte sie Bestand gehabt, wäre die Sbornaja bereits durch gewesen.

Als nach Ausschreitungen in der Stadt und vor dem Stadion schließlich Fußball gespielt wurde, war die russische Auswahl überlegen, Polens "Bialo-Czerwoni" (die Weiß-Roten) hatten aber die besseren Chancen. Der künftige Stuttgarter Sebastian Boenisch lenkte den Ball nach einer Flanke von Ludovic Obraniak aus kurzer Distanz mit dem linken Knie Richtung Tor - Russlands Torhüter Wjatscheslaw Malafejew parierte (7.). Vier Minuten später schloss Robert Lewandowski von Borussia Dortmund aus 20 Metern ab, sein Schuss verfehlte den Winkel des russischen Tores knapp.

Auch Stark war in einem heißblütigen Duell gefordert - und stets auf Ballhöhe. Er musste eine knifflige Situation bewerten, als Damien Perquis im eigenen Strafraum rustikal zu Werke ging; seine Entscheidung, keinen Elfmeter zu geben, war vertretbar. Definitiv korrekt war, Abseits anzuzeigen, als Eugen Polanski (FSV Mainz 05) ins russische Tor getroffen hatte (18.).

beide TEams spielen auf Sieg



Robert Lewandowski hatte es schwer, seine Gegenspieler waren keineswegs zimperlich. Sergej Ignaschewitsch und Alexej Beresuzki gingen sofort auf die Knochen, sie waren nicht willens, dem Dortmunder Star-Torjäger auch nur einen Quadratzentimeter Raum zu geben.

Die Polen waren da weniger achtsam: Dsagojew verlängerte eine Flanke von Andrej Arschawin mit der rechten Schulter ungehindert ins Tor. Das stachelte die Polen an, die fortan schwungvoll nach vorne spielten, dabei aber auch ihre Abwehr entblößten. Leidenschaftlich, bisweilen auch ungestüm rannte Polen auch nach dem Ausgleich an - Malafejew rettete klasse gegen Polanski (68.). Russland wirkte kontrollierter, lauerte in mitreißender Atmosphäre auf den Knockout - vergeblich.


Polen:

Tyton - Piszczek, Wasilewski, Perquis, Boenisch - Dudka (73. Mierzejewski), Polanski (85. Matuszczyk) - Blaszczykowski, Murawski, Obraniak (90.+3 Brozek) - Lewandowski

Russland:

Malafejew - Anjukow, Beresuzki, Ignaschewitsch,
Schirkow - Schirokow, Denisow, Syrjanow - Dsagojew (79. Ismailow),
Kerschakow (70. Pawljutschenko), Arschawin

Schiedsrichter:

Wolfgang Stark (Ergolding)

Zuschauer:

56.070 (ausverkauft)

Tore:

0:1 Dsagojew (37.), 1:1 Blaszczykowski (57.)

Gelbe Karten:

Lewandowski, Polanski - Denisow, Dsagojew

Erweiterte Statistik :


Torschüsse: 15:13
Ecken: 4:6
Ballbesitz: 42:58 Prozent