Gdansk - Lukas Podolski ist in Bestform. Er lacht, er reißt Witze, er spielt mit seinem "Publikum" gekonnt Doppelpass. Dass es derzeit auf dem Platz nicht so gut läuft und am Sonntag sogar das große Hunderter-Jubiläum in Gefahr sein könnte, davon ist nichts zu spüren. "Poldi" fühlt sich "einfach sauwohl", wie er mit einem breiten Grinsen betont.

Wäre die deutsche Nationalmannschaft ein Klub, fügt er schelmisch an, "dann wäre es so ein Klub wie der FC", wie sein geliebter 1. FC Köln. Er meint nicht sportliche Seite, Köln ist ja abgestiegen, vielmehr "die tolle Atmosphäre hier. Die Nationalmannschaft ist mir ans Herzen gewachsen. Ich bin stolz und froh, wenn ich den Adler auf der Brust habe."

Die "Kaiser"-Marke erreichen



Am Sonntag im abschließenden EM-Gruppenspiel gegen Dänemark könnte dies zum 100. Mal der Fall sein, auch wenn selbst Assistent Hansi Flick dem 27-Jährigen am Freitag keinen Freibrief ausstellen wollte. "Er wird die 100 vollbekommen. Ob es bei diesem Spiel sein wird, warten wir ab", sagte Flick vieldeutig.

An "Prinz Poldi" scheinen die Diskussionen nach zuletzt mäßigen Leistungen jedoch weitgehend abzuprallen. Natürlich spüre er den Druck, den junge Spieler wie Andre Schürrle oder Marco Reus ausüben, aber Sorgen? Die habe er gewiss nicht. Er werde die 100, aber auch die Marke von Franz Beckenbauer noch bei der EM erreichen, "da bin ich sehr optimistisch". Der "Kaiser" hat 103 Länderspiele - Podolski und das DFB-Team stünden in diesem Fall am 1. Juli im EM-Finale.

Seit 2004 in der Nationalelf



Der Junge aus Bergheim, dessen DFB-Karriere am 6. Juni 2004 startete, wird dann der erste Spieler in Europa sein, der dem legendären Hunderter-Klub schon im zarten Alter von 27 Jahren beitritt. Auch die 150 Einsätze von Rekordnationalspieler Lothar Matthäus sind keine Utopie mehr. Zwar wären solche Zahlen schon "ein Traum" und würden ihn mit "einem gewissen Stolz" erfüllen, "doch es gibt nach dem Fußball 1000 wichtigere Dinge als solche Statistiken", behauptet Podolski.

Noch hat der kölsche Prinz aber einige Jahre im Fußball vor sich. Die nächsten vier Jahre davon beim FC Arsenal, dem er sich ab 1. Juli anschließt. Diesmal mit dem festen Vorsatz, auch außerhalb seiner geliebten Heimatstadt für Furore zu sorgen. Beim FC Bayern war er bei diesem Versuch 2006 gescheitert, obwohl er damals als gefeierter WM-Held in München Einzug gehalten hatte.

Ob er auch nach der EM 2012 einen derart bleibenden Eindruck hinterlassen haben wird, ist momentan eher fraglich. Gegen Portugal und die Niederlande agierte Podolski unter Form. Zwar stellte Bundestrainer Joachim Löw heraus, dass der Mittelfeldspieler seine defensiven Aufgaben sehr gut gelöst habe und er deshalb auch zufrieden sei - aber gelungene Aktionen nach vorne? Fehlanzeige!

Selbstkristischer Podolski



Dass deshalb mehr kommen muss, weiß Podolski. Zumal er letztmals im September 2011 beim 6:2 gegen Österreich im DFB-Trikot getroffen hat: "Dass ich von mir in der Offensive mehr erwarte, ist klar. Ich muss mehr zum Abschluss kommen, keine Frage."

Dieser starke Abschluss, dieser linke "Hammer", die Unbekümmertheit bei seinen Offensivaktionen zeichneten ihn über Jahre aus. In 99 Länderspielen traf er immerhin 43 Mal. Das erste davon erzielte er am 21. Dezember 2004 beim 5:1 in Thailand.

Dieser Treffer sei ebenso "hängengeblieben", sagt er, ebenso das Debüt gegen Ungarn in Kaiserslautern, "als ich nach 60 oder 70 Minuten reingekommen bin". Genau genommen war es in der 74. Minute, als er damals Fredi Bobic ersetzte. Als "sehr emotional" schilderte Podolski aber auch die beiden Treffer bei der EM 2008 beim 2:0 gegen sein Geburtsland Polen.

"Es fehlt nur ein Titel"



Überhaupt machte Poldi am Freitag noch ein Mal seine besondere Beziehung zu Polen deutlich. Er verfolge die Auftritte der Polen, "das liegt mir am Herzen". Deswegen wünscht er sich auch nichts sehnlicher als ein mögliches Viertelfinale gegen die "Bialo-Czerwoni": "Dann ist für Polen aber Endstation."

Für Podolski DFB-Karriere gilt das noch lange nicht: "Seit dem ersten Tag habe ich Spaß. Ich hoffe, dass das noch ein paar Jahre weitergeht." Und er hofft, sich endlich seinen großen Traum zu erfüllen: "Es fehlt eigentlich nur ein Titel."