Sinsheim - Eigentlich hat sich Eugen Polanski den Ball in dieser 63. Minute ein bisschen zu weit vorgelegt. Aber vielleicht ist das der Grund, warum der Mittelfeldspieler dann mit Anlauf und voller Wucht die Kugel mit seinem linken Fuß aus 25 Metern ins Tor von Hannover 96 hämmert.

Es war das 3:2 kurz nach dem 2:2-Ausgleich für Hannover 96 beim 4:3-Sieg der TSG 1899 Hoffenheim. "Das war ein goldrichtiger Zeitpunkt für das erneute Führungstor", freute sich Polanski. Am Ende stand ein ganz wichtiger Sieg, die TSG ist nach zuvor drei Niederlagen in Serie wieder in der Erfolgsspur, und steht jetzt einen Punkt vor den unterlegenen Niedersachsen auf Rang 7 der Tabelle.

14 Gegentreffer in vier Spielen

Die Erleichterung war riesig in Hoffenheim. Doch nach nur sieben Gegentoren in den ersten neun Ligaspielen stehen nach 13 Spielen nun 21 in der Statistik - 14 Gegentreffer in den vier vergangenen Begegnungen erinnern an die Torflut, die die TSG in der vergangenen Saison erlebt hat.

"Wir bekommen einfach zu viele leichte Gegentreffer", beklagt auch Polanski. Der 28 Jahre alte Routinier ist ein Fixpunkt in der Mannschaft von Trainer Markus Gisdol. Auch am Samstag war er im defensiven Mittelfeld zusammen mit Pirmin Schwegler einer der stärksten Hoffenheimer.

Spannend wurde es ja vor allem deshalb immer wieder, weil an diesem Tag TSG-Torwart Oliver Baumann einen schlechten Tag erwischt hatte. Baumann wirkt nach starkem Saisonstart derzeit verunsichert. Gegen 96 zögerte er beim 1:2 kurz vor dem Pausenpfiff beim Verlassen seines Torraumes fatal, und das 3:4 (86.) leitete er mit einem verunglückten Abwurf zum Gegner ein. "Die zwei Dinger haue ich mir ja selbst rein", beschönigte Baumann nichts. Trainer Markus Gisdol stärkte seinen Torwart danach aber demonstrativ.

"Es muss nicht immer so spannend sein"

Polanski bemängelte aber den 2:2-Ausgleich, bei dem die ganze Mannschaft nicht aggressiv genug verteidigte. "Mit einem einfachen Doppelpass wird da die ganze Mannschaft ausgespielt, das kann nicht sein", sagt der Pole und fordert für die Zukunft: "Es kann nicht sein, dass wir vier Tore schießen müssen, um mit einem Tor Unterschied zu gewinnen." Nach dem späten Anschlusstreffer zum 3:4 zitterte die TSG den Erfolg nur noch über die Zeit.

"Es muss nicht immer so spannend sein", stöhnt Polanski und findet es trotz des Sieges "schade", dass sich die Mannschaft nicht für ihren großen Aufwand entsprechend belohne. Irgendwie scheint der TSG die Balance zwischen Offensive und Defensive in den letzten Wochen verloren gegangen sein. Polanski findet, es seien nur Details, die fehlten. Aber: Die Mannschaft spiele auch nach vorne wieder besser und zwingender als zu Beginn der Saison.

Team hat Moral bewiesen

Das hat auch mit der Leistungssteigerung von Kevin Volland zu tun, der gegen Hannover einmal traf und zwei Mal vorbereitete. Dass die Mannschaft zu viele Gegentore bekomme, sagt auch Trainer Gisdol. Aber der ist zuversichtlich, dass seine Elf wieder stabiler auftreten wird: "Schließlich hat meine Mannschaft schon gezeigt, dass sie stabil spielen kann in dieser Saison." Eine Diskussion über zu viele Gegentore wie in der vergangenen Saison (Torverhältnis nach 34 Spieltagen: 72:70) will der Trainer nicht führen.

Und Polanski, der einsatzfreudige Anführer, der von Trainer Gisdol als "Stütze der Mannschaft" bezeichnet wird, wollte nach den gewonnen drei Punkten gegen Hannover nicht alles schlecht reden. Nach dem 2:2 habe die Elf Charakter und Moral bewiesen, erklärte der Mann, der aus der polnischen Nationalmannschaft zurückgetreten ist. Vor allem das, aber auch die schon gezeigten guten Defensivleistungen in dieser Runde, gäben nach dem wichtigen Sieg Selbstvertrauen für die schwere Aufgabe am kommenden Freitag in Dortmund. Es sei klar, dass Dortmund zuhause mit aller Macht gewinnen wolle, sagt Polanski: "Aber wir brauchen uns nicht zu verstecken."

Aus Sinsheim berichtet Tobias Schächter