Klaus Fischer ist zwar in Bayern geboren, sein Herz schlägt aber für den FC Schalke 04. 295 Bundesliga-Spiele absolvierte er für die "Königsblauen" und schoss dabei 182 Tore.

Fischer stürmte in der Bundesliga auch noch für den TSV 1860 München, den 1. FC Köln und den VfL Bochum. In 45 Länderspielen für Deutschland traf er 32 Mal.

Vor dem Spitzenspiel des FC Schalke 04 gegen den FC Bayern München (So., ab 17 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) sprach er mit bundesliga.de über die Situation bei den beiden Kontrahenten, die Überraschungen in der Bundesliga und die Stürmer in der Nationalmannschaft.

bundesliga.de: Herr Fischer, wer gewinnt das Spitzenspiel am Sonntag?

Fischer: Schalke 04 natürlich. Das ist doch gar keine Frage.

bundesliga.de: Warum?

Klaus Fischer: Es wird ein ganz offenes Spiel, keine Frage. Aber die Bayern sind in dieser Saison vor allem in der Defensive anfällig. Torwart Michael Rensing ist ein Schwachpunkt. Vor allem bei Standardsituationen strahlt er keine Sicherheit aus. Die Schalker müssen lauffreudig sein und eine gesunde Aggressivität an den Tag legen. Wichtig ist natürlich auch, Franck Ribery in den Griff zu kriegen. Die ersten Spieltage haben ja gezeigt, dass Bayerns Gegner fast durch die Bank sehr viele Torchancen hatten. Das ist unsere Chance.

bundesliga.de: Schalke hat sich nach einem leichten Durchhänger jetzt wieder gefangen. Was haben die "Königsblauen" verbessert?

Fischer: Wir stehen von Haus aus sehr gut in der Defensive. Aber mir ist aufgefallen, dass wir jetzt schnell nach vorne spielen. In der Vergangenheit wurde immer ein Rückpass gespielt, und noch ein Rückpass, und noch einer… Jetzt bewegen sich unsere Spieler viel besser und schneller nach vorne und nur dann können auch die Pässe in die Tiefe gespielt werden.

bundesliga.de: Schnell und offensiv spielt auch 1899 Hoffenheim. Ist der Aufsteiger auch für Sie die Überraschung in dieser Saison?

Fischer: Ja, natürlich. Dass sie als Aufsteiger die Tabelle anführen, damit hätte wohl keiner gerechnet. Mich überrascht aber auch, dass die Bayern noch nicht ganz vorne in der Tabelle stehen. Schließlich haben sie in der vergangenen Spielzeit mit dem gleichen Team souverän die Meisterschaft geholt.

bundesliga.de: Spricht das für die Leistungsdichte in der Bundesliga?

Fischer: In der Vergangenheit hat sich nach wenigen Spieltagen immer schon eine Handvoll Mannschaften herauskristallisiert, die um die Meisterschaft spielt. Dahinter wurden dann nur noch die weiteren Plätze ausgespielt. Das ist in dieser Saison anders.

bundesliga.de: Sind die Hoffenheimer reif für den ganz großen Coup?

Fischer: Man muss sie als Meisterschaftsanwärter ernst nehmen. Sie spielen einen sehr schnellen, offensiven Fußball und haben auch das Spielermaterial dafür. Dabei bleibt aber abzuwarten, wie sie es auffangen, wenn sie mal ein, zwei Spiele hintereinander verlieren. Wie reagieren sie, wenn richtig Druck auf sie ausgeübt wird? Im Moment ist die Leistung aber einfach nur beeindruckend.

bundesliga.de: Wie beurteilen Sie die Leistung von Hoffenheims Vedad Ibisevic, der die Torjägerliste souverän anführt?

Fischer: Das ist unglaublich. 13 Tore in elf Spielen: Das ist eine sensationelle Quote. Er fackelt nicht lange. Aber das ist auch ein Verdienst seiner Mitspieler, die ihm die Bälle mustergültig auflegen. Keiner ist egoistisch, sondern spielt dem besser postierten Spieler den Ball zu.

bundesliga.de: In der Nationalelf dagegen gab es zuletzt einigen Hickhack um die Stürmer. Wie beurteilen Sie die Leistungen von Miroslav Klose, Patrick Helmes, Mario Gomez und Lukas Podolski?

Fischer: Die Reihenfolge, die Sie gewählt haben, ist schon nicht schlecht. Nur fehlt vor Podolski noch der Name Stefan Kießling. Ich bin kein Fan von Lukas Podolski als Stürmer. Denn er hat es überhaupt nicht gerne, wenn er mit dem Rücken zum Tor steht.

bundesliga.de: Genau wie Lukas Podolski sind auch Sie beim 1. FC Köln auf Torejagd gegangen. Was sagen Sie zum FC und auch zu einem weiteren Ihrer Ex-Clubs, dem VfL Bochum?

Fischer: Dass der FC als Aufsteiger so gut in der Tabelle steht, das hätte ich nicht erwartet. Der VfL Bochum liegt hingegen momentan noch etwas zurück, aber die fangen sich auch wieder. Die Mannschaft ist stärker, als es der jetzige Tabellenplatz ausdrückt.

Das Gespräch führte Michael Reis