München - Nach drei Spielen ohne Sieg hat Werder Bremen am vergangenen Wochenende wieder einen "Dreier" gelandet und sich wieder in die Verfolgergruppe von Bayern München eingereiht. Am Samstag treten die Hanseaten gegen den 1. FC Köln an, der nur vier Punkte weniger auf dem Konto hat als Werder.

Für beide Vereine stürmte vor rund 20 Jahren Frank Ordenewitz. Der zweimalige Nationalspieler, Deutscher Meister von 1988 und heutige Werder-Chefscout spricht im exklusiven Interview mit bundesliga.de über das Duell und erinnert sich an spannende Begebenheiten.

bundesliga.de: Herr Ordenewitz, am Samstag treffen Ihre beiden ehemaligen Clubs Werder Bremen und der 1. FC Köln aufeinander. Was für ein Spiel erwarten Sie?

Frank Ordenewitz: Ich freue mich auf das Spiel und erwarte wie zumeist in den letzten Jahren eine enge Partie. Werder muss den FC unter Druck setzen und Lukas Podolski ausschalten. Wenn man "Poldi" aus dem Spiel nimmt, ist Köln nicht so stark. Aber manchmal reichen Lukas fünf starke Minuten, um ein Spiel zu entscheiden. Da muss Werder aufpassen. Auch wenn die Kölner in den letzten Auswärtsspielen klare Niederlagen kassierte, sind sie nicht zu unterschätzen.

bundesliga.de: Werder Bremen spielt in dieser Saison eine viel bessere Rolle als im Vorjahr. Worauf führen Sie das zurück?

Ordenewitz: Die entscheidenden Leute, Thomas Schaaf und Klaus Allofs, sind ruhig geblieben, verfolgen eine klare Linie und haben bei den Neuverpflichtungen mehr Glück gehabt als im letzten Jahr. Es ist sicher auch ein Vorteil, dass es in Bremen auch vergleichsweise ruhig bleibt und im Vergleich zu Großstädten wie München, Köln oder Hamburg beschaulich zugeht. Wir Norddeutschen sind halt so. Das Gegenteil habe ich in Köln erlebt. Da geht es viel extremer zu, da werden die Geschichten ausgeschlachtet. Ich freue mich, dass Werder wieder so erfolgreich spielt.

bundesliga.de: Täuscht der Eindruck, oder steht und fällt der Erfolg von Werder Bremen mit der Treffsicherheit von Claudio Pizarro?

Ordenewitz: Alles an ihm festzumachen, wäre zwar nicht richtig. Da würde man den anderen Spielern unrecht tun. Aber in Bremen hängt der sportliche Erfolg schon von Claudio Pizarro ab. Er ist schon sehr wichtig für die Mannschaft, das merkt man vor allem, wenn er einmal wegen einer Verletzung fehlt.

bundesliga.de: Gilt das auch für Lukas Podolski beim 1. FC Köln?

Ordenewitz: Ja, in Köln verhält es sich mit Lukas Podolski ähnlich. Da ist es noch extremer. "Poldi" passt einfach zum FC, er gehört zu Köln wie der Dom. Ich bin mir nicht sicher, ob er auch woanders einen solchen Stellenwert erreichen könnte. Das hat man bei seinem Gastspiel in München gesehen. Er ist so etwas wie der König von Köln. Ich würde ihm raten, seinen Vertrag dort zu verlängern.

bundesliga.de: Wie beurteilen Sie aus der Ferne den neuen Kölner Trainer Stale Solbakken?

Ordenewitz: Ich war gespannt darauf, wie Stale Solbakken in Köln zurecht kommen würde. Ich habe einige Spiele seiner Kopenhagener Mannschaft gesehen. Die Spielweise hat mir gut gefallen. In Köln hat er sich mit einigen Entscheidungen anfangs selbst das Leben schwer gemacht. Aber inzwischen weiß er, wie der Hase läuft. Ich glaube, er wird sich dort etablieren.

bundesliga.de: Mit der Partie Bremen gegen Köln verbinden Sie auch ganz persönlich einige Erinnerungen.

Ordenewitz: Das stimmt. Im Jahr 1988 spielte ich mit Werder in Köln. Mir wurde ein Ball im Strafraum an die Hand geschossen. Der damalige Schiedsrichter Manfred Neuner entschied auf Eckball. Die Kölner protestierten. Da fragte mich der Referee, ob ich Hand gespielt habe. Ich gab es zu, Neuner gab Elfmeter. Für diese Aktion bekam ich den FIFA Fairplay Award. Ich muss aber ehrlich sagen, dass wir damals schon als Meister feststanden, wir gefeiert und ein Wässerchen intus hatten. Ich weiß nicht, wie ich entschieden hätte, wenn es noch um den Titel gegangen wäre.

bundesliga.de: Und auch das berühmte "Mach et, Otze" hängt indirekt mit Bremen gegen Köln zusammen.

Ordenewitz: Das ist die andere Geschichte, die immer mit mir verbunden bleiben wird. Der Ausspruch "Mach et, Otze" des damaligen Kölner Trainers Erich Rutemöller. Im Pokalhalbfinale 1991 gegen Duisburg habe ich mir mit Erlaubnis des Trainers durch Ballwegschlagen eine zweite gelbe Karte und damit einen Platzverweis abgeholt. Dadurch wäre ich eigentlich im Endspiel spielberechtigt gewesen, weil ich die Sperre in der Bundesliga hätte absitzen dürfen. Der DFB entschied dann anders. Ich verpasste das Endspiel. Die Paarung lautete: Werder Bremen gegen den 1. FC Köln.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski