Der Zufall wollte es, dass genau dort, wo meine eigene Laufbahn in der Bundesliga begonnen hatte, die Karriere eines ganz Großen der Bundesliga und des Fußballs überhaupt zu Ende ging.

Mit Gerd Müller hatte ich mich im Frankfurter Waldstadion und bei den Spielen gegen seinen FC Bayern in München seit meinem Debüt mit 17 Jahren am 14. Oktober 1972 immer wieder gemessen.

Letzter Auftritt in Deutschland

Doch am 3. Februar 1979 kam es zum plötzlichen Abschied dieses einzigartigen Mittelstürmers. Wir führten mit der Eintracht 2:0, als Gerd Müller von Bayern-Trainer Pal Csernai in der 82. Minute vom Platz genommen wurde und für ihn Norbert Janzon kam. Wenig später wurde übrigens auch Martin Jol eingewechselt, Ex-Coach des Hamburger SV, anstelle von Kurt Niedermayer.

Die Münchner kamen zwar noch zum Anschlusstreffer durch Karl-Heinz Rummenigge, die Punkte blieben aber in Frankfurt. Es war Gerd Müllers 427. Bundesliga-Spiel seit dem Aufstieg des FC Bayern im Jahr 1965 gewesen. Nie mehr lief er danach in Deutschland zu einem Pflichtspiel auf. Die Auswechslung durch den Ungarn Csernai, der später auch in Frankfurt Trainer wurde, hatte Müller schwer getroffen.

Nur wenige Tage später bat er die Verantwortlichen in München um die Auflösung seines Vertrags. Der eigentlich so Bodenständige aus Nördlingen wanderte aus: zu den Fort Lauderdale Strikers nach Florida in die US-Profiliga, in der auch andere Fußballlegenden wie Franz Beckenbauer und Pelé engagiert waren.

Unzählige Erfolge

Spätestens durch die Auszeichnung zum besten Spieler aller Zeiten in der Bundesliga zu deren 40-jährigem Jubiläum im Sommer 2003 wurde noch einmal ins Gedächtnis zurückgeholt, welche famosen Leistungen Gerd Müller auf dem Fußballplatz vollbracht hat. Völlig zu Recht war er 1983 auch mit einem offiziellen Abschiedsspiel im Münchner Olympiastadion geehrt worden.

Stets konnte seine grandiose sportliche Bilanz nur in Auszügen wiedergegeben werden - zu lang ist die Liste seiner vielen Erfolge: Weltmeister 1974, Europameister 1972, WM- und EM-Torschützenkönig, Europas Fußballer des Jahres 1970, Fußballer des Jahres in Deutschland 1967 und 1969, Weltpokalsieger 1976, Europapokal der Landesmeister 1974, 1975, 1976 und der Pokalsieger 1967, je vier Mal Deutscher Meister und DFB-Pokalsieger - und: gleich sieben Mal bester Torschütze in einer Bundesliga-Saison. Obwohl ich selbst bei unseren direkten Aufeinandertreffen oft recht gut gegen ihn ausgesehen habe, war Gerd Müller für die Vorstopper eigentlich ein Schreckgespenst im Strafraum.

Tore, Tore, Tore

Vor allem durch seine kurzen Drehungen verschaffte er sich immer wieder den entscheidenden Vorteil gegenüber seinen Bewachern: Sage und schreibe 365 Tore hat Gerd Müller in der Bundesliga erzielt, das letzte davon am 18. November 1978 bei der 1:2-Niederlage seines FC Bayern in Kaiserslautern.

Ein Rekord für die Ewigkeit! Vierzig Treffer sind ihm allein in der Spielzeit 1971/72 gelungen - selbstredend bis heute die absolute Bestmarke, wie auch sieben Hattricks in seiner Laufbahn. Vier Mal schaffte Gerd Müller fünf Tore in einem Spiel.

Nur in einer Hinsicht muss er in den Bundesliga-Geschichtsbüchern einem anderen Topstürmer den Vortritt lassen - immerhin einem Namensvetter: Dieter Müller vom 1. FC Köln gelangen am 17. August 1977 gegen Werder Bremen (7:2) sogar sechs Tore in neunzig Minuten.


Mit 602 Einsätzen hat Karl-Heinz Körbel als Rekordspieler von 1972 bis 1991 - ausschließlich für Eintracht Frankfurt - die Bundesliga selbst geprägt. Heute ist "Charly" Körbel Leiter der Eintracht-Fußballschule. Im Bundesliga-Magazin lässt er Highlights und kleine Aufreger Revue passieren.