Mainz - Trotz eines 0:1-Rückstands gewinnt Werder Bremen mit 3:1 beim 1. FSV Mainz 05 und meldet sich in der Spitzengruppe der Bundesliga zurück. Überragender Bremer war Claudio Pizarro, der sein 150. Liga-Tor erzielte.

Das größte Lob kam vom Gegner. Der Mainzer Manager Christian Heidel sagte anerkennend: "Mit Pizarro hätten wir heute gewonnen." Doch die Mainzer vergaben wie in den vergangenen Wochen zu viele Torchancen und standen am Ende trotz Überlegenheit wieder einmal als Verlierer da.

"Tore zum richtigen Zeitpunkt"

Wie man effektiv spielt, zeigte ihnen dagegen Claudio Pizarro, der Werders erste Chance in der 29. Minute eiskalt nutzte und Bungerts Führungstor(23.) ausglich. Kurz nach der Pause erkämpfte sich der Peruaner den Ball und bediente Aaron Hunt, der mit einem wuchtigen Schuss aus 20 Metern in den Winkel die Bremer in Führung brachte. "Wir haben bis zum Schluss gekämpft und zum richtigen Zeitpunkt die Tore gemacht", freute sich Pizarro. Abwehrspieler Sebastian Prödl schließlich staubte in der 78. Minute zum 3:1 ab, nachdem er selbst zuvor den Ball an den Pfosten geköpft hatte.

"Dieser Sieg war sehr wichtig für uns", wusste Pizarro, der wieder einmal entscheidenden Anteil am Bremer Erfolg hatte. Die Zahlen sind beeindruckend: An elf der letzten zwölf Werder-Tore war der 33-jährige Routinier beteiligt, der Ausgleich in Mainz war bereits sein achter Saisontreffer und sein 150. Tor in der Bundesliga insgesamt - nur 13 Spieler schafften es in der Ligahistorie, diese Marke zu knacken. "Ich freue mich natürlich, dass ich das geschafft habe, aber da muss noch mehr kommen", sagte Pizarro tatendurstig.

Pizarro bedroht Allofs' Marke

Lob bekam Pizarro auch von Werders Manager Klaus Allofs, der in seiner aktiven Bundesligalaufbahn immerhin 177 Treffer erzielt hat. "Man hat heute gesehen, dass wir einen Weltklassemann in unseren Reihen haben", erklärte Allofs. Der schlitzohrige Pizarro sagte zu Allofs‘ Trefferzahl lachend: "Tore sind mein Job. Ich werde versuchen, Klaus Allofs noch einzuholen."

Auch Trainer Thomas Schaaf stellte Pizarros Wert für diese Mannschaft heraus. "Er macht die wichtigen Tore. Wir wissen, was wir an ihm haben, er weiß aber auch, was er an uns hat", sagte Schaaf zur Leistung des Mannes, der wieder einmal den Unterschied für Werder ausgemacht hatte. Doch Pizarro ist mittlerweile kein Stürmer mehr, der nur bedient werden will. Unermüdlich arbeitete er auch in der Defensive mit und trug so seinen Teil zur soliden Defensivarbeit der Bremer bei. Früher war dies nicht unbedingt eine der Stärken Peruaners, doch heute sagt er wie selbstverständlich: "Manchmal muss man eben auch in der Defensive arbeiten."

"Ein wichtiges Signal"

Durch den Erfolg in Mainz halten die Bremer Anschluss an die Spitzengruppe. Zuvor hatten sie ja nur einen Punkt aus den vergangenen drei Spielen ergattert. Mit nun 20 Punkten steht Werder nach Spieltag elf auf Rang 4 mit fünf Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Bayern München und nur einem Zähler weniger als Schalke 04 auf Rang 2. "Das ist für uns ein ganz wertvoller Sieg", analysierte Allofs: "Das war ein wichtiges Signal für die Spieler, die gesehen haben, dass man belohnt wird, wenn man nicht nachlässt."

Werder müsse sich aber stetig verbessern, meinte der Geschäftsführer, die Mannschaft müsse immer ihr ganzes Potenzial abrufen, um oben zu bleiben. Ob Werder nicht von Claudio Pizarro abhängig sei, wurde Allofs noch gefragt. So explizit wollte er das nicht bestätigen, aber die Wichtigkeit Pizarros für Werder ist Allofs natürlich bewusst. Er sagte: "Der FC Barcelona ist ja in gewisser Weise auch von Lionel Messi abhängig."

Tobias Schächter