München - Eigentlich wollte Claudio Pizarro mit der peruanischen Nationalmannschaft bei der Copa America, dem südamerikanischen Pendant zur Europameisterschaft, auftrumpfen und mit gesteigertem Selbstbewusstsein in der neuen Bundesliga-Saison für Werder Bremen auf Torejagd gehen. Ein Innenbandabriss am rechten Knie macht ihm einen Strich durch die Rechnung.

Etwa sechs Wochen wird der erfolgreichste ausländische Bundesligaspieler (142 Tore) ausfallen. Nicht nur für den 32-jährigen Südamerikaner und die peruanische Nationalmannschaft ist das eine bittere Nachricht. Auch der SV Werder Bremen steht nun vor Problemen, denn Cheftrainer Thomas Schaaf wird seinen wichtigsten Stürmer nicht ohne weiteres ersetzen können.

Pizarros Einsätze verhindern Niederlagen

Wie wichtig Pizarro für seinen Verein ist, zeigt, dass er in der abgelaufenen Saison mit neun Treffern die meisten Tore für Werder erzielt hat. Dabei glänzte er vor allem durch seine hervorragende Chancenverwertung: Jeder vierte Schuss auf das gegnerische Tor führte zu einem Treffer.

Aber nicht nur das macht ihn unersetzlich. "Pizza" ist nämlich so etwas wie ein Talisman für sein Team: Denn wenn er mit von der Partie war, holte Werder im Durchschnitt 1,5 Punkte pro Spiel und erzielte 1,68 Treffer. Fehlte er, gab es nur 0,67 Punkte, bei gerade mal 0,83 Treffern pro Partie.

Wagner-Treffer bringen Siege

Der Österreicher Marko Arnautovic wäre ein möglicher Stellvertreter. Mit 76 Prozent angekommenen Zuspielen ist er ein sehr passsicherer Offensivspieler. Allerdings klappt es mit dem Toreschießen noch nicht so gut - drei Treffer in der vergangenen Saison stellen eher eine magere Ausbeute dar. Und als ob das nicht schon zu wenig wäre, ergatterte Werder ohne ihn im Durchschnitt 1,78 Punkte, mit ihm aber nur einen Punkt.

Auch U-21-Europameister Sandro Wagner wäre eine mögliche Alternative zu Pizarro. Aber wie bei Marko Arnautovic gibt es auch mit ihm im Aufgebot weniger Punkte (1,04), als ohne ihn (1,55). Aber wenn Wagner trifft, gibt es keine Niederlage für die Bremer. In der letzten Saison war das fünf Mal der Fall.

Zwei Schweden als Ersatz

Und dann wäre da noch Markus Rosenberg, der in Spanien Auslandserfahrung sammelte und nach einer Saison bei Racing Santander zu den "Grün-Weißen" zurückkehrt. Der Schwede traf für den spanischen Verein neun Mal und war so der erfolgreichste Torschütze für Santander. Allerdings brauchte er für seine neun Treffer 98 Versuche.

Von Rosenbergs Landsmann Denni Avdic geht zu wenig Gefahr aus, um ihn ernsthaft als Stellvertreter Pizarros einzusetzen. In seinen 158 Bundesligaminuten für Bremen in der abgelaufenen Saison war er an keinem einzigen Treffer für Bremen beteiligt.

Kontakt nach Südamerika

Letztendlich wird Schaaf seine Entscheidung von den Trainingsleistungen seiner Offensivspieler abhängig machen, wer Pizarros Platz einnehmen wird. Und dann bleibt noch das Hoffen, dass Pizarro schnell wieder fit wird. "Wir stehen in sehr engem Kontakt zu den behandelnden Ärzten vor Ort und werden in den kommenden Tagen entscheiden, wie er behandelt wird und wann er nach Deutschland zurückkehrt," erklärt Bremens Geschäftsführer Klaus Allofs.

Adriano Gomez-Bantel