Bremen - Als einziger Profi des Hamburger SV hätte sich Jonathan Pitroipa am vergangenen Wochenende als Gewinner fühlen können.

Er tat es natürlich nicht, schließlich verlor der HSV im Nordderby gegen den Erzrivalen Werder Bremen mit 2:3.

Aber Pitroipas Leistung nach seiner Einwechslung in der 53. Minute beeindruckte sogar die Werder-Fans im ausverkauften Weserstadion. Gerade mal sechs Minuten stand der Nationalspieler aus Burkina Faso auf dem Platz, da sprintete er Sebastian Prödl davon und legte Ruud van Nistelrooy den Anschlusstreffer zum 1:2 auf. Und nur vier Minuten später traf er selbst: Eine zu kurz abgewehrte Ecke hämmerte er aus 15 Metern in den linken Winkel des Bremer Tores zum 2:2.

Seine Leistung bleibt ohne Belohnung

"Als ich den Ball kontrollieren konnte, wusste ich, dass ich es versuchen muss. Ich habe darauf spekuliert, dass vielleicht noch ein Abwehrspieler den Ball abfälscht", so Pitroipa, der zu diesem Zeitpunkt sicherlich "Man of the Match" geworden wäre. Aber zum Missfallen der mitgereisten Hamburger Anhänger erzielte Hugo Almeida in der 85. Minute den Siegtreffer für die Gastgeber - Pitroipas starke Leistung blieb ohne Belohnung.

Vor dem Spiel wunderten sich die Experten, warum das Leichtgewicht (wiegt nur 62 Kilo) zunächst auf der Ersatzbank Platz nehmen musste. In fünf Partien der noch jungen Saison setzte Coach Armin Veh in der Startelf auf den flinken Dribbler, der stets zu gefallen wusste, selbst bei der bitteren Heimpleite gegen den VfL Wolfsburg noch einer der Besseren war. "Wenn mich der Trainer von Anfang an gebracht hätte, wäre es auch gegangen. Aber es war auch so gut", gibt sich Pitroipa bescheiden.

Hoffnungen auf Stammelf, weil die Konkurrenten schwächeln

Nach der bärenstarken Leistung in Bremen kann er sich für das anstehende Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern am kommenden Samstag berechtigte Hoffnungen auf die Rückkehr in die Startelf machen. Zumal seine direkten Konkurrenten auf der offensiven Außenbahn schwächeln.

Eljero Elia enttäuschte in Bremen und musste für Pitroipa das Feld verlassen, auch Marcell Jansen konnte nicht voll überzeugen und wurde ausgewechselt. Der für Jansen eingewechselte Piotr Trochowski verlor sogar den entscheidenden Zweikampf gegen Daniel Jensen vor dem Bremer Siegtor.

Der Berater erklärt den Formanstieg mit Vertrauen

Gute Aussichten also für Pitroipa, der vor zwei Jahren vom SC Freiburg an die Elbe wechselte und bisher in 54 Ligaspielen fünf Treffer für den HSV erzielte. Berater Nick Neururer hat einen Grund für den Leistungsanstieg seine Schützlings. "Armin Veh ist der erste HSV-Trainer, der ihm vertraut. Wenn Pit das spürt, zahlt er es zurück", so Neururer in der "Hamburger Morgenpost".

Dass Pitroipa noch Potenzial nach oben hat, steht für den Berater außer Frage: "Wenn er gut drauf ist, kann kein Abwehrspieler der Welt ihn stoppen. Und wenn doch, gibt's eben Freistoß. In dieser Form ist er für jeden Verein der Welt ein Gewinn und zehn Tore und zehn Assists pro Saison wären normal."

Pitroipa: "Uns fehlt immer noch ein wenig"

Derzeit ist der Außenspieler einer der wenigen Hamburger Profis in wirklich guter Form. Nach zwei Siegen zum Saisonstart konnten die Hanseaten aktuell vier Mal in Folge nicht gewinnen und rutschten in der Tabelle auf Platz 8 ab. Pitroipa: "Ich denke, wir spielen ganz gut, aber es fehlt uns immer noch ein wenig. Wir müssen kompakt stehen und alle auf dem Platz zusammenarbeiten, dann wird es auch wieder mit einem Sieg klappen."

Mit einem Jonathan Pitroipa in Topform könnte das schon am Samstag gegen die "Roten Teufel" aus Kaiserslautern der Fall sein.

Oliver Bülow